Archiv für September 2013

Allein machen sie dich ein…!

Bezüglich einer kritischen Nachbetrachtung von Anti-Nazi Aktionen veröffentlichen wir hier nun ein Statement zu den Protesten gegen die Kundgebung von „Pro Deutschland“ in Marburg.

Allein machen sie dich ein…!

In Marburg und Umgebung sind- nicht nur in letzter Zeit- rechte Umtriebe immer mehr im kommen. Ob wie zuletzt rassistische Parteien wie die „Bürgerbewegung Pro Deutschland“ ihre Kundgebungen in der Stadt abhalten, Burschenschafter beim „Marktfrühschoppen“ ihrem Sexismus und ihrer Deutschtümelei frönen oder im hessischen Umland Nazi-Kameradschaften Menschen bedrohen, Marburg und sein Umland haben eine aktive rechte Szene.
Zum Glück gibt es gegen diese auch einen breiten öffentlichen Widerstand. Dass dieser Widerstand auf einer breiten Basis steht, zeigen nicht zuletzt das „Bündnis gegen Rechts“, in dem Gewerkschaften, Parteien und Antifa-Aktivist_innen an einem Tisch sitzen. Der kleinste gemeinsame Nenner scheint dabei ein irgendwie linkes Selbstbild und das „Gegen-Nazis-Sein“ zu sein, die sich daraus ergebenden Praxen und Schwerpunkte sind so verschieden wie die am Bündnis beteiligten Gruppen und Einzelpersonen.
Nun ist ein Nebeneinander von verschiedenen Umgangsformen mit Nazis, und auch mit PolizistInnen, zunächst eine Form von Stärke, ermöglicht es doch, dass sich Menschen ihre Protest- bzw. Interventionsformen aussuchen können und vielfältige Aktionsformen gegen die FaschistInnen möglich sind. Nötig ist dafür eigentlich nur eine gewisse Solidarität untereinander.
Leider haben wir bei den Kundgebungen gegen die Würstchentruppe von Pro-Deutschland Ende August immer wieder feststellen müssen, dass diese Solidarität Vielen fehlt. Immer wieder mussten wir beobachten oder am eigenen Leib erfahren, dass Aktivist_innen von anderen Kundgebungsteilnehmer_innen festgehalten und drangsaliert wurden, mit dem vermeintlichen Ziel, sie der Polizei auszuliefern.
Wir halten diese Form der Entsolidarisierung und Denunziation für einen tiefgreifenden Bruch mit jeder Form von emanzipatorischer oder linker Politik. Ein solches Verhalten können, wollen und werden wir auf Kundgebungen und Demonstrationen nicht dulden.
Zum einen ist und kann die Polizei nicht die Adresse für eine Kritik untereinander seien. Sich ihrer Gewaltbefugnisse zu bedienen, gefährdet massiv die Lebenssituation und körperliche Unversehrtheit Einzelner. Gleichzeitig wird die Kriminalisierung linker Strukturen erleichtert. Zum anderen gehören Debatten über die Legitimität von Aktionsformen nicht auf die Straße, sondern sollten im Vorhinein geklärt werden. So wird eine Form von Politik ermöglicht, die ein solidarisches Nebeneinander ohne gegenseitige Distanzierungen befördert. Spaltungen in guten friedlichen Protest und militante Aktionsformen können so verhindert werden. Dass dieses Nebeneinander zu schaffen ist, zeigen nicht zuletzt die diversen Aktionen gegen Castor-Transporte ins Wendland, bei denen Militante, Sitzblockierer_innen und Küfakochende gemeinsam Widerstand leisten und solidarisch aufeinander Bezug nehmen.

Wir lassen uns unsere Wut, unseren Hass und unsere Militanz nicht nehmen. Wer friedlich bleiben will, hat unseren vollen Respekt, wer andere denunziert, hat auf Aktionen nichts verloren.