Redebeitrag zum Frauenkampftag 2018

Genoss_innen,
Wenn wir uns in der Welt umschauen stellen wir immer wieder mit Schrecken fest welches Elend das Patriarchat in seinen verschiedenen Formen tagtäglich verbreitet. Wir lesen die Erfahrungsberichte tausender Frauen* unter dem #metoo, wir sehen wie Frauen* die für ihre Freiheit kämpfen im Iran, in der Türkei eingekerkert und gefoltert werden, wir hören die Berichte über Femizide in Mittel- und Südamerika und wir hören ebenso laut das Schweigen über diese mörderische Gewalt an Frauen* in Deutschland. Wir selber erfahren die Auswirkungen einer Geselllschaft in der Sexismus an der Tagesordnung ist, in Sprüchen, ungewollten Berührungen, Übergriffen am eigenen Körper. Was wir aber auch sehen ist eine breite Bewegung die gegen diese Zustände aufbegehrt, die neue Realitäten schafft, in der Frauen gemeinsam der patriarchalen Gewalt entgegentreten. Sei es das im Alltag ein „Nein heisst Nein!“ konsequent und solidarisch durchgesetzt wird, sei es indem SexistInnen die Straße genommen wird, sei es durch juristische Kämpfe gegen den §219, für ein drittes Geschlecht,…
Genoss_innen,
es weht ein frischer Wind durch die Straßen, es riecht nach Aufbruch und der Angst alter weißer Männer. Es riecht nach der Angst von Männern die sich nicht mehr sicher sein können das ihre Sprüche und Übergriffe unter den Teppich gekehrt werden, der Angst von Typen die merken das ihre Sehnsucht nach einer omnipotenten, soldatischen Männlichkeit ins Leere läuft, deren Selbstbild Risse bekommt in denen ihre eigene Armseligkeit und Wurstigkeit sichtbar wird. Dieser Aufbruch den wir bemerken ist bitter nötig, denn auch die FeindInnen der Emanzipation sammeln sich und drängen darauf, rassistische Ungleichheiten zu verschärfen, Menschen einer rigiden Sexualmoral zu unterwerfen und ihnen religiöse Dogmen aufzuzwingen. Dabei verbreiten sie antisemitische Verschwörungsideologien um ihren Haß gegen eine gefühlte Übermacht zu legitimieren, um die Gleichzeitigkeit der Gefühle von Machtlosigkeit und Unbesiegbarkeit zu erklären. Es wird tagtäglich Leid produziert und Menschenleben werden auslöscht. Wir sehen eine Doppelbewegung dieser reaktionären Kräfte: Islamismus und Nationalismus. Diese regressiven Vergemeinschaftungsideologien sind Reaktionen auf ideologisch verarbeitete ökonomische und soziale Krisenerfahrungen. Vor allem aber sind Islamismus und völkische Rechte beide autoritäre Bewegungen, die sich in ihrer permanenten Bedrohung für Frauen* und LGBTQ ähneln: Patriarchale Herrschaft ist ihre grundlegende Schnittmenge. Beide eint die Sehnsucht nach einer militarisierten und omnipotenten Männlichkeit, die Rhetorik des heroischen Kampfes sowie die Verachtung für die historischen Errungenschaften der verschiedenen Frauenbewegungen. Kurzum: Sie sind sich so ähnlich, obwohl sie einander so verachten.
Aus dieser Dynamik ergibt sich für uns die Notwendigkeit unsere Kämpfe zu vereinen. Wir müssen die Angriffe auf das Erreichte gemeinsam abwehren, dabei solidarisch füreinander einstehen. Dafür müssen wir miteinander diskutieren, die eigenen Weltbilder, den eigenen Rassismus, verinnerlichte antisemitische Impulse hinterfragen lernen, wir müssen das Gemeinsame suchen und Widersprüche aushalten. Doch wir wollen mehr als nur das Erreichte verteidigen, als feministische Kommunist_innen sehnen wir uns nach einer Welt in der alle nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten gut leben können, in der nicht die Logik der Verwertung und der Zwang zur Selbstausbeutung unser Leben bestimmen sondern die freie Assoziation der Individuen. Wir wollen die Grundfesten der patriarchalen Ordnung erschüttern; wir wollen den Grund für die autoritären Sehnsüchte abschaffen und damit die patriarchalen Charaktere, mit denen wir konfrontiert sind. Das heißt für uns, den Kapitalismus abzuschaffen; das heißt für uns, den Nationalstaat mitsamt seiner Bevölkerungspolitik und Verwertungslogik abzuschaffen; das heißt für uns, für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der es keinen Grund gibt, Menschen in Geschlechter einzuteilen.
Der erfolgreichste Kampf gegen dieses patriarchale Elend, gegen den grassierenden Rassismus, gegen die autoritären Sehnsüchte, gegen eine Politik in der Angst anstatt Hoffnung regiert ist eine starke, selbstkritische, feministische Bewegung. Der Entwurf einer solchen Gesellschaft kann nur im Austausch miteinander entstehen, es gilt gemeinsam eine Perspektive zu entwerfen die wir eine revolutionäre Perspektive nennen, in der die Zukunft von der wir träumen, die wir diskutieren, für die wir kämpfen bereits angelegt ist.
Diese Verhältnisse werden nicht von selbst verschwinden, sie müssen gestürtzt werden, jeden Tag. Der Kommunismus wird sich nicht von selbst verwirklichen, er muss aufgebaut werden, jeden Tag.
Genoss_innen,
das ist scheiße viel Arbeit die da auf uns zukommt. Packen wir sie an.

