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Redebeitrag auf der feministischen Vorabenddemo zum AfD Bundesparteitag

Redebeitrag zum AfD Bundesparteitag in Hannover als Audio (MP3) Redebeitrag zum AfD Bundesparteitag in Hannover als Audio (MP3)

Der Aufstieg der AfD nährt sich aus der Angst weißer deutscher Männer. Sie fürchten um ihre gesellschaftliche Vormachtstellung, ihren Wohlstand. Sie haben Angst vor einer Zukunft, in der ihr Geltungsdrang ins Leere läuft. Aus dieser Angst heraus besinnen sie sich auf das was ihnen scheinbar niemand nehmen kann: Ihr Geschlecht und die Nation als heilsbringenden Überbau einer Gesellschaft.
Ihr autoritärer Wunsch nach Ordnung wird erschüttert wenn es plötzlich mehr als zwei Geschlechter gibt, wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse von denen sie immer profitiert haben ins Wanken geraten. Diese Ordnung lebt in ihren Mythen von vergangener Größe. Sie lebt im Männerbund, in dem Konkurrenz immernoch in Saufritualen und Wettbewerben sublimiert werden kann, in dem der Wunsch nach Nähe in gespielter Homoerotik einen Raum findet.
Weil sie erleben müssen, dass Deutsch sein und Mann sein nicht mehr ausreichen, um den Anforderungen des Alltags zu begegnen, erfinden sie Mythen und träumen sich in eine fortlaufende Geschichte von soldatischer Männlichkeit und Tugend.
In dieser Geschichte sind sie auserkoren das sog. „Abendland“ zu verteidigen und nicht mehr der arme Hanswurst. Sie verteidigen es gegen anrückende Horden seien sie nun die Türken vor Wien oder die kolonialen Hilfstruppen bei der französischen Besetzung des Rheinlandes 1918. Verteidigt wird dabei, neben dem nebulösen Begriff des Vaterlandes, das ihre Herzen höher schlagen lässt, vor allem die herrschende Geschlechterordnung bzw. der Zugriff auf ihre Frauen.
In diesem Denken war das Geschehen der Kölner Silvesternacht ein herber Verlust. In der extrem rechten „Sezession“ verglich der rechte Publizist und AfD Berater Thor Kunkel die Übergriffe in Köln mit den, in seinem Sprachgebrauch „Notzuchtsdelikten“, nordafrikanischer Hilfstruppen in Freudenstadt 1945. Damals wie heute scheint der deutsche Mann unfähig sich zu behaupten. Schuld daran sei eine Umerziehung, ein Verlust seiner Wurzeln, ob wie damals durch die alliierten Siegermächte oder heute durch die überall gewitterte links-grüne Verschwörung. Thor beschwert sich weiter:

„Von einem Deutschen haben die Missetäter dagegen nichts zu befürchten – selbst wenn sie weiter gegangen wären. Der verhausschweinte Deutsche, dieser Jammerlappen und Moral-Krüppel, schlägt in den seltensten Fällen zurück. Er weiß doch gar nicht mehr, wie es geht…“

Auch Junge Alternative Vorsitzender Markus Frohnmaier, mittlerweile Mitglied des Bundestages beklagt diesen eklatanten Unwillen das jeweils eigene, ob nun Land, Kultur oder Frau mit Gewalt zu verteidigen:

„Echte Männlichkeit bedeutet nicht: Ich hau‘ dich um. Männlichkeit hat damit zu tun, ob jemand etwas weiß. Männlichkeit bedeutet auch, für seine Frau einzustehen und, wenn nötig, das vor der Tür zu klären.“

In dieser Logik greift der echte Mann nur zur Gewalt wenn es um Großes geht, Ehre, Frau, Nation. Als begeisterter Unterstützer der pro-russischen Milizionäre am Dombass und Mitglied in der Hooligan-Vereinigung German Defence League dürfte er, sich seinem Denken folgend, mit gutem Gewissen als echten Mann begreifen.
Der eigene Mangel, die narzisstische Kränkung, die im wahrsten Sinne des Wortes Erfahrung von Impotenz die dieser empfundene Mangel an wahrer Männlichkeit hervorruft, muss verarbeitet werden. Zum einen zur Abwertung der sogenannten fremden Kultur, hinter der sich immer noch das gute alte Wort Rasse verbirgt, als unmännlich, archaisch, weibisch. Zum anderen zu Neid, zum Beispiel wenn die Höckes dieser Welt über die starke Zeugungskraft der Männer in der Subsahara fabulieren. In beidem zeigt sich die Armseligkeit von der die ins Überproportionale aufgeblasene eigene Größe ablenken soll.

Um diesem gleichzeitgen Moment von Sexismus und Rassismus zu begegnen braucht es einen radikalen Feminismus, der zugleich antirassisitsch ist. Das beides nicht unbedingt miteinander einhergeht, ist eine Erkenntnis zu der es nicht erst die Ausfälle von Alice Schwarzer brauchte. Zahllose feministinnen of colour mussten und müssen antirassistische Positionen gegen einen weißen Feminismus immer wieder erkämpfen. Sexismus in ein „außen“ zu projizieren und als fremd zu markieren ist dabei ein Argumentationsmuster. Nicht nur RassistInnen wie Schwarzer dient das dazu das eigene unmarkiert zu lassen, die buchstäblich weiße Weste zu wahren. So entsteht ein argumentativer Raum, der frei von Sexismus sei, wo dieser fremd ist kann er nicht eigen sein und lädt auch plötzlich weiße deutsche Männer ein sich mit ihm zu beschäftigen, sich zu empören. So werden Widersprüche nivelliert, werden sexistische Positionen in eine feministische Argumentation integriert. Auch in unseren eigenen Strukturen ist dieses Denken zu finden. Dabei wird so getan als würden die gesellschaftlichen Verhältnisse vor dem Freiraum-Schild halt machen, als würden wir sie nicht selbst tagtäglich reproduzieren um zu funktionieren, nicht aufzufallen, auch einfach weil wir keine alternative Sichtweise kennen. Die Annahme es könnte einen Raum, geben der frei von Unterdrückungsverhältnissen sei ist ein schöner Traum. Anstatt zu träumen, müssen wir uns diesen Auseinandersetzungen stellen. Einen emanziaptorischen Feminismus gibt es nicht for free, wir müssen ihn uns erarbeiten. Jeden Tag, solidarisch und miteinander.

