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Kein Freispruch für Scheisze – Gegen Klassenjustiz und Männerbünde

Ein Flyer der Gruppe [Lisa:2], zum Prozess gegen den Verbindungsstudenten Amadeus Hölle, der seit einiger Zeit in Marburg kursiert und zeitgleich mit der Stellungnahme der ag5 veröffentlicht wurde

Kein
Freispruch für Scheisze – Gegen Klassenjustiz und Männerbünde

Am
22.11.2015 endete der Prozess gegen den wegen Totschlags angeklagten
Verbindungsstudenten Amadeus Hölle, Mitglied der Marburger
Landsmannschaft Nibelungia, mit einem Freispruch. Nach Auffassung des
Gerichts konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass der 27
jährige bei einem Streit im Oktober letzten Jahres sein Opfer nicht
in Notwehr niedergestochen hatte. Bei dem damaligen Streit war eine
Gruppe aus Verbindungsstudenten, die zuvor gemeinsam gesoffen hatten,
mit einer Gruppe junger Studierender aneinandergeraten. Inwieweit es
bei dem Streit darum ging, dass die einen Verbinder waren, ist
fraglich. Bei dem folgenden Handgemenge stach
Hölle
einem seiner Kontrahenten mit einem mitgeführten
Messer ins Herz, nachdem dieser ihn angeblich mit einer Eisenstange
von einer Baustelle angegriffen hatte.

Im Prozess wurde schnell klar, dass hier eine betrunkene Männerhorde an
eine andere geraten war, ein Ereignis bei dem in Innenstädten immer
wieder Verletzte und Tote zu beklagen sind, die ihrem (gegenseitigen)
Bedürfnis nach Verteidigung der eigenen Ehre, Reviere,
Besitzansprüche gegenüber der jeweiligen Freundin zum Opfer fallen.
Dennoch wäre es falsch, den Mord deswegen zu entpolitisieren.
Männliche Gewalt im öffentlichen Raum ist Ausdruck eines
patriarchalen Gesellschaftsverhältnisses und somit sehr wohl
politisch. Hinzu kommt, dass die Person, die in diesem Fall zustach,
kein deutscher Durchschnittsmacker ist (was schlimm genug wäre),
sondern als Verbindungsstudent Teil eines eingeschworenen, elitären
Männerbundes. In diesem werden einander Werte wie die Pflicht, die
eigene Ehre zu verteidigen und Härte gegen sich und andere zu zeigen
in ritualisierten Gewaltexzessen eingeprügelt und mit scharfer
Klinge bei der Mensur eingraviert. Dieser Fakt fiel im Prozess recht
schnell unter den Tisch, hätte er doch unangenehme Fragen
aufgeworfen: So z.B. ob nicht anstatt Totschlag Mord vorläge oder
wie sich die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Elite mit
guten Beziehungen, besonders in die Justiz, auf das Strafmaß
auswirkt.

Der Angeklagte war im Prozess nicht auf sich allein gestellt, ihm zur
Seite standen gleich drei Anwälte, von denen einer – Axel Woeller,
Alter Herr der Landsmannschaft Rhenania-Jena zu Marburg – ein
Verbandsbruder im Coburger Convent ist. Dieser dürfte besonderes
Verständnis dafür gehabt haben, dass sich der Angeklagte an den
Tatabend nur verschwommen, bzw. nur an den ‚richtigen Stellen‘
erinnern konnte. Doch auch nicht korporierten Jurist_innen dürfte es
schwer fallen, einen Angeklagten Verbinder mit der gleichen Härte zu
belangen wie den durchschnittlichen Kneipenschläger, sind ihnen doch
der Habitus und Standesdünkel von Studentenverbindungen aus dem
eigenen Studienalltag noch gut bekannt, haben sie doch vielleicht
auch manche Party auf einem der Häuser mitgefeiert. An diesem
Prozess zeigt sich nicht zuletzt, wie nützlich elitäre Seilschaften
und offensiv nach Außen getragenes Standesdünkel sein können. So
wurde dem Angeklagten bereits im Dezember 2014 ein Hafturlaub aus der
Untersuchungshaft zu Weihnachten gestattet. Ebenso ist der Verzicht
der Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen Mordes auch nur zu
versuchen, beziehungsweise das niedrige geforderte Strafmaß im
Vergleich zum Umgang mit anderen Tatverdächtigen, blanker Hohn. Man
stelle an sich an dieser Stelle nur mal vor, der Angeklagte wäre
kein reicher, weißer Deutscher gewesen.

Eine
Krähe hackt der anderen aber nun mal kein Auge aus und wer bei
Klassenjustiz an die zwanziger Jahre denkt, wird hier eines besseren
belehrt.

Dass der Mörder zur Tatzeit ein Messer bei sich trug, versuchte er im
Prozess damit zu erklären, dass er zuvor Pilze gesammelt habe. Was
er mit der bei ihm gefundenen Zwille mit Stahlkugeln sammeln wollte,
blieb dagegen im Prozess unbeantwortet. Der Wunsch sich zu bewaffnen,
ist dabei nicht originär ein Fetisch von Verbindungsstudenten. Er
entspringt dem ständigen Gefühl von Bedrohung und Konkurrenzdenken
patriarchaler Männlichkeit. Hierzu schrieben wir 2014 unter der
Überschrift Mackerhaufen, Männerbünde, Messerstecher: [Die
Burschis fühlen]… sich durch jene bedroht, die durch ihre Existenz
oder Meinungsäußerungen ihre deutschnationalen, patriarchalen
Träume platzen lassen, also für ein solidarisches Miteinander
außerhalb von Patriarchat und Zweigeschlechtlichkeit eintreten. In
dieser Ideologie, die sich ständig durch eine als übermächtig
empfundene „Gutmenschenmafia“ bedroht sieht, ist Angriff die
beste Verteidigung. Dass aggressive Verbinder sich also mit Messern
bewaffnen, wenn sie nachts durch die Straßen ziehen, ist ihrem
Empfinden ständiger Bedrohung und der Notwendigkeit zur andauernden
Kampfbereitschaft geschuldet.Die körperliche Unversehrtheit und das
Leben des jeweiligen Gegenübers sind in dieser Logik nebensächlich,
die Burschis handeln aus ihrer Sicht heraus ja in Notwehr, indem sie
ihre Moralvorstellungen gegen eine ihnen feindlich gesinnte
Gesellschaft verteidigen.1

Klar ist (und war), dass wir
uns als radikale Linke nicht auf das Wirken der Justiz verlassen
können. Burschis, Verbindern, Rassist_innen,…, das Leben zu
vermiesen bleibt Handarbeit. Dabei das eigene Handeln kritisch zu
reflektieren und die eigenen Ansichten immer wieder zu hinterfragen
ist dabei der beste Schutz davor selbst in diese Mackerfalle zu
tappen oder die eigenen emanzipatorischen Ansprüche zu verlieren.