Anna und Arthur haltens Maul

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Seit gut 30 Jahren

eine Veranstaltung zu der Kampagne und ihren Ursprüngen in der Startbahnbewegung

Anna und ArthurFast jede*r Linke im deutschsprachigen Raum hat schon mal die Parole „Anna und Arthur haltens Maul“ gehört oder gelesen, die uns alle an die Notwendigkeit erinnert, nicht mit staatlichen Repressionsorganen zu kooperieren und in politischen Verfahren konsequent die Aussage zu verweigern. Zu dem Zeitpunkt als diese Kampagne entstand – im Jahre 1987 – war dieses Bewusstsein in der autonomen Szene noch weit weniger gefestigt und musste erst konsequent, mühselig und kontinuierlich erarbeitet und verbreitet werden.

Seit den frühen 80er Jahren war im Rhein-Main-Gebiet mit dem Widerstand gegen den Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen eine breite soziale Bewegung entstanden. Drohender Fluglärm, die durch den Bau und Betrieb drohende Umweltzerstörung und die geplante militärische Nutzung brachten weite Teile der lokalen Bevölkerung, Umweltschützer*innen und Kriegsgegner*innen in der Startbahnbewegung zusammen. Die Autonomen waren fest verankerter Teil dieser Bewegung und die gegenseitige Akzeptanz friedlicher wie militanter Aktionen gehörte zum anerkannten Selbstverständnis.

In dieser Situation fielen – völlig unerwartet – die fatalen Schüsse, abgegeben von einem Aktivisten, die zwei Polizisten tödlich trafen. Die darauf folgende Repression traf die Bewegung hart und unvorbereitet. In Auseinandersetzung mit den Ereignissen wurde erarbeitet wann ein ein*e ehemalige Genoss*in als Veräter*in verstanden werden muss. Außerdem wurde mit der Anna und Arthur Kampagne das Konzept der Aussageverweigerung in der autonomen Bewegung etabliert.

Der Referent war aktiv in der Startbahnbewegung und ist bis heute in der Antirepressionsarbeit engagiert.

