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KAGIDA verhindern – Nazis die Räume nehmen

Auch in Kassel wollen Nazis am Montag erneut ihre rassistischen Positionen auf die Straße tragen. Kommt zu den Gegenprotesten!

Gegendemo 26.01. 18:00 Georg-Scheidemann-Platz , Kassel

26.05.15 – Pegida in Frankfurt? Läuft nicht!

Hier ein Aufruf der Genoss_innen aus Frankfurt zum dortigen rassistischen Kartoffelfest:


26. Januar | 16:30 Uhr | Hauptwache Frankfurt

Den rassistischen Aufmarsch blockieren – den staatlichen Rassismus ins Visier nehmen

Am 26. Januar wollen sie es nun auch in Frankfurt versuchen. “Pegida Frankfurt Rhein-Main” hat an diesem Tag für 17 Uhr zu einer Kundgebung an der Hauptwache und für 18:30 zu einem “Spaziergang” aufgerufen. RassistInnen, NationalistInnen, rechte Hools, Mitglieder der AfD, Nazis und all diejenigen, denen tausende Tote an den EU-Außengrenzen nicht genug sind, werden kommen. Angelehnt an das Vorbild der Dresdener Pegida-Demonstrationen hoffen sie, auf den bundesweiten Hype aufspringen zu können. Wir rufen alle fortschrittlich gesinnten Menschen dazu auf, gemeinsam mit uns zu verhindern, dass der rassistische, nationalistische und chauvinistische Mob durch Frankfurts Straßen ziehen kann. Wenn Pegida kommt, werden wir schon da sein. Wir treffen uns um 16:30 Uhr an der Hauptwache in Frankfurt.

Gegen den Rassismus der Mitte
Ebenfalls für den 26. Januar ruft ein breites Bündnis für 18 Uhr zu einer Kundgebung gegen Pegida und Rassismus auf dem Frankfurter Römer auf. Mit dabei sind auch die etablierten Frankfurter Parteien (CDU, SPD, Grüne). Dass deren Engagement auf Nächstenliebe gegenüber Flüchtlingen und Ausgegrenzten zurückzuführen wäre, ist jedoch nicht zu vermuten. Schließlich sind es eben diese Parteien, die deutsche Interessen am Hindukusch durchsetzen, Asylgesetze verschärfen, der Bevölkerung in Südeuropa Sparauflagen aufzwingen oder – wie gerade die Grünen – ein härteres Vorgehen gegen “Junkies” im Frankfurter Bahnhofsviertel fordern . Ihnen geht es wohl in erster Linie um Image-Werbung für den „internationalen Standort“ Frankfurt. Wir rufen daher dazu auf, sich dem rassistischen Aufmarsch selbstorganisiert und mit der nötigen Entschlossenheit in den Weg zu stellen und dabei zugleich den staatlichen Rassismus ins Visier zu nehmen. Stellen wir uns dem rassistischen Mob dort entgegen, wo er laufen will, anstatt uns abseits des Geschehens mit den StandortnationalistInnen der etablierten Parteien die Beine in den Bauch zu stehen.

Pegida – Kartoffeln machen auf Straße
Überraschung: So dumm, nicht zu merken, dass in dieser Gesellschaft „irgendwas“ nicht stimmt, sind nicht mal die RassistInnen von Pegida. Aber ihre Lösungsvorschläge für die soziale und politische Krise dieser Gesellschaft folgen einem so einfachen wie menschenverachtenden Kalkül: Mit den hiesigen Macht- und Herrschaftsverhältnissen will man sich lieber nicht anlegen. Stattdessen tritt man nach unten und macht die Schwächsten der Gesellschaft für die eigenen Ängste und Frustrationen verantwortlich. Die „Angst vor dem Salafismus“, die Verteidigung „freiheitlicher Grundwerte“ und die „Arroganz von Medien und Politik“ sind nur billiger Schmuck für das eigentliche Programm: Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus – also brutale Menschenfeindlichkeit. Wäre es anders, hätten sich die SpießerInnen an den Demonstrationen linker kurdischer und deutscher Gruppen gegen den Terror des Islamischen Staats und seine Unterstützer oder auch den diversen Krisenproteste beteiligen können. Aber da war nur Schweigen im deutschen Wald. Der Untertan geht hierzulande nur auf die Straße, wenn er die Gelegenheit wittert unter dem Verweis auf seine Herkunft besondere Ansprüche gegenüber „Fremden“ deutlich zu machen. Da dominiert Deutschland ganz Europa und zwingt ihm seine Wettbewerbspolitik auf und tausende Migrant*innen ertrinken jedes Jahr im Mittelmeer, aber deutsche NationalistInnen fühlen sich von der ganzen Welt betrogen. Dass autoritäre Charaktere, wie die von Pegida, AfD und co solche Wahnvorstellung haben ist keineswegs neu. Neu ist allerdings, dass sie sich ermutigt fühlen ihre Gesinnung vom Stammtisch auf die Straße zu tragen. Weil sogar sie ahnen, dass die Zeiten im Kapitalismus nicht besser und der Kuchen nicht größer wird, schalten immer mehr SpießbürgerInnen in den Angstbeißer-Modus um. Höchste Zeit ihnen klar zu machen, dass dieser reaktionäre Krisenlösungsversuch ein unangenehmer Holzweg ist.

