Archiv für November 2008

Antifa-Cafè

Diskurs is nich


Am Samstag den 15.11 gibts wieder eine antifaschistische Demonstration gegen die Burschenschaft Germania und deren Veranstaltung Marburger Diskurs.

Treffpunkt ist um 11h am Hörsaalgebäude

Am Samstag, den 15.11.2008 veranstaltet die Marburger Burschenschaft Germania wieder einmal den so genannten “Marburger Diskurs”. Der Marburger Diskurs stellt eine Tagesveranstaltung dar, zu der die Germania einmal im Jahr Redner des rechten Spektrums einlädt. In diesem Rahmen wurde z.B. über den zweiten Weltkrieg diskutiert, wobei in klassischer geschichtsrevisionistischer Art die alleinige Kriegsschuld Deutschlands in Frage gestellt wurde.
Zum einen macht der Marburger Diskurs die extrem rechte Gesinnung der Burschenschaft Germania ein ums andere Mal deutlich, zum anderen fungiert ein solcher intellektueller Austausch als gutes Beispiel für die Scharnierfunktion von Konservatismus zu extrem rechten Inhalten.
Studentenverbindungen auflösen

Die Burschenschaft Germania ist ein klassisches Exemplar einer deutsch-national gesinnten Burschenschaft. Sie ist organisiert im Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB). Allerdings stellen die Germania und auch die übrigen im DB organisierten Burschenschaften nur einen Teil der studentischen Verbindungen dar. Eine Kritik am Verbindungswesen darf nicht nur die offen extrem rechts agierenden Verbindungen in den Blick nehmen, sondern muss das ganze Korporationswesen zurückweisen. Denn hier lassen sich gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse verdichtet erkennen:
Diese reinen Männerbünde führen ein stark hierarchisch Zusammenleben, welches sich in Form von autoritären Ritualen äußert: Hier sind beispielsweise das “seinen Mann stehen” bei Fechtduellen und ritualisiertes Trinken zu nennen. Diese in der Verbindung erlernten Verhaltensweisen werden, sobald diese selbsternannten männlichen Eliten ihre Funktion in der Gesellschaft übernehmen, konsequent weiter getragen. Das Lebensbundprinzip, dem sich jedes Mitglied einer studentischen Verbindung ein Leben lang verpflichtet sieht, kommt an dieser Stelle zum Tragen: Auf die Hilfe der so genannten Alten Herren ist Verlass, wenn es darum geht „Verantwortungsbewusste Träger des nationalen Gedankens in Führungspositionen der Gesellschaft zu entsenden“ (www.rheinfranken.de).
Dass dies im korporierten Fall fast ausschließlich Männer sind, zeigt die Bewahrung eines gesamtgesellschaftlich verankerten Sexismus. Frauen sind bei Kneipenabenden und Parties, als Freundinnen und spätere Ehefrauen gern gesehen, vermeintlich wichtige Dinge sind für sie allerdings tabu. Auch beim diesjährigen Marburger Diskurs sind Damen erst im Programmpunkt Kneipe erwähnt.

Rechte Propaganda stoppen

Regelmäßig wird versucht, mittels Veranstaltungen rechte Propaganda öffentlichkeitswirksam zu platzieren. Ähnlich wie bei der Germania ist bei deren Nachbarn, der Burschenschaft Rheinfranken der Brückenschlag zwischen konservativem und extrem rechten Lager zu beobachten: So war z.B. im April 2007 der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Bosbach zu Besuch, den es offenbar nicht störte, dass bei den Rheinfranken auch immer wieder Veranstaltungen mit der extremen Rechten zugehörigen Referenten statt finden. Auch rekrutiert sich die bundesweite extreme Rechte gerne aus Angehörigen der DB: Genannt werden können an dieser Stelle beispielsweise der sächsische NPD-Funktionär Jürgen Gansel, zeitweise bei der Normannia-Leipzig wohnhaft, und der Ex-Republikaner und Anwalt für Angehörige der rechten Szene Björn Clemens, dieser ist Alter Herr der Rheinfranken.

Der diesjährige Marburger Diskurs hat die Revolte von 1968 zum Gegenstand. Das in diesem Jahr gesamtgesellschaftlich stark beachtete Thema soll am 15. November durch rechte Propaganda für die so genannte Neue Rechte vereinnahmt werden. Bekanntester Redner der Veranstaltung ist Klaus Rainer Röhl, der in rechten Kreisen als besonders authentisch gilt. Der Ex-Linke war bis in die 1970er Jahre der Kopf hinter der linken Monatszeitschrift konkret und war mit Ulrike Meinhof verheiratet. Heute tritt er als anti-linker Hetzer und Autor bei Burschenschaften und Vertriebenen-Verbänden auf; in seinen Büchern hetzt er gerne mal gegen Antifaschismus und Feminismus oder faselt von deutschen Tabus (unter diesem Titel geht er etwa den Fragen „Warum kein Mahnmal für tote Deutsche?“ und „Gibt es in Deutschland einen Antisemitismus?“ nach).
Neben Röhl sprechen am 15.11. der konservative Autor Peter Schütt und der Jurist und ehemalige Berliner Wissenschaftssenator George Turner.

Öffentlich sichtbar wird die Korporationsszene in Marburg am ersten Juliwochenende zum Marburger Marktfrühschoppen. Hier feiern dann alle zusammen: Vermeintlich gemäßigte Verbindungen zusammen mit extrem rechten Vereinen wie der Germania und den Rheinfranken.
In diesem Sinne: Rechte Propaganda stoppen! Studentenverbindungen auflösen!

Aufruf als pdf