Mittwoch 17. Januar 2018 | 20:30 Uhr
Café am Grün

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Redebeitrag auf der feministischen Vorabenddemo zum AfD Bundesparteitag

Redebeitrag zum AfD Bundesparteitag in Hannover als Audio (MP3) Redebeitrag zum AfD Bundesparteitag in Hannover als Audio (MP3)

Der Aufstieg der AfD nährt sich aus der Angst weißer deutscher Männer. Sie fürchten um ihre gesellschaftliche Vormachtstellung, ihren Wohlstand. Sie haben Angst vor einer Zukunft, in der ihr Geltungsdrang ins Leere läuft. Aus dieser Angst heraus besinnen sie sich auf das was ihnen scheinbar niemand nehmen kann: Ihr Geschlecht und die Nation als heilsbringenden Überbau einer Gesellschaft.
Ihr autoritärer Wunsch nach Ordnung wird erschüttert wenn es plötzlich mehr als zwei Geschlechter gibt, wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse von denen sie immer profitiert haben ins Wanken geraten. Diese Ordnung lebt in ihren Mythen von vergangener Größe. Sie lebt im Männerbund, in dem Konkurrenz immernoch in Saufritualen und Wettbewerben sublimiert werden kann, in dem der Wunsch nach Nähe in gespielter Homoerotik einen Raum findet.
Weil sie erleben müssen, dass Deutsch sein und Mann sein nicht mehr ausreichen, um den Anforderungen des Alltags zu begegnen, erfinden sie Mythen und träumen sich in eine fortlaufende Geschichte von soldatischer Männlichkeit und Tugend.
In dieser Geschichte sind sie auserkoren das sog. „Abendland“ zu verteidigen und nicht mehr der arme Hanswurst. Sie verteidigen es gegen anrückende Horden seien sie nun die Türken vor Wien oder die kolonialen Hilfstruppen bei der französischen Besetzung des Rheinlandes 1918. Verteidigt wird dabei, neben dem nebulösen Begriff des Vaterlandes, das ihre Herzen höher schlagen lässt, vor allem die herrschende Geschlechterordnung bzw. der Zugriff auf ihre Frauen.
In diesem Denken war das Geschehen der Kölner Silvesternacht ein herber Verlust. In der extrem rechten „Sezession“ verglich der rechte Publizist und AfD Berater Thor Kunkel die Übergriffe in Köln mit den, in seinem Sprachgebrauch „Notzuchtsdelikten“, nordafrikanischer Hilfstruppen in Freudenstadt 1945. Damals wie heute scheint der deutsche Mann unfähig sich zu behaupten. Schuld daran sei eine Umerziehung, ein Verlust seiner Wurzeln, ob wie damals durch die alliierten Siegermächte oder heute durch die überall gewitterte links-grüne Verschwörung. Thor beschwert sich weiter:

„Von einem Deutschen haben die Missetäter dagegen nichts zu befürchten – selbst wenn sie weiter gegangen wären. Der verhausschweinte Deutsche, dieser Jammerlappen und Moral-Krüppel, schlägt in den seltensten Fällen zurück. Er weiß doch gar nicht mehr, wie es geht…“

Auch Junge Alternative Vorsitzender Markus Frohnmaier, mittlerweile Mitglied des Bundestages beklagt diesen eklatanten Unwillen das jeweils eigene, ob nun Land, Kultur oder Frau mit Gewalt zu verteidigen:

„Echte Männlichkeit bedeutet nicht: Ich hau‘ dich um. Männlichkeit hat damit zu tun, ob jemand etwas weiß. Männlichkeit bedeutet auch, für seine Frau einzustehen und, wenn nötig, das vor der Tür zu klären.“