Das „bessere Deutschland“ und die „berechtigten Sorgen“ seiner Insassen
Dem Großteil der politischen Eliten ist der Pegida-Auflauf unheimlich. Man will sich das gute Image des Standortes Deutschland und das bisher erfolgreiche Geschäftsmodell einer von Deutschland dominierten EU nicht durch neurotische Starrköpfe, denen selbst die paar Zugeständnisse an Menschenrechtsrhetorik und Liberalität schon zu weit gehen, kaputtmachen lassen. Man ist sich über die Reichweite der Forderungen und Schrillheit des Tons mit den Strassenkartoffeln nicht einig: Während sich hinter dem Antirassismus der Mitte ein Rassismus der ökonomischen Vernunft verbirgt, bedient sich der Mob darüberhinaus biologistischer und kulturalistischer Zuschreibungen. Einig sind sie sich letztlich in der rassistischen Unterteilung in nützliche und unnütze Migrant*Innen, die in Form von Frontex schon längst zur Staatsräson geworden ist. Überraschend ist das nicht, denn im rauen Wind der Standortkonkurrenz liegen neoliberale Eliten und rechter Mob im Zweifelsfall nahe beieinander. Genau hierin besteht auch die Gefahr, die von rechten Bewegungen wie Pegida und Parteien wie der AfD ausgeht: Was von ihnen droht, ist keine „faschistische Machtübernahme“, sondern eine weitere Verschärfung der ohnehin schon brutalen Einwanderungs- und Standortpolitik. Der Ruf nach Verständnis für die “besorgten Bürger”, von CDU bis Linkspartei, zeugt schon jetzt von einer Rechtsverschiebung der gesellschaftlichen Debatte. Fortschrittliche Wege aus der Krise werden durch die Verschiebung des Diskurses nach rechts kaum mehr wahrgenommen. Deswegen ist es jetzt wichtig dazwischen zu grätschen, dem rechten Straßenmob Einhalt zu gebieten und gleichzeitig eigene Alternativen zu entwickeln. Dass das mit Masse und Entschlossenheit möglich ist, haben antifaschistische Mobilisierungen in Hannover und in Kassel kürzlich bewiesen. Wenn Pegida unbedingt durch Frankfurt laufen will, dann müssen sie rennen!

Pegida in Frankfurt läuft nicht!
26. Januar | 16:30 Uhr | Hauptwache Frankfurt

Völkische Verbindungen – Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich

Im Rahmen einer Präsentation der Neuauflage der Broschüre „Völkische Verbindungen – Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich“ soll der gesellschaftliche Einfluss von Burschenschaften in Österreich, ihre Geschichte, Brauchtum und psychosoziales Profil nachgezeichnet und die Notwendigkeit gegen die elitären Männerbünde vorzugehen aufgezeigt werden. Zudem wird im Vortrag über die bisherigen sowie die geplanten Proteste gegen den „Akademiker-Ball“ 2015 informiert.

Am 7.12. kommt die Anti-Burschi-Tour aus Wien nach Marburg! 20:00 Havanna Acht!

Mackerhaufen, Männerbünde, Messerstecher

Es ist schwer, angesichts der Tragik der Geschehnisse Worte zu finden. Dieser Text ist ein Versuch unsere Fassungslosigkeit in Worte zu fassen. Wir können die Umstände des Mordes nicht vollends nachvollziehen, kennen nur wenige Details. Was wir jedoch können, ist, die Motive der Tat hinterfragen und die scheinheilige Diskussion um die Geschehnisse kritisieren.

Am 11.10. dieses Jahres wurde in der Reitgasse ein 20 jähriger Studierender erstochen. Der Täter ist Mitglied in der Landsmannschaft Nibelungia Marburg. Der gewaltsame Tod eines jungen Menschen macht Viele nicht nur fassungslos und betroffen, er wirft auch die Frage auf wie es zu dieser Gewalttat kommen konnte. Anwohner_innen und Marburger Politik sind sich hier schnell einig geworden, Alkoholkonsum, lange Kneipenöffnungszeiten, Saufgelage insgesamt seien, zusammen mit nicht ausreichender Polizeipräsenz die Ursache für zunehmende Gewalt in der Oberstadt. Diese verallgemeinernde Argumentation verschleiert nicht nur die Motive des Täters in diesem Fall, sondern lässt Gewalt als eine spontane Handlung Betrunkener erscheinen. Wenn jedoch ein Verbindungsstudent einen Unbewaffneten niedersticht, steht hinter dieser Gewalttat auch eine gewaltförmige Sozialisation und eine autoritäre Ideologie innerhalb von Studentenverbindungen.

Vaterland, Freundschaft, Ehre; Wahlspruch der Landsmannschaft Nibelungia

Die Landsmannschaft Nibelungia ist eine farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung, sie ist organisiert im Coburger Convent (CC) zusammen mit anderen, ähnlich gesinnten Landsmannschaften und Turnerschaften. In ihren Bräuchen ist das Verteidigen der eigenen Ehre mittels körperlicher Gewalt fest angelegt. Zwar wird die Satisfikation1 inzwischen nicht mehr mit der scharfen Klinge ausgetragen, die Wesenszüge des Männerbundes, der auf unbedingten Gehorsam und die Unterwerfung des Individuums unter die Gemeinschaft ausgerichtet ist, bleiben jedoch erhalten. So besteht im Zusammenleben der Verbinder ein komplexes Regelwerk an gesellschaftlicher Etikette, das nicht nur auswendig gelernt werden muss, sondern dessen Einhaltung mittels entwürdigender Strafen und Ausschluss aus der Gemeinschaft forciert wird. Wer diese Etikette nicht beachtet, entehrt damit die Verbindung, sich selbst und nicht zuletzt den jeweiligen Gegenüber und wird bestraft, um selbige Ehre wiederherzustellen bzw. zu verteidigen.
Die Ehre, die da verteidigt werden soll, ist jedoch nicht zu verwechseln mit der Würde, die jedem Individuum innewohnt, es ist die Ehre als Mann, die Ehre des Vaterlandes und die Ehre des eigenen Standes, die verteidigt wird. Aus diesem Grund werden Menschen, die hinterfragen, ob rituelles Wettsaufen und elitäres Gehabe besonders ehrenvoll sind, in der Logik der Verbinder zu „verweiblichten Männern“ bzw. „vermännlichten Frauen“, „Vaterlandsverrätern“ oder „Asozialen“. Entsprechend dieses Feindbildes muss sich verteidigt werden, auch mit körperlicher Gewalt.
Dass betrunkene Männerhaufen sich, weil sie sich in ihrer Ehre verletzt fühlen, zur Gewalt greifen, um selbige wiederherzustellen, ist keine Seltenheit und freilich nicht nur bei Verbindungen zu finden. Ein alkoholisiertes, aggressives Mackertum ist der nächtliche Normalzustand deutscher Innenstädte. Studentenverbindungen jedoch unterlegen dieses Mackertum mit einer Ideologie aus Nationalismus, Homophobie und Sexismus. In diesem Weltbild fühlen sie sich durch jene bedroht, die durch ihre Existenz oder Meinungsäußerungen ihre deutschnationalen, patriarchalen Träume platzen lassen, also für ein solidarisches Miteinander außerhalb von Patriarchat und Zweigeschlechtlichkeit eintreten. In dieser Ideologie, die sich ständig durch eine als übermächtig empfundene „Gutmenschenmafia“ bedroht sieht, ist Angriff die beste Verteidigung. Dass aggressive Verbinder sich also mit Messern bewaffnen, wenn sie nachts durch die Straßen ziehen, ist ihrem Empfinden ständiger Bedrohung und der Notwendigkeit zur andauernden Kampfbereitschaft geschuldet.2 Die körperliche Unversehrtheit und das Leben des jeweiligen Gegenübers sind in dieser Logik nebensächlich, die Burschis handeln aus ihrer Sicht heraus ja in Notwehr, indem sie ihre Moralvorstellungen gegen eine ihnen feindlich gesinnte Gesellschaft verteidigen.