Doch wir müssen auch darüber hinaus gehen, es reicht nicht in den Rückzugsgefechten des Patriarchats für Feminismus und Freiheit einzustehen, es reicht nicht uns in unseren Zentren, in unseren WGS, bei der Arbeit dem alltäglichen Sexismus und der Gewalt entgegenzustellen, wir brauchen die Frage nach dem großen Ganzen. Wir wollen die Grundfesten der patriarchalen Ordnung erschüttern; wir wollen den Grund für die autoritären Sehnsüchte abschaffen und damit die patriarchalen Charaktere, mit denen wir konfrontiert sind. Das heißt für uns, den Kapitalismus abzuschaffen; das heißt für uns, den Nationalstaat mitsamt seiner Bevölkerungspolitik und Verwertungslogik abzuschaffen; das heißt für uns, für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der es keinen Grund gibt, Menschen in Geschlechter einzuteilen.
Der erfolgreichste Kampf gegen dieses patriarchale Elend, gegen den grassierenden Rassimus, gegen die autoritären Sehnsüchte, gegen eine Politik in der Angst anstatt Hoffnung regiert ist eine starke, selbstkritische, feministische Bewegung.
Es ist Zeit für eine feministische Offensive: The future is unwritten! Lasst uns nicht nur das Schlechte abwehren, lasst uns etwas Neues schaffen. Lasst uns eine wirkliche Perspektive auf eine bessere Gesellschaft entwickeln.
Nieder mit dem Patriarchat! AfD Bundesparteitag zum Desaster machen! Für den Kommunismus!

[Lisa:2]

Redebeitrag zum AfD Bundesparteitag in Hannover als Audio (MP3) Redebeitrag zum AfD Bundesparteitag in Hannover als Audio (MP3)

„Für einen radikalen Feminismus! Tatsachen schaffen!“

Genoss_innen,
wir müssen raus aus den Routinen, es gibt kein weiter so. Wir wissen das theoretisch, es gibt sie immer, diese sehnsuchtsvolle Vorstellung der „befreiten Gesellschaft“, sonst wären wir keine Linken. Zwar kann von einem Rechtsruck angesichts von menschenfeindlichen Einstellungen seit Jahrzehnten keine Rede sein, doch durch den Einzug der AfD alsdrittgrößte Fraktion in den Bundestag ist ein Punkt erreicht, an dem sich die (radikale) Linke neu sortieren muss.
Vom 1. bis 3. Dezember will die AfD ihren Bundesparteitag in Hannover abhalten.
Deswegen: auf nach Hannover!

driftAngesichts des AfD-Erfolgs sagen wir: Das, was jetzt wichtig ist, ist ein radikaler Feminismus. Tatsachen schaffen! Vielleicht haben wir uns als Linke zu lange in die bequeme Haltung der kritischen Kritiker_innen zurückgezogen, vielleicht haben wir mehr als nur einmal in unserem Alltagstrott „das große Ganze“ aus den Augen verloren. We need a plan! Jetzt ist wichtig: ein organisiertes, ein strategisches Vorgehen, ein radikaler Realismus, der die Frage nach der Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse in den Blick nimmt und im Hier und Jetzt als Bewegung um die konkrete Veränderung von Kräfteverhältnissen ringt. Die feministische Bewegung hat auf der einen Seite bedeutende Erfolge erzielen können; andererseits ist ihr auch vieles über die Jahre verloren gegangen. Dass beispielsweise Antifaschismus und Feminismus zusammen gehören, in Teilen auch, dass eine feministische Praxis Gesellschaftskritik braucht, um erfolgreich zu sein, und eine feministische Gesellschaftskritik notwendig eine materialistische Gesellschaftskritik sein muss; und dass Feminismus bedeutet, nicht nach der Legalität, sondern nach der Legitimität der Kritik zu fragen. Das nennen wir einen radikalen Feminismus!

Die AfD als männliche Bewegung

Die autoritäre Revolte ist eine zutiefst männliche Bewegung. Wir können eine Remaskulinisierung der europäischen Gesellschaften beobachten, die einhergeht mit Frauenverachtung und Hass auf Homosexuelle. Neu ist das nicht: Wenn die männliche Vormachtstellung ins Wanken geriet, bekamen Frauen es mit den Rückzugsgefechten des Patriarchats zu tun. Deswegen bemühen sie Mythen, und entwerfen eine Vergangenheit, die es so nie gegeben hat. Vielleicht der wirksamste Mythos ist der einer intakten, funktionalen und soldatischen Männlichkeit. Noch der letzte Lauch aus dem sächsischen Erzgebirge, noch der besorgteste Horst aus Duisburg und der verlogenste grüne Rassist aus Baden-Württemberg fühlt sich heute dazu berufen, die Ritterrüstung anzulegen und sich zum Schutz des Abendlandes in die Bresche zu werfen. Sie alle finden ihr Ideal – ob stillschweigend oder unverhohlen – in einem Höcke, der schon 2015 forderte, die Männlichkeit wegen der Mannhaftigkeit und der Wehrhaftigkeit wieder zu entdecken.

So kommt es, dass Pegida zu etwa zwei Dritteln aus Männern besteht. Bei den Bundestagswahlen wählten in Ostdeutschland 26 Prozent der Männer die AfD und auch im Westen waren es deutlich mehr Männer als Frauen. Natürlich wählen auch Frauen rechts, und ja, die AfD hat auch weibliches Führungspersonal. Das widerspricht aber dem männlichen Charakter der Bewegung nicht. Das Wahlprogramm der AfD wird nicht weniger antifeministisch, weil auch Frauen es gut finden. Das Ideal der Rollenzuschreibung bleibt klar, die Hetero-Kleinfamilie hat feste Plätze für Mama und Papa – das finden auch viele Frauen super, die den wohlbekannten Anker der Mutterschaft und Fürsorge schätzen. Aus dem Grund wählen schließlich auch viele Frauen die CDU. Und wenn man sich das genauer anschaut: Zwar halten Frauen in der AfD Reden und rufen zu Zeug auf, aber der Kampf (Stichwort: „Wir werden Frau Merkel jagen“) ist klar in Männerhand. Die Führungsriege der AfD speist sich aus männerbündischen Strukturen wie etwa Studentenverbindungen. Dass Antifeminismus wichtig für ihr Mobilisierungspotential ist, hat die Neue Rechte schon lang erkannt: gegen „Genderismus“ und „Frühsexualisierung“ kämpfte sie schon, bevor es die AfD gab.