In dieser Logik greift der echte Mann nur zur Gewalt wenn es um Großes geht, Ehre, Frau, Nation. Als begeisterter Unterstützer der pro-russischen Milizionäre am Dombass und Mitglied in der Hooligan-Vereinigung German Defence League dürfte er, sich seinem Denken folgend, mit gutem Gewissen als echten Mann begreifen.
Der eigene Mangel, die narzisstische Kränkung, die im wahrsten Sinne des Wortes Erfahrung von Impotenz die dieser empfundene Mangel an wahrer Männlichkeit hervorruft, muss verarbeitet werden. Zum einen zur Abwertung der sogenannten fremden Kultur, hinter der sich immer noch das gute alte Wort Rasse verbirgt, als unmännlich, archaisch, weibisch. Zum anderen zu Neid, zum Beispiel wenn die Höckes dieser Welt über die starke Zeugungskraft der Männer in der Subsahara fabulieren. In beidem zeigt sich die Armseligkeit von der die ins Überproportionale aufgeblasene eigene Größe ablenken soll.

Um diesem gleichzeitgen Moment von Sexismus und Rassismus zu begegnen braucht es einen radikalen Feminismus, der zugleich antirassisitsch ist. Das beides nicht unbedingt miteinander einhergeht, ist eine Erkenntnis zu der es nicht erst die Ausfälle von Alice Schwarzer brauchte. Zahllose feministinnen of colour mussten und müssen antirassistische Positionen gegen einen weißen Feminismus immer wieder erkämpfen. Sexismus in ein „außen“ zu projizieren und als fremd zu markieren ist dabei ein Argumentationsmuster. Nicht nur RassistInnen wie Schwarzer dient das dazu das eigene unmarkiert zu lassen, die buchstäblich weiße Weste zu wahren. So entsteht ein argumentativer Raum, der frei von Sexismus sei, wo dieser fremd ist kann er nicht eigen sein und lädt auch plötzlich weiße deutsche Männer ein sich mit ihm zu beschäftigen, sich zu empören. So werden Widersprüche nivelliert, werden sexistische Positionen in eine feministische Argumentation integriert. Auch in unseren eigenen Strukturen ist dieses Denken zu finden. Dabei wird so getan als würden die gesellschaftlichen Verhältnisse vor dem Freiraum-Schild halt machen, als würden wir sie nicht selbst tagtäglich reproduzieren um zu funktionieren, nicht aufzufallen, auch einfach weil wir keine alternative Sichtweise kennen. Die Annahme es könnte einen Raum, geben der frei von Unterdrückungsverhältnissen sei ist ein schöner Traum. Anstatt zu träumen, müssen wir uns diesen Auseinandersetzungen stellen. Einen emanziaptorischen Feminismus gibt es nicht for free, wir müssen ihn uns erarbeiten. Jeden Tag, solidarisch und miteinander.

Doch wir müssen auch darüber hinaus gehen, es reicht nicht in den Rückzugsgefechten des Patriarchats für Feminismus und Freiheit einzustehen, es reicht nicht uns in unseren Zentren, in unseren WGS, bei der Arbeit dem alltäglichen Sexismus und der Gewalt entgegenzustellen, wir brauchen die Frage nach dem großen Ganzen. Wir wollen die Grundfesten der patriarchalen Ordnung erschüttern; wir wollen den Grund für die autoritären Sehnsüchte abschaffen und damit die patriarchalen Charaktere, mit denen wir konfrontiert sind. Das heißt für uns, den Kapitalismus abzuschaffen; das heißt für uns, den Nationalstaat mitsamt seiner Bevölkerungspolitik und Verwertungslogik abzuschaffen; das heißt für uns, für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der es keinen Grund gibt, Menschen in Geschlechter einzuteilen.
Der erfolgreichste Kampf gegen dieses patriarchale Elend, gegen den grassierenden Rassimus, gegen die autoritären Sehnsüchte, gegen eine Politik in der Angst anstatt Hoffnung regiert ist eine starke, selbstkritische, feministische Bewegung.
Es ist Zeit für eine feministische Offensive: The future is unwritten! Lasst uns nicht nur das Schlechte abwehren, lasst uns etwas Neues schaffen. Lasst uns eine wirkliche Perspektive auf eine bessere Gesellschaft entwickeln.
Nieder mit dem Patriarchat! AfD Bundesparteitag zum Desaster machen! Für den Kommunismus!