Burschen, Trolls,…

Liest man die zahlreichen Kommentare in sozialen Netzen zu dem Vorfall, so wird klar, dass nicht nur die Burschen die ständige Bedrohung ihres Status als weiße heterosexuelle Männer herbeidichten: Frühzeitig wurden wahlweise „Ausländer“ oder „Asoziale“ als Täter_innen ausgemacht3, denn weiß-deutsche Akademiker_innen könnten eine solche (feige) Gewalttat nicht begehen. Die Projektion der Bedrohung und Konkurrenz ins fremde Andere ist dabei ein Mittel um die eigene Position zu stärken. Diejenigen, denen die Tat(en) in einem rassistischen Beissreflex angedichtet werden, erscheinen im Bild der Täter als sozial minderwertig. Ihnen werden archaisch-patriarchale Großfamilienstrukturen und ein Hang zu organisierter Kriminalität vorgeworfen, mit dem sie sich außerhalb der deutschen Gesellschaft stellten und die berühmte Parallelgesellschaft bildeten. Gleichzeitig lenkt die rassistische Projektion die Ohnmachtsgefühle gegenüber der gesellschaftlichen Realität eines kulturell diversifizierten Zusammenlebens in eine Überhöhung der gesellschaftlichen Wirkmacht von Menschen die als nicht-deutsch gelesen werden. Eine politische Lobby aus Grünen, Linken und „Gutmenschen“ schütze die „Ausländer“ vor dem berechtigten Zugriff durch Volk und Polizei. Auf der einen Seite steht hierbei also die ständige Angst vor zahllosen gewalttätigen Fremden, denen von Politik und Polizei nichts entgegengestellt werde, auf der anderen werden diese gleichzeitig als „Sozialschmarotzer“, „faul“ und „drogenabhängig“ abgestempelt.
Die einzige Gegenwehr, die der „gefühlten Minderheit“ der weißen Heteros noch bleibt, ist, neben rassistischem Gejammer im Internet, auf der Straße im wahrsten Sinne „seinen Mann zu stehen“. Dabei werden sowohl jene angegriffen, die als Feinde erkannt wurden, also Schwarze, People of Color, LGBTI und andere die im beschränkten Weltbild besoffen-patriarchaler Männlichkeit keinen Platz haben, als auch im Rausch aus Gewalt und Geltungsdrang bei den eigenen Leuten für Kollateralschäden zu sorgen.4

und Büttel

Die Marburger Lokalpolitik reagiert auf den Mord entsprechend ihres Auftrages zur Wahrung von Recht und Ordnung. Nicht die Gesinnung des Täters und seines Umfeldes werden als Triebfeder der Tat genannt, sondern Alkoholexzesse auf der Straße. Alkohol wird hier vom Katalysator von Gewalt zur Ursache derselben umgedeutet. Die geplanten Präventionsmaßnahmen reichen dementsprechend von Kameraüberwachung bis zu Alkoholverboten auf öffentlichen Plätzen. Das Saufen soll in die wohlgeordneten und profitableren Innenräume der Marburger Studierendenkneipen verlegt werden. Patriarchal männliche Gewalt macht jedoch nicht vor den Kneipentüren halt. Die von der Stadt geforderte Politik verlagert vielmehr die sexistischen, homophoben und rassistischen Übergriffe besoffener Männerhaufen in ein weniger öffentliches Ambiente. Draußen bleiben dabei all diejenigen, die sich das Gasthaus-Saufen nicht leisten können oder wollen . Sie sind somit den Repressalien von Bullen und Ordnungsamts-Schergen ausgesetzt, die in ihrer Ideologie den Burschen in Nichts nachstehen.
Zusätzlich zu den nachtaktiven Handlanger_innen des Staates patrouillieren immer mehr private Sicherheitsdienste die Straßen. Diesen fast ausnahmslos männlich besetzten Schlägertrupps bietet sich dabei die Möglichkeit ihre ganz persönlichen Moralvorstellungen in fast rechtsfreiem Rahmen und mittels körperlicher Gewalt umzusetzen5. Die Folge sind rassistische Türkontrollen an Diskotheken, körperliche Angriffe bei Widerspruch und offene rechte Gewalt. Die Forderung nach mehr privater Security ist wenige Wochen nach dem Aufdecken einer massiven, organisierten Misshandlung von Refugees in Heimen und Lagern durch private Sicherheitsdienste blanker Hohn.