[Lisa:2]

1
Inwieweit dieses Bedürfnis nach Bewaffnung gegenüber einer
imaginierten Bedrohung auch auf die eigene Szene zutrifft mag jede_r
selbst entscheiden

Smash Patriarchy! Gegen die Demonstration der „Besorgten Eltern“ am 25.4. in Kassel

Am 25. April wollen die sogenannten „Besorgten Eltern“ unter dem Motto
„Gegen die Frühsexualisierung unserer Kinder“ wie schon in vielen
anderen Städten zuvor, auch in Kassel auf die Straße gehen. Die
Mitglieder dieser merkwürdigen Vereinigung reichen vom bürgerlichen
Spießer_innentum auf der einen Seite, bis hin zu religiösen
Fundamentalist_innen auf der anderen Seite. Die „Besorgten Eltern“
lassen sich wohl zum einen auf die sommerlichen Proteste gegen den
baden-württembergischen Bildungsplan zurückführen, zum anderen knüpfen
sie aber auch an den Protest gegen die „Ehe für Alle“-Demonstrationen in
Frankreich an.
Die „Besorgten Eltern“ greifen in ihrer Kampagne eine Stimmung auf, die
zeigt, dass der wutbürgerliche Mob, der im vergangenen Jahr einmal mehr
bewiesen hat, wie facettenreich er ist, bereits auf Linie gebracht ist.
Was nämlich kaum bekannt ist, ist, dass hinter dem Organisationsteam der
„Besorgten Eltern“ vor allem „Anhänger_innen“ der neorechtsradikalen
Partei AfD zu finden sind. Unter dem Deckmantel „Besorgter Eltern“
werden von hier aus offensive Angriffe auf LGBQT*I-Personen,
„Regenbogenfamilien“ und Sexualpädagogik der Vielfalt vorgenommen.
Menschenverachtenden und reaktionär-konservativen Ideologien und
Weltbildern werden aus voller Überzeugung gefrönt. Zu Beginn schien es
sich bei den „Besorgten Eltern“ vor allem um eine homofeindliche und
antifeministische Zusammenrottung pseudoängstlicher Bürger_innen
gehandelt zu halten. Nun machen sich jedoch ebenso neofaschistische
Organisationen im Kern der „Bewegung“ breit! Denn um die
“(un)berechtigten Sorgen“ der Bürger_innen ging es auch in der
Pegida-Bewegung und auch da wurde versucht, eine Öffentlichkeit zu
schaffen für Inhalte, über die es nichts zu diskutieren gibt: Rassismus,
Nationalismus, Sexismus, Homo- und Trans*feindlichkeit. Pegida lässt
grüßen!

Das bereitet uns Sorgen! Wir stehen für einen emanzipatorischen Umgang
miteinander ein. Hierzu gehört für uns die Ablehnung sowie das Bekämpfen
neofaschistischer und antifeministischer Ideologien und Strukturen. Wir
begreifen emanzipatorische Sexualpädagogik als einen Teil der
politischen Bildung, damit Kinder und Jugendliche Wissen um
verschiedenste gleichwertige L(i)ebensformen, Identitäten und
Sexualitäten erhalten.
Wir werden die Demonstration der „Besorgten Eltern“ nicht einfach
unkommentiert stehen lassen. Wir planen einen kreativen und bunten
Protest, um den neofaschistischen und antifeministischen Ideologien der
„Besorgten Eltern“ etwas entgegen zu setzen!

Kommt am 25.04.2015 um 12:30Uhr zum Café Desasta (Arnold-Bode-Straße 6)
am Campus Holländischer Platz für die letzten Infos!

„Besorgte Zecken“

Ermittlungsausschauss (für den Tag): 0163-8546838

http://qrew.blogsport.eu/2015/04/15/smash-patrichary-am-25-04/

Nazivilla Germania dichtmachen!

Antifa Demo
Sa, 31. Januar 2015
18 Uhr, Marburg Bahnhofsvorplatz

Am 17. Januar 2015 übernimmt die Marburger Burschenschaft Germania den Bundesvorsitz des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft (DB). Damit steht ab nächstem Jahr eine neonazistische Vereinigung an der Spitze eines ohnehin reaktionären Verbandes. Wir nehmen dies zum Anlass gegen die Burschenschaft Germania, deren Verstrickung in die Neonaziszene und gegen das extrem rechte Weltbild der Deutschen Burschenschaft zu demonstrieren.

Dass die Deutsche Burschenschaft ein Rückzugsort für Studenten mit extrem rechten Gedankengut ist, weiß spätestens seit dem Ruf nach dem sogenannten Ariernachweis (Spiegel) jede_r. Mit der Übernahme des Vorsitzes durch die Marburger Burschenschaft Germania nimmt diese Tendenz eine weitere Facette an.

Mit den Germanen übernimmt eine neonazistische Gruppierung den Vorsitz einer bundesweiten Organisation rechter Studenten. Die Trennung des rechten Lagers in intellektuelle Neue Rechte und schlägertypische Kameradschaften gibt es in Marburg nicht mehr. Die ansässigen DB-Burschenschaften – vor allem die Germania und die Rheinfranken – stellen Räume und Strukturen für neonazistische Politik, ob Fackelmärsche, Vorträge, Flugblattaktionen oder Naziaufkleber in der Stadt.

Dies liegt nicht zuletzt an der Zusammensetzung der Aktiven der Burschenschaft Germania. Antifaschistische Gruppen deckten auf, dass sie sich derzeit aus ehemaligen Kadern freier Kameradschaften, Funktionären der Jungen Nationaldemokraten, völkischen Fanatikern und Aktivisten der Neuen Rechten rekrutiert. Als Anlaufpunkt für die hiesige Neonaziszene haben die Verbindungshäuser Lutherstraße 3 und 5 zweifelhaften Ruhm erlangt.

Gleichzeitig wird bundesweit extrem rechte Politik von Marburg aus gesteuert und verwaltet. Denn als Vorsitzende gibt die Burschenschaft Germania ab 2015 dem letzten völkisch-rechten Studentenverband der BRD, der Deutschen Burschenschaft, den Ton an. Und der Ton in der Villa der Germania mit der Hausnummer 3 ist seit jeher tiefbraun.