[Lisa:2]

Redebeitrag zum AfD Bundesparteitag in Hannover als Audio (MP3) Redebeitrag zum AfD Bundesparteitag in Hannover als Audio (MP3)

„Für einen radikalen Feminismus! Tatsachen schaffen!“

Genoss_innen,
wir müssen raus aus den Routinen, es gibt kein weiter so. Wir wissen das theoretisch, es gibt sie immer, diese sehnsuchtsvolle Vorstellung der „befreiten Gesellschaft“, sonst wären wir keine Linken. Zwar kann von einem Rechtsruck angesichts von menschenfeindlichen Einstellungen seit Jahrzehnten keine Rede sein, doch durch den Einzug der AfD alsdrittgrößte Fraktion in den Bundestag ist ein Punkt erreicht, an dem sich die (radikale) Linke neu sortieren muss.
Vom 1. bis 3. Dezember will die AfD ihren Bundesparteitag in Hannover abhalten.
Deswegen: auf nach Hannover!

driftAngesichts des AfD-Erfolgs sagen wir: Das, was jetzt wichtig ist, ist ein radikaler Feminismus. Tatsachen schaffen! Vielleicht haben wir uns als Linke zu lange in die bequeme Haltung der kritischen Kritiker_innen zurückgezogen, vielleicht haben wir mehr als nur einmal in unserem Alltagstrott „das große Ganze“ aus den Augen verloren. We need a plan! Jetzt ist wichtig: ein organisiertes, ein strategisches Vorgehen, ein radikaler Realismus, der die Frage nach der Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse in den Blick nimmt und im Hier und Jetzt als Bewegung um die konkrete Veränderung von Kräfteverhältnissen ringt. Die feministische Bewegung hat auf der einen Seite bedeutende Erfolge erzielen können; andererseits ist ihr auch vieles über die Jahre verloren gegangen. Dass beispielsweise Antifaschismus und Feminismus zusammen gehören, in Teilen auch, dass eine feministische Praxis Gesellschaftskritik braucht, um erfolgreich zu sein, und eine feministische Gesellschaftskritik notwendig eine materialistische Gesellschaftskritik sein muss; und dass Feminismus bedeutet, nicht nach der Legalität, sondern nach der Legitimität der Kritik zu fragen. Das nennen wir einen radikalen Feminismus!

Die AfD als männliche Bewegung

Die autoritäre Revolte ist eine zutiefst männliche Bewegung. Wir können eine Remaskulinisierung der europäischen Gesellschaften beobachten, die einhergeht mit Frauenverachtung und Hass auf Homosexuelle. Neu ist das nicht: Wenn die männliche Vormachtstellung ins Wanken geriet, bekamen Frauen es mit den Rückzugsgefechten des Patriarchats zu tun. Deswegen bemühen sie Mythen, und entwerfen eine Vergangenheit, die es so nie gegeben hat. Vielleicht der wirksamste Mythos ist der einer intakten, funktionalen und soldatischen Männlichkeit. Noch der letzte Lauch aus dem sächsischen Erzgebirge, noch der besorgteste Horst aus Duisburg und der verlogenste grüne Rassist aus Baden-Württemberg fühlt sich heute dazu berufen, die Ritterrüstung anzulegen und sich zum Schutz des Abendlandes in die Bresche zu werfen. Sie alle finden ihr Ideal – ob stillschweigend oder unverhohlen – in einem Höcke, der schon 2015 forderte, die Männlichkeit wegen der Mannhaftigkeit und der Wehrhaftigkeit wieder zu entdecken.