Die Sehnsucht der Antifeministen nach dem starken Mann

Was die autoritäre Revolte prägt, ist die Sehnsucht nach den starken Männern, die von einer starken Nation reden, die sich ohne unnötige Gefühle wie „Scham“ unumwunden lieben lässt. Es ist die Sehnsucht nach Männern, die Plätze füllen und unter ihresgleichen Gänsehaut hervorrufen. Es geht um Männer, die nicht nur „Ordnung“, sondern aktives „Durchgreifen“ und „Aufräumen“ versprechen und die mit epischen Begriffen wie „kämpfen“, „erobern“ und „verteidigen“ um sich schmeißen, bis man sich ganz erhaben fühlt. Es geht um markige Männer, die fest davon überzeugt sind, dass sexuelle Belästigung und Gewalt als Komplimente zu verstehen sind. Es ist die Sehnsucht nach Männern, die große Gesten mit aufgekrempelten Ärmeln machen und breitbeinig und sehr überlegen in Talkshows sitzen. Es geht um die Sehnsucht nach Männern, die die Entscheidungen dieser Welt nur mit anderen Männern oder gleich ganz alleine fällen. Europa- und weltweit drängen Männer mit antifeministischen Ideen an die Macht. Zugleich träumen AfD-wählende Männer von nostalgische Rollenspielen: Politik ohne Frauen. Sie trainieren fleißig im Internet, um ein Angstklima für Feministinnen zu schaffen und laden immer mehr zum niedrigschwelligen Mitmachantifeminismus ein. Dass die antifeministische Männerrechtsbewegungen der AfD’s, PEGIDA’s, christlicher FundamentalistInnen und IslamistInnen und all die anderen zu Beginn des 21. Jahrhunderts Aufwind haben, kann eigentlich nicht überraschen. Überrascht ist nur das linksliberale Lager, das in seiner Kritik an der völkischen Rechten vollkommen substanzlos ist. Das Zaudern im Umgang, der hilflose Versuch, an den Dialog zu appellieren – „mit Rechten reden“ – zeugt von einer gravierenden Bewusstlosigkeit dieser Zeit. Sie habennichts verstanden!

Der Aufschwung der völkischen Rechten hängt mit ihrer Angst zusammen: Es macht die AntifeministInnen rasend, dass die Wirklichkeit anders aussieht als ihre völkischen Traumwelten. Es macht sie umso aggressiver. Sie haben Angst vor den Fortschritten der queeren und Frauenbewegungen. Denn diese Fortschritte sind vorhanden und sie sind spürbar: wie etwa die Verschärfung des Sexualstrafrechts in den letzten Jahren, die langsame Angleichung des Lohnniveaus, die Homo-Ehe oder die juristische Anerkennung von Intersexualität. Zugleich werden die Abwehrkämpfe stärker und offensiver: Mit #metoo gibt eine weltweite Aufmerksamkeit für sexuelle Gewalt (die Zeit, in der man ungestört grabbeln und Sprüche machen konnte, könnte bald vorbei sein) und es gab in den letzten Jahren riesige Demos zu Frauen- und LGBTI-Rechten in Polen, Spanien, den USA, der Türkei, Argentinien und anderen Ländern. Die feministischen Bewegungen haben so viel erkämpft, ihre Errungenschaften liegen in unserer Hand. Lasst uns auf den zweihundert Jahre alten Kämpfen unserer Genoss*innen aufbauen und über sie hinausgehen! Sorgen wir dafür, dass es für die kleinen Gaulands, von Storchs, Höckes, Le Pens, Johnsons, Kurz‘ und Wilders dieser Welt keine Möglichkeit mehr gibt, ihr chauvinistisches und sexistisches Weltbild auszuleben! Nehmen wir ihnen noch die letzten Bastionen!

Diese Gesellschaft überwinden

Antifeminismus zieht sich quer durch die Bank: den Akademiker mit dem Arbeiter, den Mittelständler mit dem Angestellten, den Versicherungsfachmann mit dem Richter, den Minister mit dem Handwerker verbindet der Unwille, männliche Privilegien abzugeben. Sie alle haben Angst davor, noch ihre letzten Herrschaftsansprüche zu verlieren. Wer antifeministisch, misogyn, transphob, homophob und sexistisch daherredet, hat most likely auch antisemitische, rassistische, sozialchauvinistische und andere menschenfeindliche Einstellungen: Das zeigt sich in Ideen von feministischen Verschwörungen, die davon ausgehen, eine „strippenziehende“ Elite plane die „Umerziehung“ – ein klassisches antisemitisches Motiv. Oder in der Vorstellung, dass nur deutsche Männer Frauen sexuell belästigen dürften, wie in dem gängigen Talk nach Köln – klassische (kolonial)rassistische Bildsprache inklusive. Radikaler Feminismus bedeutet für uns, immer deutlich gegen Rassismus und Antisemitismus Position zu beziehen, sich nicht staatsfeministisch vereinnahmen zu lassen und darauf hin zu wirken, die kapitalistische Klassengesellschaft zu überwinden. Ein radikaler Feminismus zielt auf die ganze Gesellschaft! Darum reicht es uns als Kommunist_innen nicht, die Symptome einer patriarchalen Gesellschaft zu bekämpfen; dieser Kampf stellt vielmehr einen Zwischenschritt auf einem langen und beschwerlichen Weg dar: Wir wollen die Grundfesten der patriarchalen Ordnung erschüttern; wir wollen den Grund für die autoritären Sehnsüchte abschaffen und damit die patriarchalen Charaktere, mit denen wir konfrontiert sind. Das heißt für uns, den Kapitalismus abzuschaffen; das heißt für uns, den Nationalstaat mitsamt seiner Bevölkerungspolitik und Verwertungslogik abzuschaffen; das heißt für uns, für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der es keinen Grund gibt, Menschen in Geschlechter einzuteilen.

Wir sagen: Die erfolgreichste Politik gegen die autoritäre Revolte ist eine starke feministische Bewegung. Denn derzeitige feministische Kämpfe sind nicht nur Abwehrkämpfe, sondern sie sind offensiv und sie sind stark. Denn die Fortschritte der bisherigen Frauen*bewegungen stellen die materielle Basis für unser Ziel einer Umwälzung dieser Verhältnisse dar. Es ist Zeit für eine feministische Offensive: The future is unwritten! Lasst uns nicht nur das Schlechte abwehren, lasst uns etwas Neues schaffen. Lasst uns eine wirkliche Perspektive auf eine bessere Gesellschaft entwickeln. Darum kommt es für uns als feministische Kommunist_innen und kommunistische Feminist_innen heute darauf an, die materiellen Bedingungen für eine befreite Gesellschaft aller Menschen weltweit aufrecht zu erhalten und mit neuen Strategien diese Bedingungen auszubauen. Lasst uns feministische Allianzen aufbauen, uns transnational vernetzen, gemeinsam kämpfen! Das bedeutet immer auch, den FeindInnen der Emanzipation die Räume zu nehmen. Deshalb kommt am 1. und 2. Dezember nach Hannover! Kommt am 1. Dezember zur Vorabenddemo und lasst uns ein Zeichen setzten, gegen die autoritäre Revolte und ihren Antifeminismus.