Wir stellen dem Treiben der Burschenschaft Germania unseren entschlossenen Widerstand entgegen. Marburg bleibt rot.

Die Nazivilla Germania dichtmachen! Gegen die Vorsitzende der DB!

KAGIDA verhindern – Nazis die Räume nehmen

Auch in Kassel wollen Nazis am Montag erneut ihre rassistischen Positionen auf die Straße tragen. Kommt zu den Gegenprotesten!

Gegendemo 26.01. 18:00 Georg-Scheidemann-Platz , Kassel

26.05.15 – Pegida in Frankfurt? Läuft nicht!

Hier ein Aufruf der Genoss_innen aus Frankfurt zum dortigen rassistischen Kartoffelfest:


26. Januar | 16:30 Uhr | Hauptwache Frankfurt

Den rassistischen Aufmarsch blockieren – den staatlichen Rassismus ins Visier nehmen

Am 26. Januar wollen sie es nun auch in Frankfurt versuchen. “Pegida Frankfurt Rhein-Main” hat an diesem Tag für 17 Uhr zu einer Kundgebung an der Hauptwache und für 18:30 zu einem “Spaziergang” aufgerufen. RassistInnen, NationalistInnen, rechte Hools, Mitglieder der AfD, Nazis und all diejenigen, denen tausende Tote an den EU-Außengrenzen nicht genug sind, werden kommen. Angelehnt an das Vorbild der Dresdener Pegida-Demonstrationen hoffen sie, auf den bundesweiten Hype aufspringen zu können. Wir rufen alle fortschrittlich gesinnten Menschen dazu auf, gemeinsam mit uns zu verhindern, dass der rassistische, nationalistische und chauvinistische Mob durch Frankfurts Straßen ziehen kann. Wenn Pegida kommt, werden wir schon da sein. Wir treffen uns um 16:30 Uhr an der Hauptwache in Frankfurt.

Gegen den Rassismus der Mitte
Ebenfalls für den 26. Januar ruft ein breites Bündnis für 18 Uhr zu einer Kundgebung gegen Pegida und Rassismus auf dem Frankfurter Römer auf. Mit dabei sind auch die etablierten Frankfurter Parteien (CDU, SPD, Grüne). Dass deren Engagement auf Nächstenliebe gegenüber Flüchtlingen und Ausgegrenzten zurückzuführen wäre, ist jedoch nicht zu vermuten. Schließlich sind es eben diese Parteien, die deutsche Interessen am Hindukusch durchsetzen, Asylgesetze verschärfen, der Bevölkerung in Südeuropa Sparauflagen aufzwingen oder – wie gerade die Grünen – ein härteres Vorgehen gegen “Junkies” im Frankfurter Bahnhofsviertel fordern . Ihnen geht es wohl in erster Linie um Image-Werbung für den „internationalen Standort“ Frankfurt. Wir rufen daher dazu auf, sich dem rassistischen Aufmarsch selbstorganisiert und mit der nötigen Entschlossenheit in den Weg zu stellen und dabei zugleich den staatlichen Rassismus ins Visier zu nehmen. Stellen wir uns dem rassistischen Mob dort entgegen, wo er laufen will, anstatt uns abseits des Geschehens mit den StandortnationalistInnen der etablierten Parteien die Beine in den Bauch zu stehen.

Pegida – Kartoffeln machen auf Straße
Überraschung: So dumm, nicht zu merken, dass in dieser Gesellschaft „irgendwas“ nicht stimmt, sind nicht mal die RassistInnen von Pegida. Aber ihre Lösungsvorschläge für die soziale und politische Krise dieser Gesellschaft folgen einem so einfachen wie menschenverachtenden Kalkül: Mit den hiesigen Macht- und Herrschaftsverhältnissen will man sich lieber nicht anlegen. Stattdessen tritt man nach unten und macht die Schwächsten der Gesellschaft für die eigenen Ängste und Frustrationen verantwortlich. Die „Angst vor dem Salafismus“, die Verteidigung „freiheitlicher Grundwerte“ und die „Arroganz von Medien und Politik“ sind nur billiger Schmuck für das eigentliche Programm: Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus – also brutale Menschenfeindlichkeit. Wäre es anders, hätten sich die SpießerInnen an den Demonstrationen linker kurdischer und deutscher Gruppen gegen den Terror des Islamischen Staats und seine Unterstützer oder auch den diversen Krisenproteste beteiligen können. Aber da war nur Schweigen im deutschen Wald. Der Untertan geht hierzulande nur auf die Straße, wenn er die Gelegenheit wittert unter dem Verweis auf seine Herkunft besondere Ansprüche gegenüber „Fremden“ deutlich zu machen. Da dominiert Deutschland ganz Europa und zwingt ihm seine Wettbewerbspolitik auf und tausende Migrant*innen ertrinken jedes Jahr im Mittelmeer, aber deutsche NationalistInnen fühlen sich von der ganzen Welt betrogen. Dass autoritäre Charaktere, wie die von Pegida, AfD und co solche Wahnvorstellung haben ist keineswegs neu. Neu ist allerdings, dass sie sich ermutigt fühlen ihre Gesinnung vom Stammtisch auf die Straße zu tragen. Weil sogar sie ahnen, dass die Zeiten im Kapitalismus nicht besser und der Kuchen nicht größer wird, schalten immer mehr SpießbürgerInnen in den Angstbeißer-Modus um. Höchste Zeit ihnen klar zu machen, dass dieser reaktionäre Krisenlösungsversuch ein unangenehmer Holzweg ist.

