Archiv für Januar 2009

Reclaim your life!

Veranstaltung und Demonstration

Am Freitag, den 06.02. findet ein Vortrag vom Cafe-Kollabs aus Göttingen zum Thema Freiräume und selbstverwaltete Strukturen statt.
Beginn ist um 20.30 Uhr im Seminarraum S2 im Fachbereich Psychologie, Gutenbergstr. 18
Hier der Ankündigungsflyer (pdf)

Am Samstag, den 07.02. findet die Demonstration „Reclaim your life!“ statt.
Beginn ist um 13.00 Uhr, Elisabeth-Blochmann-Platz (Mensa).
Anschließend Vokü im/vorm Bettenhaus.

Abends ab 22.00 Uhr Party im Bettenhaus, mit verschiedenen Djanes.

Infos von den vergangenen Freiraumtagen in Marburg.

Hier der Aufruf:

Reclaim your life!
Selbstverwaltete Strukturen verteidigen!
Freiräume schaffen!

Als 2005 das Collegium Gentium, ein antifaschistisches Wohnprojekt, durch die Universität Marburg geschlossen wurde, ist eine weitere selbstverwaltete Struktur in Marburg verloren gegangen. Und auch andere Projekte in Marburg haben keinen gesicherten Status und sind aktuell bedroht. Der tägliche Kampf um solche Strukturen erfordert viel Energie und nicht selten macht sich Enttäuschung und Frustration breit.Oft kommt dann die Frage auf:
„Wozu das ganze? Lohnt sich der Kampf überhaupt?“

Die Lage in Marburg ist problematisch. Wohnraum ist knapp und dazu unheimlich teuer. Der Leistungsdruck an der Uni hat sich durch die in den letzten Jahren umgesetzte Umstrukturierung erhöht, Seminarräume sind überfüllt und es ist keine Ausnahme, wenn Studierende aus Seminaren geworfen werden, weil sie sich zu spät angemeldet haben. Kollektive wie das Havanna8, eine selbstverwaltete Kneipe, müssen alles geben, damit ihre Mietkonditionen nicht schlechter werden.
Und dennoch gibt es diese selbstverwalteten Strukturen und es zeigt sich, wie vielfältig sie sind. Es geht dabei um eine emanzipatorische Praxis, die sich gegen diskriminierende Strukturen wie Sexismus, Homophobie, Rassismus, Antisemitismus, Kapitalismus und Faschismus in dieser Gesellschaft wehren. Zwar kann sich niemand von diesen Diskrimierungsmechanismen freisprechen, schließlich müssen wir hier alle im Kapitalismus leben. Jedoch ist es gerade deswegen wichtig, Alternativen zu schaffen, die Auseinandersetzungen um gesellschaftliche Normen und gesellschaftliche Strukturen zu suchen und sich einen Raum zu nehmen, in dem es möglich ist, Strategien des Widerstands zu entwickeln. Und dies sollte möglich sein, ohne sich ständig der Angst auszusetzen, die gesellschaftliche Sanktionierung und staatliche Repressionen mit sich bringen. Freiräume, die den Anspruch haben eine feministische, antifaschistische und antikapitalistische Struktur zu schaffen, könnte mensch dabei als Inseln verstehen, die sowohl einen Ausgangs- als auch einen Rückzugspunkt für eine emanzipatorische Praxis bieten.
Auch an der Uni ist Selbstverwaltung nötig, um diese wieder stärker zu einem Ort kritischen Denkens und Lernens zu machen. Selbstorganisierte Seminare und Lesekreise, Kritik an Kürzungen in Lehre und Infrastruktur, Widerstand gegen Seminarrauswürfe und das Einfordern von freien Nachmittagen für Gremienarbeit sind nur Teile der Möglichkeiten, sich für ein selbstbestimmtes Studium einzusetzen. Zum Beispiel gibt es immer noch keinen angemessenen Raum, der von den Studierenden selbst verwaltet wird, um dort unter anderem Vernetzungsarbeit oder Vorträge abhalten zu können. Solche Räume können zur politischen Bildung und dem eigenen Erleben von basisdemokratischen Strukturen beitragen.
Nehmen wir uns, was wir brauchen.
Die Solidarisierung mit selbstverwalteten Strukturen ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Gleichzeitig ist es notwendig sich der Sanktionen und Repressionen gegen Freiräume bewusst zu werden und Unmut darüber laut kundzutun. Missstände müssen erkannt und Auseinandersetzungen geführt werden, um dann weitere Freiräume zu erkämpfen, diese zu füllen und zu verteidigen.
Wir nehmen uns die Freiheit, dies zu tun!

Für ein selbstbestimmtes Leben! Für mehr Selbstverwaltung! Für eine emanzipatorische Praxis!