Wir wollen eine Gesellschaft, in der alle ohne Angst verschieden sein können. Deshalb: Für einen radikalen Feminismus! Tatsachen schaffen!

Drift – Feminist Alliance for Communism, November 2017

https://feministdrift.org/

Kundgebung gegen Islamismus und völkische Rechte

Wir, das Bündnis drift – feminist alliance for communism, haben am 9.9. in der Kasseler Innenstadt am Opernplatz eine Kundgebung gegen Islamismus und völkische Rechte durchgfeührt. Das Motto der Kundgebung lautete: „Für einen radikalen Feminismus! Keine halben Sachen! Fight nationalism! Fight islamism!“.Kundgebung Kassel

In Redebeiträgen wurde im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl die Stärke der AfD in Kassel, der weiterhin nicht vollständig aufgeklärte Mord an Halit Yozgat und die jährlich stattfindenden Treffen von evangelikalen AbtreibungsgegnerInnen (Marsch für das Leben) thematisiert. Neben den rechten Strukturen wurden außerdem islamistische Strukturen in Kassel, wie der türkisch-natioanlistische Verband ATIB (eine Struktur, die den faschistischen Grauen Wölfen nahe steht) kritisiert.

Das Bündnis Drift hat sich aus der Erkenntnis gegründet, dass unserem Streben nach einer befreiten Gesellschaft im Kommunismus, nach einem Leben ohne das Elend des Patriarchats zur Zeit vor allem die regressiven Vergemeinschaftungsideologien Islamismus und völkische Rechte entgegen stehen. Mit dem Rechtsruck auf der Straße, in Köpfen und Parlamenten ist in Deutschland ein virulenter und mörderischer Rassismus wieder hoffähig geworden. Wir, als kommunistische Feminist_innen, müssen uns diesem entgegenstellen, Auch, um unsere Vorstellungen von Zusammenleben, unser Recht auf Abtreibung und sexuelle Freiheiten zu schützen. Daneben besteht mit den stärker werdenden islamistischen Strukturen eine Kraft, die mit Vehemenz versucht ihre politische Ideologie sowohl in den eigenen Communities, als auch über Lobbyarbeit im Alltag durchzusetzen. Diese beiden Bewegungen sind sich dabei in ihrem Denken und ihren Vorstellungen ähnlicher als sie und andere oft meinen. Die Verwirklichung ihrer politischen Ziele würde letztendlich die Auflösung individueller Freiheit im Wahn der Zwangsgemeinschaft bedeuten. In Kassel haben wir versucht diese, oft wenig sichtbaren Strukturen, öffentlich zu machen. Die Kundgebung war dabei erst der Anfang. Als überregionaler Zusammenschluss feministischer und antifaschistischer Gruppen werden wir auch weiter aktiv in diese Themenbereiche eindringen. Im Frühjahr 2018 planen wir hierzu eine Aktivierungskonferenz.

Kundgebung: FÜR EINEN RADIKALEN FEMINISMUS. – KEINE HALBEN SACHEN.

Update Zugfahrt

Wir fahren am 9. September um 12:20 Uhr am marburger Hauptbahnhof auf Gleis 5 ab (Regionalexpress)

Mobilisierungsveranstaltung

Am 9.9. findet in Kassel eine Kundgebung gegen Islamismus und völkische Rechte statt, organisiert von Drift – feminist alliance for communism.
Los geht es um 14:00 Uhr auf dem Opernplatz in Kassel. Es gilt den reaktionärem Vergemeinschaftungsideologien des rassistischen Nationalismus und des Islamismus unsere Kritik und unseren Widerstand entgegenzustellen.

Am 31.8. um 21:00 findet dazu eine Mobiveranstaltung im Havanna 8 statt, auf der auch die gemeinsame Anreise koordiniert wird. Ansonsten gibt es die Infos zur Anreise danach auch auf lisa2.blogsport.de


Für einen radikalen Feminismus.
Keine halben Sachen.
Fight nationalism! Fight islamism!

Kassel – irgendwo in Deutschland, irgendwo in Europa.

In Kassel findet derzeit zum 14. Mal die documenta statt. Obwohl es in der diesjährigen documenta viel um Rassismus und Sexismus geht, bleibt das politische Klima in der Stadt selbst für die BesucherInnen quasi unsichtbar: Der reibungslose Ausstellungsbesuch ist wichtiger als Stadtpolitik – daran ändern auch Sparziergänge durch Kassel nichts, die erstmals Teil der documenta sind. Zwar thematisieren sie „Vertreibung und Migration“ oder „Verstrickung von Kunst, Politik und Wirtschaft“, doch gehen sie auf die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse vor Ort nicht ein.

Nur eine bedeutende Ausnahme gibt es: Das Projekt „Gesellschaft der Freund_innen von Halit“ beschäftigt sich im Rahmen der documenta mit der Ermordung Halit Yozgats durch den NSU. Es skandalisiert auch den strukturellen Rassismus der Behörden und dass der Verfassungsschutz tief in den NSU-Komplex verstrickt ist. Rassismus in Kassel bleibt wenigstens hier nicht unerwähnt!

Das ist wichtig, denn Rassismus ist in Kassel – wie andernorts – Alltag und völkischen Nationalismus gibt es hier in vielen Formen: Burschenschaften, die im Dachverband Deutsche Burschenschaft organisiert sind und damit offen zu einem geschichtsrevisionistischen, deutschnationalen und rassistischen Club gehören. Rechte KSV-Fans, die im Staditon und außerhalb immer wieder Leute angreifen, die sie für Linke halten. Christliche FundamentalistInnen, die immer wieder zu Events einladen, bei denen sie offen ihre antifeministischen, homophoben und reaktionären Positionen gegen Abtreibung verbreiten. Der Pegida-Ableger, der seit Ende 2014 unter dem Namen Kagida in seiner Hochzeit bis zu 200 Nazis, VerschwörungsideologInnen und andere „besorgte BürgerInnen“ zu seinen rassistischen Kundgebungen mobilisierte. Sie alle sind in Kassel heimisch.

Da wundert es auch nicht, dass die AfD im März 2016 mit elf Prozent in die Stadtverordnetenversammlung einzog. Das ist ein Ausdruck der Kassler Verhältnisse und da gibt’s auch nichts schönzureden: Ein großer Teil der Kassler_innen wählt eine sexistische und rassistische Partei.