Das „bessere Deutschland“ und die „berechtigten Sorgen“ seiner Insassen
Dem Großteil der politischen Eliten ist der Pegida-Auflauf unheimlich. Man will sich das gute Image des Standortes Deutschland und das bisher erfolgreiche Geschäftsmodell einer von Deutschland dominierten EU nicht durch neurotische Starrköpfe, denen selbst die paar Zugeständnisse an Menschenrechtsrhetorik und Liberalität schon zu weit gehen, kaputtmachen lassen. Man ist sich über die Reichweite der Forderungen und Schrillheit des Tons mit den Strassenkartoffeln nicht einig: Während sich hinter dem Antirassismus der Mitte ein Rassismus der ökonomischen Vernunft verbirgt, bedient sich der Mob darüberhinaus biologistischer und kulturalistischer Zuschreibungen. Einig sind sie sich letztlich in der rassistischen Unterteilung in nützliche und unnütze Migrant*Innen, die in Form von Frontex schon längst zur Staatsräson geworden ist. Überraschend ist das nicht, denn im rauen Wind der Standortkonkurrenz liegen neoliberale Eliten und rechter Mob im Zweifelsfall nahe beieinander. Genau hierin besteht auch die Gefahr, die von rechten Bewegungen wie Pegida und Parteien wie der AfD ausgeht: Was von ihnen droht, ist keine „faschistische Machtübernahme“, sondern eine weitere Verschärfung der ohnehin schon brutalen Einwanderungs- und Standortpolitik. Der Ruf nach Verständnis für die “besorgten Bürger”, von CDU bis Linkspartei, zeugt schon jetzt von einer Rechtsverschiebung der gesellschaftlichen Debatte. Fortschrittliche Wege aus der Krise werden durch die Verschiebung des Diskurses nach rechts kaum mehr wahrgenommen. Deswegen ist es jetzt wichtig dazwischen zu grätschen, dem rechten Straßenmob Einhalt zu gebieten und gleichzeitig eigene Alternativen zu entwickeln. Dass das mit Masse und Entschlossenheit möglich ist, haben antifaschistische Mobilisierungen in Hannover und in Kassel kürzlich bewiesen. Wenn Pegida unbedingt durch Frankfurt laufen will, dann müssen sie rennen!

Pegida in Frankfurt läuft nicht!
26. Januar | 16:30 Uhr | Hauptwache Frankfurt

Völkische Verbindungen – Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich

Im Rahmen einer Präsentation der Neuauflage der Broschüre „Völkische Verbindungen – Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich“ soll der gesellschaftliche Einfluss von Burschenschaften in Österreich, ihre Geschichte, Brauchtum und psychosoziales Profil nachgezeichnet und die Notwendigkeit gegen die elitären Männerbünde vorzugehen aufgezeigt werden. Zudem wird im Vortrag über die bisherigen sowie die geplanten Proteste gegen den „Akademiker-Ball“ 2015 informiert.

Am 7.12. kommt die Anti-Burschi-Tour aus Wien nach Marburg! 20:00 Havanna Acht!

Mackerhaufen, Männerbünde, Messerstecher

Es ist schwer, angesichts der Tragik der Geschehnisse Worte zu finden. Dieser Text ist ein Versuch unsere Fassungslosigkeit in Worte zu fassen. Wir können die Umstände des Mordes nicht vollends nachvollziehen, kennen nur wenige Details. Was wir jedoch können, ist, die Motive der Tat hinterfragen und die scheinheilige Diskussion um die Geschehnisse kritisieren.

Am 11.10. dieses Jahres wurde in der Reitgasse ein 20 jähriger Studierender erstochen. Der Täter ist Mitglied in der Landsmannschaft Nibelungia Marburg. Der gewaltsame Tod eines jungen Menschen macht Viele nicht nur fassungslos und betroffen, er wirft auch die Frage auf wie es zu dieser Gewalttat kommen konnte. Anwohner_innen und Marburger Politik sind sich hier schnell einig geworden, Alkoholkonsum, lange Kneipenöffnungszeiten, Saufgelage insgesamt seien, zusammen mit nicht ausreichender Polizeipräsenz die Ursache für zunehmende Gewalt in der Oberstadt. Diese verallgemeinernde Argumentation verschleiert nicht nur die Motive des Täters in diesem Fall, sondern lässt Gewalt als eine spontane Handlung Betrunkener erscheinen. Wenn jedoch ein Verbindungsstudent einen Unbewaffneten niedersticht, steht hinter dieser Gewalttat auch eine gewaltförmige Sozialisation und eine autoritäre Ideologie innerhalb von Studentenverbindungen.

Vaterland, Freundschaft, Ehre; Wahlspruch der Landsmannschaft Nibelungia

Die Landsmannschaft Nibelungia ist eine farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung, sie ist organisiert im Coburger Convent (CC) zusammen mit anderen, ähnlich gesinnten Landsmannschaften und Turnerschaften. In ihren Bräuchen ist das Verteidigen der eigenen Ehre mittels körperlicher Gewalt fest angelegt. Zwar wird die Satisfikation1 inzwischen nicht mehr mit der scharfen Klinge ausgetragen, die Wesenszüge des Männerbundes, der auf unbedingten Gehorsam und die Unterwerfung des Individuums unter die Gemeinschaft ausgerichtet ist, bleiben jedoch erhalten. So besteht im Zusammenleben der Verbinder ein komplexes Regelwerk an gesellschaftlicher Etikette, das nicht nur auswendig gelernt werden muss, sondern dessen Einhaltung mittels entwürdigender Strafen und Ausschluss aus der Gemeinschaft forciert wird. Wer diese Etikette nicht beachtet, entehrt damit die Verbindung, sich selbst und nicht zuletzt den jeweiligen Gegenüber und wird bestraft, um selbige Ehre wiederherzustellen bzw. zu verteidigen.
Die Ehre, die da verteidigt werden soll, ist jedoch nicht zu verwechseln mit der Würde, die jedem Individuum innewohnt, es ist die Ehre als Mann, die Ehre des Vaterlandes und die Ehre des eigenen Standes, die verteidigt wird. Aus diesem Grund werden Menschen, die hinterfragen, ob rituelles Wettsaufen und elitäres Gehabe besonders ehrenvoll sind, in der Logik der Verbinder zu „verweiblichten Männern“ bzw. „vermännlichten Frauen“, „Vaterlandsverrätern“ oder „Asozialen“. Entsprechend dieses Feindbildes muss sich verteidigt werden, auch mit körperlicher Gewalt.
Dass betrunkene Männerhaufen sich, weil sie sich in ihrer Ehre verletzt fühlen, zur Gewalt greifen, um selbige wiederherzustellen, ist keine Seltenheit und freilich nicht nur bei Verbindungen zu finden. Ein alkoholisiertes, aggressives Mackertum ist der nächtliche Normalzustand deutscher Innenstädte. Studentenverbindungen jedoch unterlegen dieses Mackertum mit einer Ideologie aus Nationalismus, Homophobie und Sexismus. In diesem Weltbild fühlen sie sich durch jene bedroht, die durch ihre Existenz oder Meinungsäußerungen ihre deutschnationalen, patriarchalen Träume platzen lassen, also für ein solidarisches Miteinander außerhalb von Patriarchat und Zweigeschlechtlichkeit eintreten. In dieser Ideologie, die sich ständig durch eine als übermächtig empfundene „Gutmenschenmafia“ bedroht sieht, ist Angriff die beste Verteidigung. Dass aggressive Verbinder sich also mit Messern bewaffnen, wenn sie nachts durch die Straßen ziehen, ist ihrem Empfinden ständiger Bedrohung und der Notwendigkeit zur andauernden Kampfbereitschaft geschuldet.2 Die körperliche Unversehrtheit und das Leben des jeweiligen Gegenübers sind in dieser Logik nebensächlich, die Burschis handeln aus ihrer Sicht heraus ja in Notwehr, indem sie ihre Moralvorstellungen gegen eine ihnen feindlich gesinnte Gesellschaft verteidigen.

