Diskussionsveranstaltung: Krise und Geschlecht

Wir laden ein zu einer Diskussionsveranstaltung mit der Basisgruppe Antifaschismus Bremen

„Die“ Krise ist seit mehreren Jahren in aller Munde. Mal wird sie als Krise des Immobilienmarktes, mal als Weltwirtschaftskrise, Bankenkrise oder zuletzt Euro- und Staatskrise betitelt. Nicht selten wird sie – auch in neoliberalen Kreisen – als Krise des Kapitalismus bezeichnet. Steckt das kapitalistische Gesellschafts- und Wirtschaftssystem tatsächlich selbst in einer Krise?
Wenn zudem noch – hier vor allem aus rechtskonservativen Kreisen – von einer Krise des Geschlechtermodells die Rede ist, stellt sich die Frage, ob diese gesellschaftliche Situation eine Chance für Veränderung darstellen könnte. Oder ist sie doch nur eine Phase und nach einer gewissen Zeit geht alles so weiter wie bisher?

„Der Kapitalismus ist tot, es lebe der Kapitalismus“?

Welche Auswirkungen die Krise hat, ist schon oft gefragt worden und auch aus einer linksradikalen Perspektive gab es schon viele Versuche diese Frage zu beantworten. Sicher ist, dass sie vor allem diejenigen besonders hart trifft, die sowieso schon nicht gut dastehen. Manchmal, jedoch deutlich seltener, wurde die Frage danach gestellt, ob diese Krise Frauen* besonders treffe.
Andere Betrachtungen der Krise verliefen in essentialistischen Diskursen. Es wurde diskutiert, ob vielleicht alles anders gelaufen wäre, wenn nicht die „Lehmann-Brothers“ Pleite gegangen wäre sondern die „Lehmann-Sisters“. Sprich: ob die Frauen* zugeschriebenen Eigenschaften einen positiveren weniger krisenhaften Einfluss auf den Kapitalismus gehabt hätten. Dass es sich hierbei um patriarchale, essentialistische und normierende Zuschreibungen von Eigenschaften handelt, wird insbesondere dann deutlich, wenn festgestellt wird, dass es die selben Zuschreibungen und Rollenentwürfe sind, die Frauen* angeblich prädestiniert für unbezahlte Reproduktionsarbeit machen. Festzuhalten bleibt aber, dass vor allem migrantische und alleinerziehende Frauen* maßgeblich von der Krise betroffen waren und sind. Allerdings muss auch beachtet werden, dass schon vor dem Beginn der Krise Frauen* innerhalb der Wirtschaft unterrepräsentiert waren. Zum Kapitalismus, wie wir ihn kennen, gehören zweifelsohne Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern, das Fehlen von Frauen* in Aufsichtsräten oder die Orientierung an klassischen „Frauen- oder Männerberufen“.
Die Krise führt nicht zu patriarchalen Zuständen, sondern ist Teil des Kapitalismus, der maßgeblich auf patriarchalen Herrschaftsverhältnissen beruht. Beispielsweise stellt die Hausarbeit, die überwiegend von Frauen* verrichtet wird, aus der Perspektive der Kapitalakkumulation keinen Mehrwert dar, ist aber von ihr abhängig.
Insofern sollte Ziel der Kritik sein, patriarchale und kapitalistische Verhältnisse zusammen zu denken und die Chance zu nutzen sie grundsätzlich infrage zu stellen.

Der Kapitalismus ist die Krise!

In der Betrachtung der Krise als Teil des Kapitalismus stellt sich die Frage, ob sich dennoch Strukturen verändern lassen können? Lassen sich patriarchale und kapitalistische Elemente, die in der Krise überdeutlich werden, anders thematisieren und infrage stellen?
Wir wollen mit der Diskussionsveranstaltung dazu beitragen androzentrische Diskurse aufzubrechen, in denen die patriarchale Strukturiertheit des Kapitalismus ins Abseits rückt und männliche Krisenbewältigungsstrategien nicht als solche benannt werden. Schließlich wollen wir mit euch und der Basisgruppe Antifa aus Bremen feministische Perspektiven auf die Krise diskutieren.

Das (*) soll ein Mittel der sprachlichen Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten, auch jener abseits der gesellschaftlich hegemonialen Zweigeschlechtlichkeit sein, wobei es vor allem für die genannten und weitere mögliche Selbstbezeichnungen steht.

+++ Donnerstag, 14.03. um 19:30 Uhr im Havanna8 (Lahntor 2) +++