Eine unversöhnliche Perspektive

Als Feminist_innen sind wir notwendig Gegner_innen des völkischen Nationalismus, der immer sexistisch ist, egal ob von christlichen LebenschützerInnen, Neonazis oder der AfD: Weil er sich die Nation als einen „Volkskörper“ vorstellt, der verletzt und bedroht werden kann, ist im völkischen Nationalismus ganz klar, was die Rollen von Frauen* und Männern sein müssen:

Frauen* sollen für den Erhalt dieses „Volkes“ sorgen, indem sie möglichst viele und „deutsche“ Kinder bekommen. Die oft erhobene Forderung danach, die „eigene deutsche Frau“ vor „dem schwarzen Mann“ zu beschützen, ist seit dem Kolonialismus tief in den rassistischen Alltag eingeschrieben. So was wie Selbstbestimmung von Frauen* über ihren Körper, mühsam von den Frauenbewegungen erkämpft, bekämpfen völkische NationalistInnen deshalb.

Für Männer hingegen gilt ein männerbündisches Ideal der kämpferischen Kameradschaft, das man aus urschenschaften und Hooligan-Cliquen kennt.
Die Härte, die da gepflegt wird, richtet sich im Endeffekt gewalttätig gegen Frauen*, Lesben, Schwulen und alle, die von Geschlechternormen abweichen.

Einem Gesellschaftsentwurf, in dem der männliche Körper eine Waffe und der weibliche Gebärmaschine sein soll, in dem jede sexuelle Lust, die nicht dem „Erhalt des Volkes“ gilt, unterdrückt und in dem ein dauernder Kampf gegen die inneren und äußeren FeindInnen geführt wird, stellen wir uns entschieden entgegen!

Neben seinen repressiven Geschlechternomen war (völkischer) Nationalismus immer auch rassistisch und antisemitisch. Rassismus drückt sich heute allerdings meistens in der Chiffre der „Islamkritik“ aus. So lassen sich unter dem Label stumpfe Ressentiments von „den Fremden“ pflegen, die nicht mehr als unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen erscheinen.

Ein Neidverhältnis

Wir meinen: In diesem Mechanismus ähneln sich völkischer Nationalismus und Islamismus, obwohl sie einander so sehr verachten. Beide sind patriarchale Vergemeinschaftungsideologien, die eine männerbündische Herrschaft über Frauen* versprechen und individuelle Befreiung bekämpfen.

Beide sind kein Rückfall in vergangene Zeiten, sondern Produkte der kapitalistischen Verhältnisse, in denen wir leben. Beide bieten das Versprechen auf eine sinnstiftende Gemeinschaft, die ökonomische und soziale Krisenerfahrungen der Moderne abfedern soll.

Der europäische Islamismus wird dabei vorrangig im direkten sozialen Umfeld politisch wirksam, tritt in Form von Infoständen und Aktionen im Alltag in Erscheinung oder orientiert sich in Richtung Naher Osten: Aus Kassel schlossen sich mehrere Personen dem Islamischen Staat an und reisten nach Syrien. Und nicht zuletzt geht vom Europäischen Islamismus die permanente Gefahr von Terroranschlägen aus.

Der völkische Nationalismus kämpft darum, seine Begriffe in sozialen Netzwerken und anderen Medien zu etablieren. Er agiert gewalttätig auf den Straßen und verbreitet alltäglich mit Brandanschlägen auf Unterkünfte für Geflüchtete rassistischen Terror. Durch kontinuierliche Vernetzung, Lobby- und Kampagnenarbeit sowie durch einen aggressiven Wahlkampf drängt der völkische Nationalismus in die staatlichen Institutionen. So schickt sich die AfD an, als parlamentarische Vertretung des völkischen Nationalismus in das deutsche Parlament einzuziehen.

Mit ihren verschiedenen Ideologien und Strategien sind sowohl der Islamismus als auch der völkische Nationalismus eine Bedrohung für alle, die nicht in ihr Weltbild passen. Sie beide sind eine Bedrohung für unsere Idee einer befreiten Gesellschaft. Deswegen wollen wir ihnen entschlossen entgegentreten!

Eine Einladung

Weil wir die Aufmerksamkeit der documenta nutzen wollen, um auf die Strukturen der hiesigen völkischen Rechten und des örtlichen Islamismus aufmerksam zu machen, und weil bald Bundestagswahlen sind, wollen wir als Bündnis drift – feminist alliance für communism mit unserer Kundgebung genau diese zum Thema machen!

Wir rufen auf, am 9. September an unserer Kundgebung Für einen radikalen Feminismus! Keine halben Sachen! Fight nationalism! Fight islamism! teilzunehmen!

Wir wollen uns gegen völkischen Nationalismus und Islamismus wenden, die wir als zwei Spielarten der Antimoderne begreifen. Wir wollen eine Diskussion über feministische und queere Gesellschaftskritik voranbringen. Und wir wollen dabei der documenta einen Vorschlag zu einem Spaziergang entgegenstellen, der deutlich macht, dass in einer Stadt wie Kassel FeindInnen der Emanzipation aller Couleur zu finden sind.

Kommt daher am 9. September nach Kassel!

Kundgebung: 14:00 Uhr Opernplatz / Kassel

Zur Kritik an Critical Whiteness aus antirassistischer Perspektive

eine Veranstaltung mit Vassilis Tsianos

Kritik am Konzept der Critical Whiteness kommt aus vielen Richtungen. Die autoritäre und dogmatische Umsetzung die dieses Konzept in weiten Teilen der antirassistischen Linken erfährt, haben es für viele zu einem Synonym für Diskursverweigerung und Spaltung werden lassen. Dies führt in vielen Fällen gerade nicht zu der gewünschten Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien. Sprachbereinigung und inhaltsleere Selbstbezichtigung ermöglichen es, im quasi vom Rassismus bereinigten Sprachraum, weiter die „weißen“ Privilegien zu genießen. Die Absolutheit der Affirmation wie auch der Kritik an diesem Konzept gehen mit einem Positionierungszwang einher in dem immer wieder antirassistische Initiativen und Gruppen zerrieben werden. Anstatt aber den theoretischen Ansatz der Critical Whiteness komplett über Bord zu werfen soll es darum gehen sie als einen Teil des Kosmos der kritischen Rassismusanalyse zu betrachten. Auf dieser Basis gilt es eine Kritik an der in ihrem Namen etablierten Praxis zu formulieren, Lücken aufzuzeigen und einen Raum der Rassismusdiskussion zu entwerfen, der uns nicht vorgeschrieben wird von diskursiven Automatismen und Reflexen.