So kommt es, dass Pegida zu etwa zwei Dritteln aus Männern besteht. Bei den Bundestagswahlen wählten in Ostdeutschland 26 Prozent der Männer die AfD und auch im Westen waren es deutlich mehr Männer als Frauen. Natürlich wählen auch Frauen rechts, und ja, die AfD hat auch weibliches Führungspersonal. Das widerspricht aber dem männlichen Charakter der Bewegung nicht. Das Wahlprogramm der AfD wird nicht weniger antifeministisch, weil auch Frauen es gut finden. Das Ideal der Rollenzuschreibung bleibt klar, die Hetero-Kleinfamilie hat feste Plätze für Mama und Papa – das finden auch viele Frauen super, die den wohlbekannten Anker der Mutterschaft und Fürsorge schätzen. Aus dem Grund wählen schließlich auch viele Frauen die CDU. Und wenn man sich das genauer anschaut: Zwar halten Frauen in der AfD Reden und rufen zu Zeug auf, aber der Kampf (Stichwort: „Wir werden Frau Merkel jagen“) ist klar in Männerhand. Die Führungsriege der AfD speist sich aus männerbündischen Strukturen wie etwa Studentenverbindungen. Dass Antifeminismus wichtig für ihr Mobilisierungspotential ist, hat die Neue Rechte schon lang erkannt: gegen „Genderismus“ und „Frühsexualisierung“ kämpfte sie schon, bevor es die AfD gab.

Die Sehnsucht der Antifeministen nach dem starken Mann

Was die autoritäre Revolte prägt, ist die Sehnsucht nach den starken Männern, die von einer starken Nation reden, die sich ohne unnötige Gefühle wie „Scham“ unumwunden lieben lässt. Es ist die Sehnsucht nach Männern, die Plätze füllen und unter ihresgleichen Gänsehaut hervorrufen. Es geht um Männer, die nicht nur „Ordnung“, sondern aktives „Durchgreifen“ und „Aufräumen“ versprechen und die mit epischen Begriffen wie „kämpfen“, „erobern“ und „verteidigen“ um sich schmeißen, bis man sich ganz erhaben fühlt. Es geht um markige Männer, die fest davon überzeugt sind, dass sexuelle Belästigung und Gewalt als Komplimente zu verstehen sind. Es ist die Sehnsucht nach Männern, die große Gesten mit aufgekrempelten Ärmeln machen und breitbeinig und sehr überlegen in Talkshows sitzen. Es geht um die Sehnsucht nach Männern, die die Entscheidungen dieser Welt nur mit anderen Männern oder gleich ganz alleine fällen. Europa- und weltweit drängen Männer mit antifeministischen Ideen an die Macht. Zugleich träumen AfD-wählende Männer von nostalgische Rollenspielen: Politik ohne Frauen. Sie trainieren fleißig im Internet, um ein Angstklima für Feministinnen zu schaffen und laden immer mehr zum niedrigschwelligen Mitmachantifeminismus ein. Dass die antifeministische Männerrechtsbewegungen der AfD’s, PEGIDA’s, christlicher FundamentalistInnen und IslamistInnen und all die anderen zu Beginn des 21. Jahrhunderts Aufwind haben, kann eigentlich nicht überraschen. Überrascht ist nur das linksliberale Lager, das in seiner Kritik an der völkischen Rechten vollkommen substanzlos ist. Das Zaudern im Umgang, der hilflose Versuch, an den Dialog zu appellieren – „mit Rechten reden“ – zeugt von einer gravierenden Bewusstlosigkeit dieser Zeit. Sie habennichts verstanden!