Die Stadt sollte sich vielleicht mehr Gedanken um die Burschenhaufen machen, die am Wochenende die Oberstadt mit ihrer offensiv zur Schau getragenen Schnöseligkeit, ihrem Gegröle und ihrer Aggressivität ungenießbar machen. Straßensperren in der Lutherstrasse wären ein erster Schritt.
Stattdessen werden die Verbinder, nicht nur des Coburger Convents, beim jährlichen Marktfrühschoppen hofiert. Zwar ist man, schweren Herzens und nach langer Diskussion, von der Teilnahme der offen rechtsextremen DB-Burschen abgerückt, das Saufgelage im patriarchalen Männerbund möchte man sich dann aber doch nicht nehmen lassen.

Statt mehr Bullen auf der Straße geht es darum, männliche Privilegien zu hinterfragen und anzugreifen, es gilt eine solidarische, antisexistische Praxis zu entwickeln und zu verteidigen und Burschis, Rassisten und patriarchalem Mannergebündel entschlossen entgegenzutreten, im Netz und auf der Straße.

[Lisa:2]

1: Satisfikation: Wiedergutmachung eines Ehrdelikts „mit geeigneten Mitteln“ bzw. die Verpflichtung, eine solche Genugtuung bei erfolgter Beleidigung einzufordern. Geeignet schien lange Zeit z.B. das Fechten
2: Dass sie als weiße, männliche Akademiker gerade nicht zu jenen zählen die besonders häufig Opfer von Gewaltverbrechen werden ist hierbei nebensächlich. Mit Quarzsandhandschuhen, Schlagstöcken, Pfefferspray, Messer ausgerüsteten Männerbanden geht es nicht um ihre körperliche Unversehrtheit sondern um den waffenförmigen Beweis ihrer Männlichkeit unterienander und gegenüber dem (imaginären) Feind
3: Siehe OP vom 18.10.2014
4: Wobei die gewaltförmige Normierung nach Außen sich auch stets nach Innen richtet. Die soziale Hierachie ist in beide Richtungen gefährdet. In Studentenverbindungen dienen hierzu Saufrituale und Ehrgerichte. Gleichzeitig ist es notwendig, sich über das institutionalisierte Betonen der „Freundschaft“ der gegenseitigen Ungefährlichkeit und des Konkurrenzverzichts zu versichern.
5: Zusätzlich dienen sie als Söldner_innentruppe für die Geschäftsinteressen der Wirt_innen, wie z.B. die unsinnige Eintrittspolitik diverser Clubs und Bars

Mackerhaufen, Männerbünde, Messerstecher

Es ist schwer, angesichts der Tragik der Geschehnisse Worte zu finden. Dieser Text ist ein Versuch unsere Fassungslosigkeit in Worte zu fassen. Wir können die Umstände des Mordes nicht vollends nachvollziehen, kennen nur wenige Details. Was wir jedoch können, ist, die Motive der Tat hinterfragen und die scheinheilige Diskussion um die Geschehnisse kritisieren.

Am 11.10. dieses Jahres wurde in der Reitgasse ein 20 jähriger Studierender erstochen. Der Täter ist Mitglied in der Landsmannschaft Nibelungia Marburg. Der gewaltsame Tod eines jungen Menschen macht Viele nicht nur fassungslos und betroffen, er wirft auch die Frage auf wie es zu dieser Gewalttat kommen konnte. Anwohner_innen und Marburger Politik sind sich hier schnell einig geworden, Alkoholkonsum, lange Kneipenöffnungszeiten, Saufgelage insgesamt seien, zusammen mit nicht ausreichender Polizeipräsenz die Ursache für zunehmende Gewalt in der Oberstadt. Diese verallgemeinernde Argumentation verschleiert nicht nur die Motive des Täters in diesem Fall, sondern lässt Gewalt als eine spontane Handlung Betrunkener erscheinen. Wenn jedoch ein Verbindungsstudent einen Unbewaffneten niedersticht, steht hinter dieser Gewalttat auch eine gewaltförmige Sozialisation und eine autoritäre Ideologie innerhalb von Studentenverbindungen.

Vaterland, Freundschaft, Ehre; Wahlspruch der Landsmannschaft Nibelungia

Die Landsmannschaft Nibelungia ist eine farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung, sie ist organisiert im Coburger Convent (CC) zusammen mit anderen, ähnlich gesinnten Landsmannschaften und Turnerschaften. In ihren Bräuchen ist das Verteidigen der eigenen Ehre mittels körperlicher Gewalt fest angelegt. Zwar wird die Satisfikation1 inzwischen nicht mehr mit der scharfen Klinge ausgetragen, die Wesenszüge des Männerbundes, der auf unbedingten Gehorsam und die Unterwerfung des Individuums unter die Gemeinschaft ausgerichtet ist, bleiben jedoch erhalten. So besteht im Zusammenleben der Verbinder ein komplexes Regelwerk an gesellschaftlicher Etikette, das nicht nur auswendig gelernt werden muss, sondern dessen Einhaltung mittels entwürdigender Strafen und Ausschluss aus der Gemeinschaft forciert wird. Wer diese Etikette nicht beachtet, entehrt damit die Verbindung, sich selbst und nicht zuletzt den jeweiligen Gegenüber und wird bestraft, um selbige Ehre wiederherzustellen bzw. zu verteidigen.
Die Ehre, die da verteidigt werden soll, ist jedoch nicht zu verwechseln mit der Würde, die jedem Individuum innewohnt, es ist die Ehre als Mann, die Ehre des Vaterlandes und die Ehre des eigenen Standes, die verteidigt wird. Aus diesem Grund werden Menschen, die hinterfragen, ob rituelles Wettsaufen und elitäres Gehabe besonders ehrenvoll sind, in der Logik der Verbinder zu „verweiblichten Männern“ bzw. „vermännlichten Frauen“, „Vaterlandsverrätern“ oder „Asozialen“. Entsprechend dieses Feindbildes muss sich verteidigt werden, auch mit körperlicher Gewalt.
Dass betrunkene Männerhaufen sich, weil sie sich in ihrer Ehre verletzt fühlen, zur Gewalt greifen, um selbige wiederherzustellen, ist keine Seltenheit und freilich nicht nur bei Verbindungen zu finden. Ein alkoholisiertes, aggressives Mackertum ist der nächtliche Normalzustand deutscher Innenstädte. Studentenverbindungen jedoch unterlegen dieses Mackertum mit einer Ideologie aus Nationalismus, Homophobie und Sexismus. In diesem Weltbild fühlen sie sich durch jene bedroht, die durch ihre Existenz oder Meinungsäußerungen ihre deutschnationalen, patriarchalen Träume platzen lassen, also für ein solidarisches Miteinander außerhalb von Patriarchat und Zweigeschlechtlichkeit eintreten. In dieser Ideologie, die sich ständig durch eine als übermächtig empfundene „Gutmenschenmafia“ bedroht sieht, ist Angriff die beste Verteidigung. Dass aggressive Verbinder sich also mit Messern bewaffnen, wenn sie nachts durch die Straßen ziehen, ist ihrem Empfinden ständiger Bedrohung und der Notwendigkeit zur andauernden Kampfbereitschaft geschuldet.2 Die körperliche Unversehrtheit und das Leben des jeweiligen Gegenübers sind in dieser Logik nebensächlich, die Burschis handeln aus ihrer Sicht heraus ja in Notwehr, indem sie ihre Moralvorstellungen gegen eine ihnen feindlich gesinnte Gesellschaft verteidigen.