Burschen, Trolls,…

Liest man die zahlreichen Kommentare in sozialen Netzen zu dem Vorfall, so wird klar, dass nicht nur die Burschen die ständige Bedrohung ihres Status als weiße heterosexuelle Männer herbeidichten: Frühzeitig wurden wahlweise „Ausländer“ oder „Asoziale“ als Täter_innen ausgemacht3, denn weiß-deutsche Akademiker_innen könnten eine solche (feige) Gewalttat nicht begehen. Die Projektion der Bedrohung und Konkurrenz ins fremde Andere ist dabei ein Mittel um die eigene Position zu stärken. Diejenigen, denen die Tat(en) in einem rassistischen Beissreflex angedichtet werden, erscheinen im Bild der Täter als sozial minderwertig. Ihnen werden archaisch-patriarchale Großfamilienstrukturen und ein Hang zu organisierter Kriminalität vorgeworfen, mit dem sie sich außerhalb der deutschen Gesellschaft stellten und die berühmte Parallelgesellschaft bildeten. Gleichzeitig lenkt die rassistische Projektion die Ohnmachtsgefühle gegenüber der gesellschaftlichen Realität eines kulturell diversifizierten Zusammenlebens in eine Überhöhung der gesellschaftlichen Wirkmacht von Menschen die als nicht-deutsch gelesen werden. Eine politische Lobby aus Grünen, Linken und „Gutmenschen“ schütze die „Ausländer“ vor dem berechtigten Zugriff durch Volk und Polizei. Auf der einen Seite steht hierbei also die ständige Angst vor zahllosen gewalttätigen Fremden, denen von Politik und Polizei nichts entgegengestellt werde, auf der anderen werden diese gleichzeitig als „Sozialschmarotzer“, „faul“ und „drogenabhängig“ abgestempelt.
Die einzige Gegenwehr, die der „gefühlten Minderheit“ der weißen Heteros noch bleibt, ist, neben rassistischem Gejammer im Internet, auf der Straße im wahrsten Sinne „seinen Mann zu stehen“. Dabei werden sowohl jene angegriffen, die als Feinde erkannt wurden, also Schwarze, People of Color, LGBTI und andere die im beschränkten Weltbild besoffen-patriarchaler Männlichkeit keinen Platz haben, als auch im Rausch aus Gewalt und Geltungsdrang bei den eigenen Leuten für Kollateralschäden zu sorgen.4

und Büttel

Die Marburger Lokalpolitik reagiert auf den Mord entsprechend ihres Auftrages zur Wahrung von Recht und Ordnung. Nicht die Gesinnung des Täters und seines Umfeldes werden als Triebfeder der Tat genannt, sondern Alkoholexzesse auf der Straße. Alkohol wird hier vom Katalysator von Gewalt zur Ursache derselben umgedeutet. Die geplanten Präventionsmaßnahmen reichen dementsprechend von Kameraüberwachung bis zu Alkoholverboten auf öffentlichen Plätzen. Das Saufen soll in die wohlgeordneten und profitableren Innenräume der Marburger Studierendenkneipen verlegt werden. Patriarchal männliche Gewalt macht jedoch nicht vor den Kneipentüren halt. Die von der Stadt geforderte Politik verlagert vielmehr die sexistischen, homophoben und rassistischen Übergriffe besoffener Männerhaufen in ein weniger öffentliches Ambiente. Draußen bleiben dabei all diejenigen, die sich das Gasthaus-Saufen nicht leisten können oder wollen . Sie sind somit den Repressalien von Bullen und Ordnungsamts-Schergen ausgesetzt, die in ihrer Ideologie den Burschen in Nichts nachstehen.
Zusätzlich zu den nachtaktiven Handlanger_innen des Staates patrouillieren immer mehr private Sicherheitsdienste die Straßen. Diesen fast ausnahmslos männlich besetzten Schlägertrupps bietet sich dabei die Möglichkeit ihre ganz persönlichen Moralvorstellungen in fast rechtsfreiem Rahmen und mittels körperlicher Gewalt umzusetzen5. Die Folge sind rassistische Türkontrollen an Diskotheken, körperliche Angriffe bei Widerspruch und offene rechte Gewalt. Die Forderung nach mehr privater Security ist wenige Wochen nach dem Aufdecken einer massiven, organisierten Misshandlung von Refugees in Heimen und Lagern durch private Sicherheitsdienste blanker Hohn.

Die Stadt sollte sich vielleicht mehr Gedanken um die Burschenhaufen machen, die am Wochenende die Oberstadt mit ihrer offensiv zur Schau getragenen Schnöseligkeit, ihrem Gegröle und ihrer Aggressivität ungenießbar machen. Straßensperren in der Lutherstrasse wären ein erster Schritt.
Stattdessen werden die Verbinder, nicht nur des Coburger Convents, beim jährlichen Marktfrühschoppen hofiert. Zwar ist man, schweren Herzens und nach langer Diskussion, von der Teilnahme der offen rechtsextremen DB-Burschen abgerückt, das Saufgelage im patriarchalen Männerbund möchte man sich dann aber doch nicht nehmen lassen.

Statt mehr Bullen auf der Straße geht es darum, männliche Privilegien zu hinterfragen und anzugreifen, es gilt eine solidarische, antisexistische Praxis zu entwickeln und zu verteidigen und Burschis, Rassisten und patriarchalem Mannergebündel entschlossen entgegenzutreten, im Netz und auf der Straße.