Prof. Dr. Vassilis S. Tsianos lehrt Soziologie der Sozialen Ungleichheit, Migrationssoziologie/Border Studies und Rassismusanalyse der postmigrantischen Gesellschaft an der Hochschule für angewandten Wissenschaften in Hamburg (HAW), er ist antirassistischer Aktivist und Mitglied im Netzwerk Kritische Migrations- und Grezregimeforschung und Mitglied des Rates für Migration. Er war Gründungsmitglied des antirassistischen Netzwerks Kanak Attak.

Veranstaltung:
Dienstag 11. Juli 2017 | 19:00 Uhr
Hörsaalgebäude Raum 00/0020

Das Flugblatt als PDF

Vortrag von Mina Ahadi auf Radio Unerhört Marburg

Radio Unerhört MarburgAm 26. Januar 2017 war – auf Einladung der Gruppe LISA:2 – Mina Ahadi in Marburg zu Gast und hielt einen Vortrag zum Thema „Möglichkeiten der Kritik am Islamismus in Zeiten rassistischer Mobilmachung“.

Radio Unerhört Marburg hat am 8. März, dem internationalen Frauen*kampftag, einen Mitschnitt des Vortrags gesendet.

Die Aufnahme dieser Sendung könnt ihr jetzt hier herunterladen.

Vortrag von Mina Ahadi auf Radio Unerhört Marburg

warum antifa feminismus braucht

https://veranstaltungsreihefantifa.noblogs.org/

Im Sommersemester 2017 findet in Marburg eine Veranstaltungsreihe zum Thema „F_Antifa – Warum Antifa Feminismus braucht“ statt. Organisiert wird sie durch ein Bündnis aus verschiedenen antifaschistischen und feministischen Initiativen, das die Beteiligung und Relevanz von Frauen* und feministischen Perspektiven an und in antifaschistischen Kämpfen sichtbar machen und fördern möchte.

Auch wenn männliche Dominanz in antifaschistischen Zusammenhängen kein neues Thema ist, sind wir davon überzeugt, dass es weiterhin notwendig ist, darüber zu sprechen. Antifaschismus ist noch immer ein männlich dominierter Politikbereich und gängige Aufnahmeverfahren, Gruppenstrukturen, bearbeitete Themenbereiche und Aktionsformen bevorzugen Männer und bringen einen bestimmten Typus Männlichkeit hervor.

Wenn antifaschistische Initiativen sich entscheiden, etwas gegen den Ausschluss und die Benachteiligung von Frauen* aus und in ihren Strukturen zu unternehmen, wirkt das Unterfangen oft etwas fehlgeleitet. Anstatt einer kritischen Reflexion sexistischer Aufnahmepolitiken und geschlechtlicher Zuschreibungen, wird die Aufnahme von Frauen* zu einer humanitären Aktion stilisiert. Die vorherrschende Meinung scheint zu sein, dass Frauen* schlechter geeignet seien, um sich an antifaschistischen Kämpfen zu beteiligen. Es sei zwar politisch richtig Frauen* zu ‚integrieren‘, aber, dass Frauen* wirklich eine Bereicherung für antifaschistische Gruppen sein könnten, kann sich kaum einer vorstellen. Um dieser Auffassung, die Antifaschismus als eine männliche Handlungsweise zeichnet, entgegenzutreten, wollen wir in unserer Veranstaltungsreihe auf die Beteiligung von Frauen* an historischen und bestehenden antifaschistischen Kämpfen aufmerksam machen.

Neben dem Sichtbarmachen der Beteiligung von Frauen* an antifaschistischen Kämpfen, wollen wir durch verschiedene Veranstaltungen die These belegen, dass Antifaschismus Feminismus braucht. Wir wollen darlegen, dass ein Antifaschismus, der feministische Perspektiven nicht berücksichtigt, Leerstellen aufweist und an Wirkmächtigkeit einbüßt. Wir wollen auf Leerstellen in der Gedenkkultur hinweisen sowie auf extrem rechte Strömungen, denen sich nur durch Feminismus adäquat begegnen lassen.

Wir hoffen, durch diese Veranstaltungsreihe Frauen* dazu zu ermutigen, sich an antifaschistischen Kämpfen zu beteiligen und einzufordern, dass sie als Teil dieser ernstgenommen werden. Wir hoffen auch Aktivist_innen für die Bedeutung feministischer Perspektiven zu sensibilisieren. Zudem wollen wir durch die historische Perspektive auf die Beteiligung von Frauen* an antifaschistischen Kämpfen ein besseres Verständnis für die Verschränkungen zwischen Lebenssituation und Formen antifaschistischen Engagements schaffen.

Wir freuen uns darauf, euch bei den Veranstaltungen zu sehen!

Falls ihr Anmerkungen oder Kritik habt, meldet euch unter veranstaltungsreihe.f_antifa[ät]riseup.net

 

Alle Veranstaltungen, bis auf das F_Antifa-Café sind open to all gender. Es wird jedoch eine antisexistische und antifaschistische Grundeinstellung vorausgesetzt. Sexistische, rassistische, antisemitische, homo- und transfeindliche und andere diskriminierende Aussagen und Verhaltensweisen werden auf den Veranstaltungen nicht geduldet. Falls ihr etwas mitbekommt, meldet euch bei den Veranstalter_innen oder mischt euch selbst ein.

https://veranstaltungsreihefantifa.noblogs.org/

Möglichkeiten der Kritik am Islamismus in Zeiten rassistischer Mobilmachung

eine Veranstaltung mit Mina Ahadi
(Zentralrat der Ex-Muslime)

Veranstaltung:
Donnerstag 26. Januar 2017 | 20:30 Uhr | Café am Grün

Der politische Islam ist weltweit im Aufwind. Islamistische Regimes profitieren vom durch den Krieg in Syrien ausgelösten Machtvakuum und schaffen es politische wie militärische Erfolge zu feiern. Gleichzeitig schafft es der globale Djihadismus immer mehr Anhänger_Innen für sich zu gewinnen, auch in Europa. Neben diesen offen gewaltförmigen Ausdrucksformen islamistischer Machtansprüche versuchen islamistische Bewegungen, z.B. in Form des Zentralrats der Muslime, über Lobbyarbeit und Beteiligung an Gremien gesellschaftliche Akzeptanz zu erlangen und Wirkmacht zu entfalten.