Burschen, Trolls,…

Liest man die zahlreichen Kommentare in sozialen Netzen zu dem Vorfall, so wird klar, dass nicht nur die Burschen die ständige Bedrohung ihres Status als weiße heterosexuelle Männer herbeidichten: Frühzeitig wurden wahlweise „Ausländer“ oder „Asoziale“ als Täter_innen ausgemacht3, denn weiß-deutsche Akademiker_innen könnten eine solche (feige) Gewalttat nicht begehen. Die Projektion der Bedrohung und Konkurrenz ins fremde Andere ist dabei ein Mittel um die eigene Position zu stärken. Diejenigen, denen die Tat(en) in einem rassistischen Beissreflex angedichtet werden, erscheinen im Bild der Täter als sozial minderwertig. Ihnen werden archaisch-patriarchale Großfamilienstrukturen und ein Hang zu organisierter Kriminalität vorgeworfen, mit dem sie sich außerhalb der deutschen Gesellschaft stellten und die berühmte Parallelgesellschaft bildeten. Gleichzeitig lenkt die rassistische Projektion die Ohnmachtsgefühle gegenüber der gesellschaftlichen Realität eines kulturell diversifizierten Zusammenlebens in eine Überhöhung der gesellschaftlichen Wirkmacht von Menschen die als nicht-deutsch gelesen werden. Eine politische Lobby aus Grünen, Linken und „Gutmenschen“ schütze die „Ausländer“ vor dem berechtigten Zugriff durch Volk und Polizei. Auf der einen Seite steht hierbei also die ständige Angst vor zahllosen gewalttätigen Fremden, denen von Politik und Polizei nichts entgegengestellt werde, auf der anderen werden diese gleichzeitig als „Sozialschmarotzer“, „faul“ und „drogenabhängig“ abgestempelt.
Die einzige Gegenwehr, die der „gefühlten Minderheit“ der weißen Heteros noch bleibt, ist, neben rassistischem Gejammer im Internet, auf der Straße im wahrsten Sinne „seinen Mann zu stehen“. Dabei werden sowohl jene angegriffen, die als Feinde erkannt wurden, also Schwarze, People of Color, LGBTI und andere die im beschränkten Weltbild besoffen-patriarchaler Männlichkeit keinen Platz haben, als auch im Rausch aus Gewalt und Geltungsdrang bei den eigenen Leuten für Kollateralschäden zu sorgen.4

und Büttel

Die Marburger Lokalpolitik reagiert auf den Mord entsprechend ihres Auftrages zur Wahrung von Recht und Ordnung. Nicht die Gesinnung des Täters und seines Umfeldes werden als Triebfeder der Tat genannt, sondern Alkoholexzesse auf der Straße. Alkohol wird hier vom Katalysator von Gewalt zur Ursache derselben umgedeutet. Die geplanten Präventionsmaßnahmen reichen dementsprechend von Kameraüberwachung bis zu Alkoholverboten auf öffentlichen Plätzen. Das Saufen soll in die wohlgeordneten und profitableren Innenräume der Marburger Studierendenkneipen verlegt werden. Patriarchal männliche Gewalt macht jedoch nicht vor den Kneipentüren halt. Die von der Stadt geforderte Politik verlagert vielmehr die sexistischen, homophoben und rassistischen Übergriffe besoffener Männerhaufen in ein weniger öffentliches Ambiente. Draußen bleiben dabei all diejenigen, die sich das Gasthaus-Saufen nicht leisten können oder wollen . Sie sind somit den Repressalien von Bullen und Ordnungsamts-Schergen ausgesetzt, die in ihrer Ideologie den Burschen in Nichts nachstehen.
Zusätzlich zu den nachtaktiven Handlanger_innen des Staates patrouillieren immer mehr private Sicherheitsdienste die Straßen. Diesen fast ausnahmslos männlich besetzten Schlägertrupps bietet sich dabei die Möglichkeit ihre ganz persönlichen Moralvorstellungen in fast rechtsfreiem Rahmen und mittels körperlicher Gewalt umzusetzen5. Die Folge sind rassistische Türkontrollen an Diskotheken, körperliche Angriffe bei Widerspruch und offene rechte Gewalt. Die Forderung nach mehr privater Security ist wenige Wochen nach dem Aufdecken einer massiven, organisierten Misshandlung von Refugees in Heimen und Lagern durch private Sicherheitsdienste blanker Hohn.

Die Stadt sollte sich vielleicht mehr Gedanken um die Burschenhaufen machen, die am Wochenende die Oberstadt mit ihrer offensiv zur Schau getragenen Schnöseligkeit, ihrem Gegröle und ihrer Aggressivität ungenießbar machen. Straßensperren in der Lutherstrasse wären ein erster Schritt.
Stattdessen werden die Verbinder, nicht nur des Coburger Convents, beim jährlichen Marktfrühschoppen hofiert. Zwar ist man, schweren Herzens und nach langer Diskussion, von der Teilnahme der offen rechtsextremen DB-Burschen abgerückt, das Saufgelage im patriarchalen Männerbund möchte man sich dann aber doch nicht nehmen lassen.