[Lisa:2]

1: Satisfikation: Wiedergutmachung eines Ehrdelikts „mit geeigneten Mitteln“ bzw. die Verpflichtung, eine solche Genugtuung bei erfolgter Beleidigung einzufordern. Geeignet schien lange Zeit z.B. das Fechten
2: Dass sie als weiße, männliche Akademiker gerade nicht zu jenen zählen die besonders häufig Opfer von Gewaltverbrechen werden ist hierbei nebensächlich. Mit Quarzsandhandschuhen, Schlagstöcken, Pfefferspray, Messer ausgerüsteten Männerbanden geht es nicht um ihre körperliche Unversehrtheit sondern um den waffenförmigen Beweis ihrer Männlichkeit unterienander und gegenüber dem (imaginären) Feind
3: Siehe OP vom 18.10.2014
4: Wobei die gewaltförmige Normierung nach Außen sich auch stets nach Innen richtet. Die soziale Hierachie ist in beide Richtungen gefährdet. In Studentenverbindungen dienen hierzu Saufrituale und Ehrgerichte. Gleichzeitig ist es notwendig, sich über das institutionalisierte Betonen der „Freundschaft“ der gegenseitigen Ungefährlichkeit und des Konkurrenzverzichts zu versichern.
5: Zusätzlich dienen sie als Söldner_innentruppe für die Geschäftsinteressen der Wirt_innen, wie z.B. die unsinnige Eintrittspolitik diverser Clubs und Bars

Mackerhaufen, Männerbünde, Messerstecher

Es ist schwer, angesichts der Tragik der Geschehnisse Worte zu finden. Dieser Text ist ein Versuch unsere Fassungslosigkeit in Worte zu fassen. Wir können die Umstände des Mordes nicht vollends nachvollziehen, kennen nur wenige Details. Was wir jedoch können, ist, die Motive der Tat hinterfragen und die scheinheilige Diskussion um die Geschehnisse kritisieren.

Am 11.10. dieses Jahres wurde in der Reitgasse ein 20 jähriger Studierender erstochen. Der Täter ist Mitglied in der Landsmannschaft Nibelungia Marburg. Der gewaltsame Tod eines jungen Menschen macht Viele nicht nur fassungslos und betroffen, er wirft auch die Frage auf wie es zu dieser Gewalttat kommen konnte. Anwohner_innen und Marburger Politik sind sich hier schnell einig geworden, Alkoholkonsum, lange Kneipenöffnungszeiten, Saufgelage insgesamt seien, zusammen mit nicht ausreichender Polizeipräsenz die Ursache für zunehmende Gewalt in der Oberstadt. Diese verallgemeinernde Argumentation verschleiert nicht nur die Motive des Täters in diesem Fall, sondern lässt Gewalt als eine spontane Handlung Betrunkener erscheinen. Wenn jedoch ein Verbindungsstudent einen Unbewaffneten niedersticht, steht hinter dieser Gewalttat auch eine gewaltförmige Sozialisation und eine autoritäre Ideologie innerhalb von Studentenverbindungen.

Vaterland, Freundschaft, Ehre; Wahlspruch der Landsmannschaft Nibelungia

Die Landsmannschaft Nibelungia ist eine farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung, sie ist organisiert im Coburger Convent (CC) zusammen mit anderen, ähnlich gesinnten Landsmannschaften und Turnerschaften. In ihren Bräuchen ist das Verteidigen der eigenen Ehre mittels körperlicher Gewalt fest angelegt. Zwar wird die Satisfikation1 inzwischen nicht mehr mit der scharfen Klinge ausgetragen, die Wesenszüge des Männerbundes, der auf unbedingten Gehorsam und die Unterwerfung des Individuums unter die Gemeinschaft ausgerichtet ist, bleiben jedoch erhalten. So besteht im Zusammenleben der Verbinder ein komplexes Regelwerk an gesellschaftlicher Etikette, das nicht nur auswendig gelernt werden muss, sondern dessen Einhaltung mittels entwürdigender Strafen und Ausschluss aus der Gemeinschaft forciert wird. Wer diese Etikette nicht beachtet, entehrt damit die Verbindung, sich selbst und nicht zuletzt den jeweiligen Gegenüber und wird bestraft, um selbige Ehre wiederherzustellen bzw. zu verteidigen.
Die Ehre, die da verteidigt werden soll, ist jedoch nicht zu verwechseln mit der Würde, die jedem Individuum innewohnt, es ist die Ehre als Mann, die Ehre des Vaterlandes und die Ehre des eigenen Standes, die verteidigt wird. Aus diesem Grund werden Menschen, die hinterfragen, ob rituelles Wettsaufen und elitäres Gehabe besonders ehrenvoll sind, in der Logik der Verbinder zu „verweiblichten Männern“ bzw. „vermännlichten Frauen“, „Vaterlandsverrätern“ oder „Asozialen“. Entsprechend dieses Feindbildes muss sich verteidigt werden, auch mit körperlicher Gewalt.
Dass betrunkene Männerhaufen sich, weil sie sich in ihrer Ehre verletzt fühlen, zur Gewalt greifen, um selbige wiederherzustellen, ist keine Seltenheit und freilich nicht nur bei Verbindungen zu finden. Ein alkoholisiertes, aggressives Mackertum ist der nächtliche Normalzustand deutscher Innenstädte. Studentenverbindungen jedoch unterlegen dieses Mackertum mit einer Ideologie aus Nationalismus, Homophobie und Sexismus. In diesem Weltbild fühlen sie sich durch jene bedroht, die durch ihre Existenz oder Meinungsäußerungen ihre deutschnationalen, patriarchalen Träume platzen lassen, also für ein solidarisches Miteinander außerhalb von Patriarchat und Zweigeschlechtlichkeit eintreten. In dieser Ideologie, die sich ständig durch eine als übermächtig empfundene „Gutmenschenmafia“ bedroht sieht, ist Angriff die beste Verteidigung. Dass aggressive Verbinder sich also mit Messern bewaffnen, wenn sie nachts durch die Straßen ziehen, ist ihrem Empfinden ständiger Bedrohung und der Notwendigkeit zur andauernden Kampfbereitschaft geschuldet.2 Die körperliche Unversehrtheit und das Leben des jeweiligen Gegenübers sind in dieser Logik nebensächlich, die Burschis handeln aus ihrer Sicht heraus ja in Notwehr, indem sie ihre Moralvorstellungen gegen eine ihnen feindlich gesinnte Gesellschaft verteidigen.