Eine Kritik an diesen Bewegungen ist mehr als notwendig, führt jedoch immer wieder dazu das diese von den erstarkenden rechten Strömungen wie Pegida und der AfD vereinnahmt wird. Wie eine offensive Opposition gegen islamistische Strömungen aussehen kann ohne rechten Kräften in die Hände zu spielen soll diese Veranstaltung erläutern.

Mina Ahadi ist eine exil-iranische politische Aktivistin, die sich für Menschenrechte und negative Religionsfreiheit (Freiheit vor Religion) einsetzt. Ihr Einsatz gilt vor allem den Rechten der Frauen. 2001 gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigung und 2007 den deutschen Zentralrat der Ex-Muslime. Sie ist Vorsitzende des International Committee Against Execution (I.C.A.E.). Außerdem ist sie Leitungsmitglied der Arbeiter kommunistischen Partei des Iran. Mina Ahadi versteht sich als Atheistin. Sie beteiligte sich an der linken Opposition gegen den Schah. Nach Gründung der Islamischen Republik Iran unter Chomeini wurde ihr Mann verhaftet und kurz darauf hingerichtet. Gegen Mina Ahadi wurde ein Todesurteil ausgesprochen, allerdings gelang es ihr aus dem Iran zu flüchten. Ihr Todesurteil im Iran wurde bis heute nicht aufgehoben

Veranstaltung:
Donnerstag 26. Januar 2017 | 20:30 Uhr | Café am Grün

Flugblatt als PDF

Respekt wer’s selber macht

In der Ausgabe der Oberhessischen Presse (OP) vom 28.11. diesen Jahres wird es im Lokalteil erstaunlich staatstragend. Einen „Aufruf zur Selbstjustiz“ will der Redakteur Peter Gassner in einem Plakat entdeckt haben, das die Aufschrift: „Vergewaltiger angreifen. Überall-mit allen Mitteln – Gewalt gegen Frauen ist nie eine Privatangelegenheit – hinschauen, einschreiten, Hilfe holen, zuschlagen“ trägt. Wie Justiz und Selbstjustiz in Deutschland wirklich zusammenhängen – und was das mit Privatangelegenheiten zu tun hat – darauf lohnt sich ein genauerer Blick.

Selbstjustiz

Denken wir an Selbstjustiz in Deutschland, dann denken wir an Bilder die in den letzten Jahren allgegenwärtig waren: Brennende Geflüchtetenunterkünfte, ob bewohnt oder im Rohbauzustand in der ganzen Bundesrepublik, rassistische Mobs in Bautzen, Freital, Schwerin, zahllose Übergriffe auf der Straße. Diese Bilder sind Ausdruck eines gekränkten deutschen Ehrgefühls, das jederzeit bereit ist die empfundene Störung der öffentlichen Ordnung zu ahnden, sei es durch die Forderung eines Durchgreifens von staatlicher Seite oder durch den rassistischen Mob selbst. In welcher Form sich dieser gelebte Volkswille äußert, ob wie in München-Neuperlach Anwohner*innen per Klage eine „Lärmschutzmauer“ um ein Heim errichten, oder wie z.B. in Lilienthal statt zur Klage zum Brandbeschleuniger gegriffen wird, ist neben den zur Verfügung stehenden Geldmitteln auch davon abhängig was als erfolgversprechender gesehen wird. Das dabei nicht die immer wieder beschworenen Abstiegsängste der Auslöser sind, zeigen die Ähnlichkeit der Reaktionen, ob Bonzenviertel, Neubausiedlung oder Platte – das Wissen wie ein Brandsatz gebaut wird ist in der BRD klassenübergreifend.

Legitime Ängste

Das die Ängste derjenigen die da zündeln, hetzen und morden legitim seien, hört man aus Parteien von rechts bis links fast wöchentlich. Ein Thema hat dabei die Sorgen der Deutschen im letzten Jahr besonders beherrscht: die Angst um ihre Frauen. Nach den Übergriffen von Silvester in Köln und Hamburg war das Thema sexualisierte Gewalt plötzlich in der Öffentlichkeit präsent und die Angst davor konnte endlich geäußert werden – von zum großen Teil weißen Männern. Die Debatte um die „Vorfälle von Köln“ schaffte es dabei zum Katalysator einer Anpassung des §177 zu werden der die Forderung „Nein heißt Nein!“ nun auch in Gesetzesform übernahm. Das Jahr 2016 deshalb als Durchbruch für den Feminismus zu halten wäre jedoch falsch. Die Chancen zu einer Gesetzesreform hatte es bereits viel früher gegeben, die #Aufschrei-Debatte, die Studie zu den Verurteilungsquoten nach Vergewaltigung des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen und die jahrzehntelange Lobbyarbeit von Frauen*, wären Anlass genug gewesen diese Reform auf den Weg zu bringen. Doch die Debatte um sexualisierte Gewalt in der BRD macht da Halt wo es unangenehm wird – im Privaten. Dort wo der Großteil der Übergriffe passiert soll nicht hingesehen werden – Gewalt gegen Frauen* das ist immer die Gewalt der anderen. Das sich an der Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt im privaten Rahmen nichts geändert hat zeigte nicht zuletzt die von Victim Blaming geprägte Berichterstattung im Prozess gegen Gina Lisa Lohfink. Dabei werden die Ängste der Betroffenen delegitimiert, Angst vor sexualisierter Gewalt sollten deutsche Frauen haben wenn sie nachts alleine, womöglich knapp bekleidet, nach Hause gehen – nicht wenn der Ehemann von der Dienstreise heimkommt. Das auch in diesem Bereich die Selbstjustiz nicht zu kurz kommt zeigen Seiten wie rapefugees.net und Konsorten, hier werden angebliche Übergriffe durch Geflüchtete in vor unterdrückter Geilheit triefender Sprache angeprangert, wird in den Kommentarspalten die Rückkehr zu Körper- und Todesstrafe gefordert. Dieser Hass überträgt sich auch auf die Straße und äußert sich in Nazis die Pfefferspray an Frauen verteilen und Bürgerwehren die Menschen die sie als nicht deutsch erkennen angreifen, es braucht hier keine Unschuldsvermutung mehr, die Täterschaft ist den als fremd erkannten per Herkunft bzw. Kultur eingeschrieben. Die Motivation ist nicht der Schutz von Betroffenen vor sexualisierter Gewalt, hierzu müssten die Nazis sich wohl selbst durch die Straßen jagen, es ist das Ausleben einer rassistischen Gewaltfantasie in der sich die Männerhorden zu Rächern der Frauen stilisieren und ihrer anästhetisieren Gewaltgeilheit frönen.