Statt mehr Bullen auf der Straße geht es darum, männliche Privilegien zu hinterfragen und anzugreifen, es gilt eine solidarische, antisexistische Praxis zu entwickeln und zu verteidigen und Burschis, Rassisten und patriarchalem Mannergebündel entschlossen entgegenzutreten, im Netz und auf der Straße.

[Lisa:2]

1: Satisfikation: Wiedergutmachung eines Ehrdelikts „mit geeigneten Mitteln“ bzw. die Verpflichtung, eine solche Genugtuung bei erfolgter Beleidigung einzufordern. Geeignet schien lange Zeit z.B. das Fechten
2: Dass sie als weiße, männliche Akademiker gerade nicht zu jenen zählen die besonders häufig Opfer von Gewaltverbrechen werden ist hierbei nebensächlich. Mit Quarzsandhandschuhen, Schlagstöcken, Pfefferspray, Messer ausgerüsteten Männerbanden geht es nicht um ihre körperliche Unversehrtheit sondern um den waffenförmigen Beweis ihrer Männlichkeit unterienander und gegenüber dem (imaginären) Feind
3: Siehe OP vom 18.10.2014
4: Wobei die gewaltförmige Normierung nach Außen sich auch stets nach Innen richtet. Die soziale Hierachie ist in beide Richtungen gefährdet. In Studentenverbindungen dienen hierzu Saufrituale und Ehrgerichte. Gleichzeitig ist es notwendig, sich über das institutionalisierte Betonen der „Freundschaft“ der gegenseitigen Ungefährlichkeit und des Konkurrenzverzichts zu versichern.
5: Zusätzlich dienen sie als Söldner_innentruppe für die Geschäftsinteressen der Wirt_innen, wie z.B. die unsinnige Eintrittspolitik diverser Clubs und Bars

Auf jetzt! Gegen Rechte Gewalt im Siegerland!

Aufruf und Seite
19.07.2014 16:00 Kreishaus Siegen

Aufruf zur Demonstration gegen das Erstarken der rechten Szene im Siegerland!

Seit dem äußerst brutalen Überfall einer Gruppe Neonazis auf einen Siegener Studenten in der Oberstadt vor einigen Wochen ist es nicht zu leugnen:

Siegen hat ein Naziproblem!
Und das nicht erst seit Kurzem. Bereits vor einigen Jahren überzogen Neofaschisten die Region mit einer Welle der Gewalt: Schwere Sachbeschädigungen und Vandalismus waren quasi an der Tagesordnung. So wurden vor allem der VEB, das Parteibüro der LINKEN und die Buchhandlung „Bücherkiste“ immer wieder Ziele von Angriffen. Schon 2011 wurden Studierende von einer marodierenden Meute betrunkener Neonazis, die bereits früher am Abend polizeilich aufgefallen war, krankenhausreif geprügelt.
Gewalt war jedoch nicht ihr einziges Mittel, sie versuchten außerdem ihrem Treiben einen demokratischen Anstrich zu verleihen. Im Dezember 2009 und 2010 luden sie zu sogenannten Gedenkmärschen ein. Als Redner waren bundesweit bekannte Größen wie Christian Worch und Axel Reitz dabei. (Worch ist seit mindestens 25 Jahren vor allem in Hamburg und Dortmund in der extremen rechten Szene aktiv und Mitbegründer der Nazi-Partei die RECHTE; Reitz wurde einst als „Hitler von Köln“ betitelt und unterhielt nachweislich Verbindung zum NSU. Auch zur Siegener Szene pflegte er regen Kontakt.) Aufgerufen hatten die Siegener NPD und eine junge Gruppe namens Freie Nationalisten Siegerland (FNSI), die schon vorher durch rassistische und antisemitische Aufkleber und Schmierereien aufgefallen war.
Die Polizei versuchte weiterhin das Problem unter den Teppich zu kehren. Die Ermittlungen blieben größtenteils ergebnislos. Die Faschisten stoppte das sicher nicht. Im Gegenteil: Sie trauten sich am helllichten Tag mitten in der Fußgängerzone einen Infostand und die Menschen dort und sogar gezielt Privathäuser anzugreifen. Nebenher versuchten sie mit einem Internetversand für indizierte CDs und Nazipropaganda etwas Geld zu verdienen.
In den darauffolgenden Gerichtsprozessen musste sich die Siegener Justiz schon sehr blind stellen, um nicht zu erkennen, dass es in der Region schon längst eine organisierte und äußert gewaltbereite Naziszene gab. Mit positiven Sozialprognosen und kleineren Geld- und Bewährungsstrafen wurde versucht die Sache klein zu halten.
Und es wurde tatsächlich etwas ruhiger. Hin und wieder tauchten irgendwo noch ein paar dumme Parolen auf („National: das ist unser Gebied“ (sic!)), aber selbst der NPD-Abgeordneter und stadtbekannter Neonazi im Stadtrat tauchte nicht mehr bei den Sitzungen auf.
Stattdessen sah man Siegener Nazigrößen anderenorts. So meldete ein Siegener eine Neonazidemo in Stolberg bei Aachen an und ein anderer steht momentan in Koblenz wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht.

Nur mit einem größtmöglichen Maß an Ignoranz kann man noch leugnen, dass es sich bei der Siegener Szene um gut vernetzte und äußerst brutale Überzeugungstäter handelt.