Burschen, Trolls,…

Liest man die zahlreichen Kommentare in sozialen Netzen zu dem Vorfall, so wird klar, dass nicht nur die Burschen die ständige Bedrohung ihres Status als weiße heterosexuelle Männer herbeidichten: Frühzeitig wurden wahlweise „Ausländer“ oder „Asoziale“ als Täter_innen ausgemacht3, denn weiß-deutsche Akademiker_innen könnten eine solche (feige) Gewalttat nicht begehen. Die Projektion der Bedrohung und Konkurrenz ins fremde Andere ist dabei ein Mittel um die eigene Position zu stärken. Diejenigen, denen die Tat(en) in einem rassistischen Beissreflex angedichtet werden, erscheinen im Bild der Täter als sozial minderwertig. Ihnen werden archaisch-patriarchale Großfamilienstrukturen und ein Hang zu organisierter Kriminalität vorgeworfen, mit dem sie sich außerhalb der deutschen Gesellschaft stellten und die berühmte Parallelgesellschaft bildeten. Gleichzeitig lenkt die rassistische Projektion die Ohnmachtsgefühle gegenüber der gesellschaftlichen Realität eines kulturell diversifizierten Zusammenlebens in eine Überhöhung der gesellschaftlichen Wirkmacht von Menschen die als nicht-deutsch gelesen werden. Eine politische Lobby aus Grünen, Linken und „Gutmenschen“ schütze die „Ausländer“ vor dem berechtigten Zugriff durch Volk und Polizei. Auf der einen Seite steht hierbei also die ständige Angst vor zahllosen gewalttätigen Fremden, denen von Politik und Polizei nichts entgegengestellt werde, auf der anderen werden diese gleichzeitig als „Sozialschmarotzer“, „faul“ und „drogenabhängig“ abgestempelt.
Die einzige Gegenwehr, die der „gefühlten Minderheit“ der weißen Heteros noch bleibt, ist, neben rassistischem Gejammer im Internet, auf der Straße im wahrsten Sinne „seinen Mann zu stehen“. Dabei werden sowohl jene angegriffen, die als Feinde erkannt wurden, also Schwarze, People of Color, LGBTI und andere die im beschränkten Weltbild besoffen-patriarchaler Männlichkeit keinen Platz haben, als auch im Rausch aus Gewalt und Geltungsdrang bei den eigenen Leuten für Kollateralschäden zu sorgen.4

und Büttel

Die Marburger Lokalpolitik reagiert auf den Mord entsprechend ihres Auftrages zur Wahrung von Recht und Ordnung. Nicht die Gesinnung des Täters und seines Umfeldes werden als Triebfeder der Tat genannt, sondern Alkoholexzesse auf der Straße. Alkohol wird hier vom Katalysator von Gewalt zur Ursache derselben umgedeutet. Die geplanten Präventionsmaßnahmen reichen dementsprechend von Kameraüberwachung bis zu Alkoholverboten auf öffentlichen Plätzen. Das Saufen soll in die wohlgeordneten und profitableren Innenräume der Marburger Studierendenkneipen verlegt werden. Patriarchal männliche Gewalt macht jedoch nicht vor den Kneipentüren halt. Die von der Stadt geforderte Politik verlagert vielmehr die sexistischen, homophoben und rassistischen Übergriffe besoffener Männerhaufen in ein weniger öffentliches Ambiente. Draußen bleiben dabei all diejenigen, die sich das Gasthaus-Saufen nicht leisten können oder wollen . Sie sind somit den Repressalien von Bullen und Ordnungsamts-Schergen ausgesetzt, die in ihrer Ideologie den Burschen in Nichts nachstehen.
Zusätzlich zu den nachtaktiven Handlanger_innen des Staates patrouillieren immer mehr private Sicherheitsdienste die Straßen. Diesen fast ausnahmslos männlich besetzten Schlägertrupps bietet sich dabei die Möglichkeit ihre ganz persönlichen Moralvorstellungen in fast rechtsfreiem Rahmen und mittels körperlicher Gewalt umzusetzen5. Die Folge sind rassistische Türkontrollen an Diskotheken, körperliche Angriffe bei Widerspruch und offene rechte Gewalt. Die Forderung nach mehr privater Security ist wenige Wochen nach dem Aufdecken einer massiven, organisierten Misshandlung von Refugees in Heimen und Lagern durch private Sicherheitsdienste blanker Hohn.

Die Stadt sollte sich vielleicht mehr Gedanken um die Burschenhaufen machen, die am Wochenende die Oberstadt mit ihrer offensiv zur Schau getragenen Schnöseligkeit, ihrem Gegröle und ihrer Aggressivität ungenießbar machen. Straßensperren in der Lutherstrasse wären ein erster Schritt.
Stattdessen werden die Verbinder, nicht nur des Coburger Convents, beim jährlichen Marktfrühschoppen hofiert. Zwar ist man, schweren Herzens und nach langer Diskussion, von der Teilnahme der offen rechtsextremen DB-Burschen abgerückt, das Saufgelage im patriarchalen Männerbund möchte man sich dann aber doch nicht nehmen lassen.

Statt mehr Bullen auf der Straße geht es darum, männliche Privilegien zu hinterfragen und anzugreifen, es gilt eine solidarische, antisexistische Praxis zu entwickeln und zu verteidigen und Burschis, Rassisten und patriarchalem Mannergebündel entschlossen entgegenzutreten, im Netz und auf der Straße.

[Lisa:2]

1: Satisfikation: Wiedergutmachung eines Ehrdelikts „mit geeigneten Mitteln“ bzw. die Verpflichtung, eine solche Genugtuung bei erfolgter Beleidigung einzufordern. Geeignet schien lange Zeit z.B. das Fechten
2: Dass sie als weiße, männliche Akademiker gerade nicht zu jenen zählen die besonders häufig Opfer von Gewaltverbrechen werden ist hierbei nebensächlich. Mit Quarzsandhandschuhen, Schlagstöcken, Pfefferspray, Messer ausgerüsteten Männerbanden geht es nicht um ihre körperliche Unversehrtheit sondern um den waffenförmigen Beweis ihrer Männlichkeit unterienander und gegenüber dem (imaginären) Feind
3: Siehe OP vom 18.10.2014
4: Wobei die gewaltförmige Normierung nach Außen sich auch stets nach Innen richtet. Die soziale Hierachie ist in beide Richtungen gefährdet. In Studentenverbindungen dienen hierzu Saufrituale und Ehrgerichte. Gleichzeitig ist es notwendig, sich über das institutionalisierte Betonen der „Freundschaft“ der gegenseitigen Ungefährlichkeit und des Konkurrenzverzichts zu versichern.
5: Zusätzlich dienen sie als Söldner_innentruppe für die Geschäftsinteressen der Wirt_innen, wie z.B. die unsinnige Eintrittspolitik diverser Clubs und Bars

Auf jetzt! Gegen Rechte Gewalt im Siegerland!

Aufruf und Seite
19.07.2014 16:00 Kreishaus Siegen

Aufruf zur Demonstration gegen das Erstarken der rechten Szene im Siegerland!

