Redebeitrag zum Frauenkampftag 2018

Genoss_innen,
Wenn wir uns in der Welt umschauen stellen wir immer wieder mit Schrecken fest welches Elend das Patriarchat in seinen verschiedenen Formen tagtäglich verbreitet. Wir lesen die Erfahrungsberichte tausender Frauen* unter dem #metoo, wir sehen wie Frauen* die für ihre Freiheit kämpfen im Iran, in der Türkei eingekerkert und gefoltert werden, wir hören die Berichte über Femizide in Mittel- und Südamerika und wir hören ebenso laut das Schweigen über diese mörderische Gewalt an Frauen* in Deutschland. Wir selber erfahren die Auswirkungen einer Geselllschaft in der Sexismus an der Tagesordnung ist, in Sprüchen, ungewollten Berührungen, Übergriffen am eigenen Körper. Was wir aber auch sehen ist eine breite Bewegung die gegen diese Zustände aufbegehrt, die neue Realitäten schafft, in der Frauen gemeinsam der patriarchalen Gewalt entgegentreten. Sei es das im Alltag ein „Nein heisst Nein!“ konsequent und solidarisch durchgesetzt wird, sei es indem SexistInnen die Straße genommen wird, sei es durch juristische Kämpfe gegen den §219, für ein drittes Geschlecht,…
Genoss_innen,
es weht ein frischer Wind durch die Straßen, es riecht nach Aufbruch und der Angst alter weißer Männer. Es riecht nach der Angst von Männern die sich nicht mehr sicher sein können das ihre Sprüche und Übergriffe unter den Teppich gekehrt werden, der Angst von Typen die merken das ihre Sehnsucht nach einer omnipotenten, soldatischen Männlichkeit ins Leere läuft, deren Selbstbild Risse bekommt in denen ihre eigene Armseligkeit und Wurstigkeit sichtbar wird. Dieser Aufbruch den wir bemerken ist bitter nötig, denn auch die FeindInnen der Emanzipation sammeln sich und drängen darauf, rassistische Ungleichheiten zu verschärfen, Menschen einer rigiden Sexualmoral zu unterwerfen und ihnen religiöse Dogmen aufzuzwingen. Dabei verbreiten sie antisemitische Verschwörungsideologien um ihren Haß gegen eine gefühlte Übermacht zu legitimieren, um die Gleichzeitigkeit der Gefühle von Machtlosigkeit und Unbesiegbarkeit zu erklären. Es wird tagtäglich Leid produziert und Menschenleben werden auslöscht. Wir sehen eine Doppelbewegung dieser reaktionären Kräfte: Islamismus und Nationalismus. Diese regressiven Vergemeinschaftungsideologien sind Reaktionen auf ideologisch verarbeitete ökonomische und soziale Krisenerfahrungen. Vor allem aber sind Islamismus und völkische Rechte beide autoritäre Bewegungen, die sich in ihrer permanenten Bedrohung für Frauen* und LGBTQ ähneln: Patriarchale Herrschaft ist ihre grundlegende Schnittmenge. Beide eint die Sehnsucht nach einer militarisierten und omnipotenten Männlichkeit, die Rhetorik des heroischen Kampfes sowie die Verachtung für die historischen Errungenschaften der verschiedenen Frauenbewegungen. Kurzum: Sie sind sich so ähnlich, obwohl sie einander so verachten.
Aus dieser Dynamik ergibt sich für uns die Notwendigkeit unsere Kämpfe zu vereinen. Wir müssen die Angriffe auf das Erreichte gemeinsam abwehren, dabei solidarisch füreinander einstehen. Dafür müssen wir miteinander diskutieren, die eigenen Weltbilder, den eigenen Rassismus, verinnerlichte antisemitische Impulse hinterfragen lernen, wir müssen das Gemeinsame suchen und Widersprüche aushalten. Doch wir wollen mehr als nur das Erreichte verteidigen, als feministische Kommunist_innen sehnen wir uns nach einer Welt in der alle nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten gut leben können, in der nicht die Logik der Verwertung und der Zwang zur Selbstausbeutung unser Leben bestimmen sondern die freie Assoziation der Individuen. Wir wollen die Grundfesten der patriarchalen Ordnung erschüttern; wir wollen den Grund für die autoritären Sehnsüchte abschaffen und damit die patriarchalen Charaktere, mit denen wir konfrontiert sind. Das heißt für uns, den Kapitalismus abzuschaffen; das heißt für uns, den Nationalstaat mitsamt seiner Bevölkerungspolitik und Verwertungslogik abzuschaffen; das heißt für uns, für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der es keinen Grund gibt, Menschen in Geschlechter einzuteilen.
Der erfolgreichste Kampf gegen dieses patriarchale Elend, gegen den grassierenden Rassismus, gegen die autoritären Sehnsüchte, gegen eine Politik in der Angst anstatt Hoffnung regiert ist eine starke, selbstkritische, feministische Bewegung. Der Entwurf einer solchen Gesellschaft kann nur im Austausch miteinander entstehen, es gilt gemeinsam eine Perspektive zu entwerfen die wir eine revolutionäre Perspektive nennen, in der die Zukunft von der wir träumen, die wir diskutieren, für die wir kämpfen bereits angelegt ist.
Diese Verhältnisse werden nicht von selbst verschwinden, sie müssen gestürtzt werden, jeden Tag. Der Kommunismus wird sich nicht von selbst verwirklichen, er muss aufgebaut werden, jeden Tag.
Genoss_innen,
das ist scheiße viel Arbeit die da auf uns zukommt. Packen wir sie an.