Einen weiteren Beweis dafür bieten folgenden Ereignisse: In Freudenberg mieteten sie ein ganzes Haus an und agierten dort unbemerkt und ungestört. Auf der Autobahnstrecke zwischen Dortmund und Frankfurt bot sich hier die Gelegenheit für überregionale Vernetzung. Mit Partys und Konzerten wurde versucht einen Szenetreff zu etablieren. Nachdem das Nazihaus durch Recherchen von Antifa und Presse im Herbst 2013 bekannt wurde, war es dann auch vorbei mit der vermeintlichen Ruhe.
Ungehemmt griffen sie von dort aus Spaziergänger an; an jüdischen Friedhöfen in Bad Berleburg und Siegen werden antisemitische Transparente und ein Schweinekopf angebracht; im gleichen Zeitraum tauchten auch Aufkleber des FNSI wieder auf; in Siegen und dem gesamten Kreisgebiet wurden Wahlplakate und Häuserwände mit Parolen besprüht. In diesem Zusammenhang begrüßen wir das couragierte Handeln einiger Studierender der Uni Siegen. Als nämlich dort wochenends Naziparolen auftauchten, schloss man sich kurzerhand zusammen und übermalte und –klebte die entsprechenden Stellen, bevor montags wieder der normale Hochschulbetrieb losging.
Den dramatischen Höhepunkt der jüngsten Vergangenheit stellte der Übergriff in der Oberstadt dar. Eine Gruppe von ca. 30 Neonazis hat sich am Morgen an der Siegerlandhalle getroffen um zu einer neofaschistischen Konzertveranstaltung nach Bayern zu reisen. Da diese auf Grund der dortigen antifaschistischen Proteste abgesagt wurde, beschloss die Gruppe in Siegen ihren Frust in Alkohol zu ertränken. Für die bewaffnete Gruppe gipfelte der Abend darin, dass sie einen Studenten ins Krankenhaus prügelten und lebensgefährlich verletzten. Hier zeigt sich exemplarisch, dass Gewalt zentrales Element ihrer Vorstellung von Feiern und ihrer Ideologie ist. Polizei und Staatsschutz waren – entgegen ihrer Behauptungen – informiert, dass sich Nazis in der Oberstadt bewegen und blieben untätig. Der Staatschutz begründete dies lapidar damit, dass sie nichts von dem Treffen der Neonazis gewusst hätten, da diese es bei der Polizei nicht angemeldet hatten.

Nach all den Vorfällen der letzten Jahre kann Untätigkeit nicht länger hingenommen werden!

Wir fordern…
- die Medien auf, hinzuschauen und die Öffentlichkeit über derartige Strukturen zu informieren! Anstatt rassistische Hetze durch falsche Berichterstattung noch weiter anzuheizen.
- Polizei und Justiz auf, konsequent gegen Nazis vorzugehen!
- die Politik auf, aktiv eigene Maßnahmen gegen rechte Gewalt und Rassismus zu entwickeln, zu fördern und zu unterstützen!
- alle Menschen auf, sich gegen Rechts zu engagieren!

Deswegen 19.07.2014
Demonstration Gegen Nazis Überall

Busfahrkarten und Abfahrtszeit und Ort

Busfahrkarten für die Fahrt zur Demo in Eisenach gibt es ab heute im Buchladen Roter Stern und im Havanna 8 für 5€. Eine gedeckelte Anzahl an Solitickets ist vorhanden.
Abfahrt ist am Samstag, 14.06. um 12:30
Abfahrtsort ist am Firmaneiplatz, an der ehemaligen Kinderklinik.

Wir freuen uns auf eine fette, lautstarke Demo mit Euch!

Pressemitteilung des Bündnis gegen den Buurschentag in Eisenach

„Gegen alle Männerbünde!“ – Erneute Aktionen gegen den Burschentag in Eisenach

Auch dieses Jahr wird das „Bündnis gegen den Burschentag in Eisenach“ wieder mit einer inhaltlicher Auseinandersetzung in Form einer Broschüre und einer Demonstration in Eisenach gegen den Burschentag intervenieren.
Seit 2011 werden vom Bündnis die Proteste gegen den Burschentag der Deutschen Burschenschaft in Eisenach organisiert. Das Bündnis gegen den Burschentag in Eisenach versteht sich als feministisches und antifaschistisches Bündnis. Es übt radikale Kritik an dem von der Deutschen Burschenschaft propagierten Rassismus und Sexismus. Aber auch über die Deutsche Burschenschaft hinaus wendet es sich gegen sämtliche Männerbünde und patriarchale Herrschaft. Mit kraftvollen Demonstrationen konnte in den letzten Jahren der Widerspruch gegen die sexistische und rassistische Ideologie der Deutschen Burschenschaft auf die Straße getragen werden. Dazu gibt das Bündnis jährlich die Zeitung „Gegen Burschentage“ in großer Auflage heraus, die in vielen Städten bundesweit ausliegt und verteilt wird. Auch dieses Jahr ruft das Bündnis zu einer feministischen und antifaschistischen Demonstration auf, um sich dem von Männerbünden vertretenen Antifeminismus und biologistischen Geschlechterbildern entschieden entgegen zu stellen. Diese wird am 14. Juni in Eisenach stattfinden.
Das Bündnis ruft dazu auf, sich an den Veranstaltungen und Protesten gegen den Burschentag 2014 zu beteiligen. „Der immer offensivere Rassismus der Deutschen Burschenschaft ist besorgniserregend, da diejenigen die ihn propagieren später in gehobenen Stellungen vertreten sind. Burschenschaften sind dabei Wegbereiter und Verfestigung für einen reaktionären Konservatismus in Politik, Universitäten und Verbänden.“, so die Pressesprecherin des Bündnisses Antonia Graf.
Als ein Erfolg der Proteste der letzten Jahre kann verbucht werden, dass der bisherige Veranstaltungsraum, die Werner-Aßmann-Halle, der Deutschen Burschenschaft dieses Jahr nicht von der Oberbürgermeisterin Katja Wolf zur Verfügung gestellt wird.
Das Motto dieses Jahr ist: „Alle Männerbünde auflösen!“. Die Sprecherin des Bündnisses Antonia Graf erläutert dazu: „Die Deutsche Burschenschaft ist für uns ein Symbol für eine Organisationsstruktur die Frauen aktiv ausschließt und ein reaktionäres Geschlechterbild vertritt. Sie ist dabei nur ein Beispiel für eine Vielzahl von ähnlichen in der Gesellschaft vorhandenen Strukturen. Diese finden sich zum Beispiel in Fußballvereinen und Fangruppen, der katholischen Kirche und der Wirtschaft.“

Der Aufruf zu den Aktionen gegen den Burschentag der Deutschen Burschenschaft findet sich unter: http://gegenburschentage.blogsport.de/aufruf/ .