Seit dem äußerst brutalen Überfall einer Gruppe Neonazis auf einen Siegener Studenten in der Oberstadt vor einigen Wochen ist es nicht zu leugnen:

Siegen hat ein Naziproblem!
Und das nicht erst seit Kurzem. Bereits vor einigen Jahren überzogen Neofaschisten die Region mit einer Welle der Gewalt: Schwere Sachbeschädigungen und Vandalismus waren quasi an der Tagesordnung. So wurden vor allem der VEB, das Parteibüro der LINKEN und die Buchhandlung „Bücherkiste“ immer wieder Ziele von Angriffen. Schon 2011 wurden Studierende von einer marodierenden Meute betrunkener Neonazis, die bereits früher am Abend polizeilich aufgefallen war, krankenhausreif geprügelt.
Gewalt war jedoch nicht ihr einziges Mittel, sie versuchten außerdem ihrem Treiben einen demokratischen Anstrich zu verleihen. Im Dezember 2009 und 2010 luden sie zu sogenannten Gedenkmärschen ein. Als Redner waren bundesweit bekannte Größen wie Christian Worch und Axel Reitz dabei. (Worch ist seit mindestens 25 Jahren vor allem in Hamburg und Dortmund in der extremen rechten Szene aktiv und Mitbegründer der Nazi-Partei die RECHTE; Reitz wurde einst als „Hitler von Köln“ betitelt und unterhielt nachweislich Verbindung zum NSU. Auch zur Siegener Szene pflegte er regen Kontakt.) Aufgerufen hatten die Siegener NPD und eine junge Gruppe namens Freie Nationalisten Siegerland (FNSI), die schon vorher durch rassistische und antisemitische Aufkleber und Schmierereien aufgefallen war.
Die Polizei versuchte weiterhin das Problem unter den Teppich zu kehren. Die Ermittlungen blieben größtenteils ergebnislos. Die Faschisten stoppte das sicher nicht. Im Gegenteil: Sie trauten sich am helllichten Tag mitten in der Fußgängerzone einen Infostand und die Menschen dort und sogar gezielt Privathäuser anzugreifen. Nebenher versuchten sie mit einem Internetversand für indizierte CDs und Nazipropaganda etwas Geld zu verdienen.
In den darauffolgenden Gerichtsprozessen musste sich die Siegener Justiz schon sehr blind stellen, um nicht zu erkennen, dass es in der Region schon längst eine organisierte und äußert gewaltbereite Naziszene gab. Mit positiven Sozialprognosen und kleineren Geld- und Bewährungsstrafen wurde versucht die Sache klein zu halten.
Und es wurde tatsächlich etwas ruhiger. Hin und wieder tauchten irgendwo noch ein paar dumme Parolen auf („National: das ist unser Gebied“ (sic!)), aber selbst der NPD-Abgeordneter und stadtbekannter Neonazi im Stadtrat tauchte nicht mehr bei den Sitzungen auf.
Stattdessen sah man Siegener Nazigrößen anderenorts. So meldete ein Siegener eine Neonazidemo in Stolberg bei Aachen an und ein anderer steht momentan in Koblenz wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht.

Nur mit einem größtmöglichen Maß an Ignoranz kann man noch leugnen, dass es sich bei der Siegener Szene um gut vernetzte und äußerst brutale Überzeugungstäter handelt.

Einen weiteren Beweis dafür bieten folgenden Ereignisse: In Freudenberg mieteten sie ein ganzes Haus an und agierten dort unbemerkt und ungestört. Auf der Autobahnstrecke zwischen Dortmund und Frankfurt bot sich hier die Gelegenheit für überregionale Vernetzung. Mit Partys und Konzerten wurde versucht einen Szenetreff zu etablieren. Nachdem das Nazihaus durch Recherchen von Antifa und Presse im Herbst 2013 bekannt wurde, war es dann auch vorbei mit der vermeintlichen Ruhe.
Ungehemmt griffen sie von dort aus Spaziergänger an; an jüdischen Friedhöfen in Bad Berleburg und Siegen werden antisemitische Transparente und ein Schweinekopf angebracht; im gleichen Zeitraum tauchten auch Aufkleber des FNSI wieder auf; in Siegen und dem gesamten Kreisgebiet wurden Wahlplakate und Häuserwände mit Parolen besprüht. In diesem Zusammenhang begrüßen wir das couragierte Handeln einiger Studierender der Uni Siegen. Als nämlich dort wochenends Naziparolen auftauchten, schloss man sich kurzerhand zusammen und übermalte und –klebte die entsprechenden Stellen, bevor montags wieder der normale Hochschulbetrieb losging.
Den dramatischen Höhepunkt der jüngsten Vergangenheit stellte der Übergriff in der Oberstadt dar. Eine Gruppe von ca. 30 Neonazis hat sich am Morgen an der Siegerlandhalle getroffen um zu einer neofaschistischen Konzertveranstaltung nach Bayern zu reisen. Da diese auf Grund der dortigen antifaschistischen Proteste abgesagt wurde, beschloss die Gruppe in Siegen ihren Frust in Alkohol zu ertränken. Für die bewaffnete Gruppe gipfelte der Abend darin, dass sie einen Studenten ins Krankenhaus prügelten und lebensgefährlich verletzten. Hier zeigt sich exemplarisch, dass Gewalt zentrales Element ihrer Vorstellung von Feiern und ihrer Ideologie ist. Polizei und Staatsschutz waren – entgegen ihrer Behauptungen – informiert, dass sich Nazis in der Oberstadt bewegen und blieben untätig. Der Staatschutz begründete dies lapidar damit, dass sie nichts von dem Treffen der Neonazis gewusst hätten, da diese es bei der Polizei nicht angemeldet hatten.

Nach all den Vorfällen der letzten Jahre kann Untätigkeit nicht länger hingenommen werden!

Wir fordern…
- die Medien auf, hinzuschauen und die Öffentlichkeit über derartige Strukturen zu informieren! Anstatt rassistische Hetze durch falsche Berichterstattung noch weiter anzuheizen.
- Polizei und Justiz auf, konsequent gegen Nazis vorzugehen!
- die Politik auf, aktiv eigene Maßnahmen gegen rechte Gewalt und Rassismus zu entwickeln, zu fördern und zu unterstützen!
- alle Menschen auf, sich gegen Rechts zu engagieren!

Deswegen 19.07.2014
Demonstration Gegen Nazis Überall

Busfahrkarten und Abfahrtszeit und Ort

Busfahrkarten für die Fahrt zur Demo in Eisenach gibt es ab heute im Buchladen Roter Stern und im Havanna 8 für 5€. Eine gedeckelte Anzahl an Solitickets ist vorhanden.
Abfahrt ist am Samstag, 14.06. um 12:30
Abfahrtsort ist am Firmaneiplatz, an der ehemaligen Kinderklinik.

Wir freuen uns auf eine fette, lautstarke Demo mit Euch!