Der Aufschwung der völkischen Rechten hängt mit ihrer Angst zusammen: Es macht die AntifeministInnen rasend, dass die Wirklichkeit anders aussieht als ihre völkischen Traumwelten. Es macht sie umso aggressiver. Sie haben Angst vor den Fortschritten der queeren und Frauenbewegungen. Denn diese Fortschritte sind vorhanden und sie sind spürbar: wie etwa die Verschärfung des Sexualstrafrechts in den letzten Jahren, die langsame Angleichung des Lohnniveaus, die Homo-Ehe oder die juristische Anerkennung von Intersexualität. Zugleich werden die Abwehrkämpfe stärker und offensiver: Mit #metoo gibt eine weltweite Aufmerksamkeit für sexuelle Gewalt (die Zeit, in der man ungestört grabbeln und Sprüche machen konnte, könnte bald vorbei sein) und es gab in den letzten Jahren riesige Demos zu Frauen- und LGBTI-Rechten in Polen, Spanien, den USA, der Türkei, Argentinien und anderen Ländern. Die feministischen Bewegungen haben so viel erkämpft, ihre Errungenschaften liegen in unserer Hand. Lasst uns auf den zweihundert Jahre alten Kämpfen unserer Genoss*innen aufbauen und über sie hinausgehen! Sorgen wir dafür, dass es für die kleinen Gaulands, von Storchs, Höckes, Le Pens, Johnsons, Kurz‘ und Wilders dieser Welt keine Möglichkeit mehr gibt, ihr chauvinistisches und sexistisches Weltbild auszuleben! Nehmen wir ihnen noch die letzten Bastionen!

Diese Gesellschaft überwinden

Antifeminismus zieht sich quer durch die Bank: den Akademiker mit dem Arbeiter, den Mittelständler mit dem Angestellten, den Versicherungsfachmann mit dem Richter, den Minister mit dem Handwerker verbindet der Unwille, männliche Privilegien abzugeben. Sie alle haben Angst davor, noch ihre letzten Herrschaftsansprüche zu verlieren. Wer antifeministisch, misogyn, transphob, homophob und sexistisch daherredet, hat most likely auch antisemitische, rassistische, sozialchauvinistische und andere menschenfeindliche Einstellungen: Das zeigt sich in Ideen von feministischen Verschwörungen, die davon ausgehen, eine „strippenziehende“ Elite plane die „Umerziehung“ – ein klassisches antisemitisches Motiv. Oder in der Vorstellung, dass nur deutsche Männer Frauen sexuell belästigen dürften, wie in dem gängigen Talk nach Köln – klassische (kolonial)rassistische Bildsprache inklusive. Radikaler Feminismus bedeutet für uns, immer deutlich gegen Rassismus und Antisemitismus Position zu beziehen, sich nicht staatsfeministisch vereinnahmen zu lassen und darauf hin zu wirken, die kapitalistische Klassengesellschaft zu überwinden. Ein radikaler Feminismus zielt auf die ganze Gesellschaft! Darum reicht es uns als Kommunist_innen nicht, die Symptome einer patriarchalen Gesellschaft zu bekämpfen; dieser Kampf stellt vielmehr einen Zwischenschritt auf einem langen und beschwerlichen Weg dar: Wir wollen die Grundfesten der patriarchalen Ordnung erschüttern; wir wollen den Grund für die autoritären Sehnsüchte abschaffen und damit die patriarchalen Charaktere, mit denen wir konfrontiert sind. Das heißt für uns, den Kapitalismus abzuschaffen; das heißt für uns, den Nationalstaat mitsamt seiner Bevölkerungspolitik und Verwertungslogik abzuschaffen; das heißt für uns, für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der es keinen Grund gibt, Menschen in Geschlechter einzuteilen.

Wir sagen: Die erfolgreichste Politik gegen die autoritäre Revolte ist eine starke feministische Bewegung. Denn derzeitige feministische Kämpfe sind nicht nur Abwehrkämpfe, sondern sie sind offensiv und sie sind stark. Denn die Fortschritte der bisherigen Frauen*bewegungen stellen die materielle Basis für unser Ziel einer Umwälzung dieser Verhältnisse dar. Es ist Zeit für eine feministische Offensive: The future is unwritten! Lasst uns nicht nur das Schlechte abwehren, lasst uns etwas Neues schaffen. Lasst uns eine wirkliche Perspektive auf eine bessere Gesellschaft entwickeln. Darum kommt es für uns als feministische Kommunist_innen und kommunistische Feminist_innen heute darauf an, die materiellen Bedingungen für eine befreite Gesellschaft aller Menschen weltweit aufrecht zu erhalten und mit neuen Strategien diese Bedingungen auszubauen. Lasst uns feministische Allianzen aufbauen, uns transnational vernetzen, gemeinsam kämpfen! Das bedeutet immer auch, den FeindInnen der Emanzipation die Räume zu nehmen. Deshalb kommt am 1. und 2. Dezember nach Hannover! Kommt am 1. Dezember zur Vorabenddemo und lasst uns ein Zeichen setzten, gegen die autoritäre Revolte und ihren Antifeminismus.