Für Nachfragen und weitere Informationen kann das Bündnis gegen den Burschentag in Eisenach unter folgender Email-Adresse kontaktiert werden: bgbe@riseup.net

Aufruf der Kampagne Halim Dener zur Bundesweiten Demonstration 21.06. / 14:00 / Hannover / Steintor

gefoltert.

Der 16-jährige Kurde Halim Dener musste 1994 vor der Verfolgung durch den Staat Türkei aus seiner Heimat fliehen. Damals zerstörte das türkische Militär 4.000 Dörfer – so auch Halims Dorf in der Nähe von Çewlik (türk.: Bingöl). 17.000 „Morde unbekannter Täter“, Verschwundene und Folter waren die gängige Praxis von Polizei, Geheimdienst und Paramilitärs. Halim selbst wurde nach einer Festnahme von der türkischen Polizei eine Woche lang verhört und gefoltert.
Aktuell wird über einen Friedensprozess debattiert, doch hat sich die Situation kurdischer Jugendlicher in türkischen Gefängnissen nicht grundlegend geändert: Gewalt, Folter und sexuelle Übergriffe stehen nach wie vor auf der Tagesordnung. Und auch auf der Straße werden weiterhin Jugendliche in Auseinandersetzungen mit der Polizei getötet.
In den deutschen Medien wird der Kurdistan-Konflikt weitgehend verschwiegen. Die BRD ist jedoch durch die Bekämpfung der kurdischen Bewegung sowie Waffenlieferungen und militärische Zusammenarbeit im Rahmen der NATO-Partnerschaft selbst aktiver Teil des Kurdistan-Konflikts.

geflüchtet.

Halim flüchtete vor Krieg und Verfolgung unter falschem Namen, um seine Familie in der Heimat nicht zu gefährden. Als minderjähriger, unbegleiteter Flüchtling kam er in die BRD. Hier war nach öffentlicher rassistischer Hetze und Pogromen an Flüchtlingen und Migrant*innen 1993 das Grundrecht auf Asyl durch Änderung des Grundgesetzes faktisch abgeschafft worden. Infolgedessen sank die Quote der Anerkennung auf Asyl von damals bereits geringen 4,3% auf 0,8% im Jahr 2006.
Heute fliehen Menschen aus den Konfliktzonen, wie z.B. Syrien oder Libyen, um in Europa ihr Leben in Sicherheit weiterführen zu können. Darunter sind viele Minderjährige, die teilweise ohne Familienanschluss die gefährliche Flucht auf sich nehmen. Flüchtlingen und Migrant*innen schlägt immer wieder, auch von Seiten der Behörden, blanker Rassismus entgegen.

verboten.

Im November 1993 wurde nach einer beispiellosen Hetzkampagne gegen die kurdische Bevölkerung in der BRD die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und alle ihr nahestehenden Organisationen als „Terrororganisation“ verboten. Es folgte eine Welle von Durchsuchungen und Verhaftungen. Durch öffentliche Hetze gegen Kurd*innen wurde ein Klima von Hass und Angst geschaffen, das von einer simplen Gleichung bestimmt war: „Kurd*innen = PKK = Terrorist*innen“.
Das Verbot hat nach wie vor Bestand und findet rege Anwendung. So trifft die Repression kurdische Kulturvereine und öffentliche Strukturen der kurdischen Bewegung, insbesondere aber kurdische Jugendliche und Aktivist*innen, die sie sich mit der Bewegung identifizieren und politisch engagieren.

erschossen.

Auch in der BRD setzte sich Halim für die kurdische Bewegung ein. So plakatierte er wenige Wochen nach seiner Flucht in Hannover Plakate mit dem Emblem der ERNK, des (damaligen) politischen Arms der PKK. Dabei wurde Halim in der Nacht vom 30.06.1994 von SEK-Polizisten in Zivil überrascht und ihm bei der Festnahme aus kürzester Entfernung in den Rücken geschossen. An dieser Schussverletzung starb Halim wenig später. Der Polizist wurde von seinen Kolleg*innen gedeckt, sodass die Tat nie angemessen aufgeklärt werden konnte. In einem drei Jahre dauernden, zweifelhaften Prozess wurde er schließlich freigesprochen.
Diese Tötung durch Polizist*innen ist kein Einzelfall; Christy Schwundeck, Oury Jalloh oder Achidi John sind weitere bekannte Opfer. Auch Polizeigewalt, die gedeckt und vertuscht wird, sowie Kontrollen nach dem sogenannten “Racial Profiling” sind an der Tagesordnung.

Halim Dener repräsentiert in seiner Person viele verschiedene Kämpfe, die hier in der BRD und auf der Welt geführt werden – der Kurdistan-Konflikt, die Frage von Krieg und Flucht, Repression linker Ideen und Organisationen sowie (rassistische) Polizeigewalt.

Halims Geschichte und Tod sind kein Einzelfall!

Deshalb fordern wir:

Schluss der militärischen Zusammenarbeit der BRD mit der Türkei!
Ende des Exports deutscher Waffen!
Bleiberecht für Alle!
Weg mit dem PKK-Verbot!
Lückenlose Aufklärung rassistischer Polizeigewalt!

Kampagne Halim Dener

Antikorporierter Stadtrundgang am 14.05. – 14:00 Uhr Alte Uni FB Theologie

Die Aktive Fachschaft Geschichtswissenschaften organisiert eine antikorporierten Stadtrundgang mit Stephan Peters. Eine gute Gelegenheit sich über studentische Verbindungen in Marburg zu informieren, nicht zuletzt angesichts des aktuellen Zulaufs von Nazis in Marburger Burschenschaften.