Der Unterschied zu einem linken offensiven Umgang mit sexualisierter Gewalt ist offensichtlich, während es Nazis, besorgten Bürgern und Konsorten darum geht zu strafen, ist das Ziel einer linken antisexistischen Praxis die Selbstbestimmung von Betroffenen zu schützen. Gewalt ist dabei ein Mittel das im Notfall notwendig sein kann, sich jedoch darauf beschränken muss Übergriffe abzuwehren. Gewalt-, Folter- und Todesfantasien sind zumeist Ausdruck einer Externalisierung von sexualisierter Gewalt durch Männer, solange die Täter von außen kommen und mit Hilfe männlicher Attribute bekämpft werden können, muss sich mit der eigenen Übergriffigkeit nicht auseinandergesetzt werden.

Lücken

In der OP zitiert Peter Gassner laut Kriminalstatistik eine „Aufklärungsquote“ von 84% bei Vergewaltigung in Hessen. Das dieser Aufklärungsquote eine Verurteilungsquote im einstelligen Bereich gegenübersteht, das die Dunkelziffer nicht „vermutlich darüber“ liegt, sonder um ein vielfaches höher ist, fällt unter den Tisch. Mit Beginn des Bundeswahlkampfes in Deutschland gewinnt das Thema Sicherheit im öffentlichen Raum an Gewicht, Parteien übertreffen sich gegenseitig mit der Forderung nach noch mehr Bullen, noch mehr Überwachung. Die Sicherheit die dabei versprochen wird ist eine gefühlte, der Bürger soll auf dem Heimweg von der Kneipe keine Angst haben, die Sorge um die Einbruchssicherheit des Eigenheimes nicht den Urlaub trüben. Gleichzeitig beklagen Frauenhäuser bundesweit einen Mangel an Plätzen, einer der wenigen Orte an denen Frauen* Sicherheit gewährleistet wird wenn sie von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt bedroht sind. Während also die staatliche Verfolgung von sexualisierter Gewalt, auch trotz Reform, nur einem Bruchteil der Betroffenen hilft, werden die Hilfsangebote die Schutz bieten, Empowerment ermöglichen und die Basis bilden sich gegen Täter zur Wehr zu setzen ausgehöhlt. Dabei sind diese Projekte, Frauennotrufe, Frauenhäuser, Selbstverteidigungskurse genau aus diesem Unwillen von Staat und Öffentlichkeit sich mit sexualisierter Gewalt auseinanderzusetzen entstanden. Die Forderung: „hinschauen, einschreiten, Hilfe holen, zuschlagen“ ist die Konsequenz aus einer Politik des Wegsehens, Victim Blamings und Abwehrens. Hier geht es nicht darum allen Vergewaltigern zur Strafe den Schwanz abzuschneiden, es geht darum die Gleichgültigkeit zu durchbrechen die Opfern sexualisierter Gewalt entgegengebracht wird. Einen Vergewaltiger zu verprügeln hilft vielleicht nicht gegen eine sexistische, patriarchale Gesellschaft, nicht gegen die besoffen jovial gepflegte Misogynie von Männerhorden, aber es hilft vielleicht fortgesetzte Gewalt gegen einzelne Frauen zu beenden und zukünftige zu verhindern.

Auch 2016 gilt daher:

Feminismus bleibt Handarbeit!

Respekt wer’s selber macht!

[Lisa:2]

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Flugblatt zur Demo am Tag gegen Gewalt gegen Frauen*

Schön das du dich heute an der Demo zum Tag gegen Gewalt gegen Frauen* beteiligst- sich in dunklen Zeiten von völkischen Rechten, chritslichen Fundamentalist_innen, Islamismus und anderen Widerlichkeiten dem gewaltförmigen Patriarchat entgegenzustellen ist wichtig und schafft Raum für Perspektiven auf feministischere und schönere Zeiten!

Doch wie soll man(n) sich als Typ angesichts der ganzen hier versammelten Frauen*-Power beteiligen? Wie können Männer einen Protest mitgestalten, der sich gegen ein Thema richtet von dem sie nicht betroffen sind?

Wir wollen indem wir uns und euch diese Fragen stellen keine Verunsicherung und kein Unwohlsein erzeugen, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Position stärken und Lust auf profeministische Politik wecken.

Zunächst ist zu sagen: Gewalt gegen FrauenLesbenTrans* findet täglich statt – auch Protest dagegen kann täglich stattfinden. So ist es vielleicht wenig sinnvoll eine männliche Perspektive auf Gewalt gegen Frauen* auf einer feministischen Demo zu verkünden. Aber die restlichen 364 Tage im Jahr bieten jede Menge Gelegenheit Fragen wie: Wie können Männer untereinander, auch ihre eigene, Gewalt gegen FLT* ansprechen? Wie können Männer linke Räume möglichst gewaltfrei mitgestalten? – zu thematisieren.

Demonstrationen sind zunächst immer eine diffuse Anordnung von Menschen mit verschiedenen Hintergründen, Motivationen für ihre Beteiligung, Zielen und Mitteln diese umzusetzen. Dementsprechend sollten gegenseitige Rücksichtnahme, vorherige Absprachen über Aktionen und ein Gespür für die Stimmung auf der Demo eine Selbstverständlichkeit sein. Als Typ auf einer feministischen Demo gilt das umso mehr. FLT* können ihre Wut, ihren Haß, ihre Hoffnungen in militanter Form durchaus ohne die Hilfe von Männern auf die Straße tragen- das haben diverse Burschen, Macker, Bullen schon an ihrem eigenen Leib erfahren dürfen, man muss sich also nicht bei jeder Gelegenheit berufen fühlen ihnen zur Hilfe zu eilen. Andersherum gilt auch, eine Demo zu eskalieren kann oft sinnvoll und notwendig sein, nicht nur auf einer feministischen Demo wäre es jedoch angemessen wenn das von den beteiligten Frauen ausgeht. Und ätzendes Rumgemacker, blöde Sprüche, sexistische und homophobe Beleidigungen gegen Bullen braucht sowieso niemand, auf keiner Demo und auch sonst nicht.

Jetzt denkst du vielleicht – Was soll ich dann machen? Rumstehen, Zugucken und manchmal Parolen mitrufen? Ja – vielleicht ist das gerade was geht und passend ist. Dir ist das zuwenig? Frag bei den organisierenden Grupen an ob es Aufgaben gibt die du übernehmen kannst, ob es gemischte organisierte Reihen braucht, Melder_innen…oder organisiere demnächst mal deine eigene profeministische Demo.

Feministischen Zeiten entgegen!

[lisa:2]

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