Wir wollen eine Gesellschaft, in der alle ohne Angst verschieden sein können. Deshalb: Für einen radikalen Feminismus! Tatsachen schaffen!

Drift – Feminist Alliance for Communism, November 2017

https://feministdrift.org/

Kundgebung gegen Islamismus und völkische Rechte

Wir, das Bündnis drift – feminist alliance for communism, haben am 9.9. in der Kasseler Innenstadt am Opernplatz eine Kundgebung gegen Islamismus und völkische Rechte durchgfeührt. Das Motto der Kundgebung lautete: „Für einen radikalen Feminismus! Keine halben Sachen! Fight nationalism! Fight islamism!“.Kundgebung Kassel

In Redebeiträgen wurde im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl die Stärke der AfD in Kassel, der weiterhin nicht vollständig aufgeklärte Mord an Halit Yozgat und die jährlich stattfindenden Treffen von evangelikalen AbtreibungsgegnerInnen (Marsch für das Leben) thematisiert. Neben den rechten Strukturen wurden außerdem islamistische Strukturen in Kassel, wie der türkisch-natioanlistische Verband ATIB (eine Struktur, die den faschistischen Grauen Wölfen nahe steht) kritisiert.

Das Bündnis Drift hat sich aus der Erkenntnis gegründet, dass unserem Streben nach einer befreiten Gesellschaft im Kommunismus, nach einem Leben ohne das Elend des Patriarchats zur Zeit vor allem die regressiven Vergemeinschaftungsideologien Islamismus und völkische Rechte entgegen stehen. Mit dem Rechtsruck auf der Straße, in Köpfen und Parlamenten ist in Deutschland ein virulenter und mörderischer Rassismus wieder hoffähig geworden. Wir, als kommunistische Feminist_innen, müssen uns diesem entgegenstellen, Auch, um unsere Vorstellungen von Zusammenleben, unser Recht auf Abtreibung und sexuelle Freiheiten zu schützen. Daneben besteht mit den stärker werdenden islamistischen Strukturen eine Kraft, die mit Vehemenz versucht ihre politische Ideologie sowohl in den eigenen Communities, als auch über Lobbyarbeit im Alltag durchzusetzen. Diese beiden Bewegungen sind sich dabei in ihrem Denken und ihren Vorstellungen ähnlicher als sie und andere oft meinen. Die Verwirklichung ihrer politischen Ziele würde letztendlich die Auflösung individueller Freiheit im Wahn der Zwangsgemeinschaft bedeuten. In Kassel haben wir versucht diese, oft wenig sichtbaren Strukturen, öffentlich zu machen. Die Kundgebung war dabei erst der Anfang. Als überregionaler Zusammenschluss feministischer und antifaschistischer Gruppen werden wir auch weiter aktiv in diese Themenbereiche eindringen. Im Frühjahr 2018 planen wir hierzu eine Aktivierungskonferenz.

Kundgebung: FÜR EINEN RADIKALEN FEMINISMUS. – KEINE HALBEN SACHEN.

Update Zugfahrt

Wir fahren am 9. September um 12:20 Uhr am marburger Hauptbahnhof auf Gleis 5 ab (Regionalexpress)

Mobilisierungsveranstaltung

Am 9.9. findet in Kassel eine Kundgebung gegen Islamismus und völkische Rechte statt, organisiert von Drift – feminist alliance for communism.
Los geht es um 14:00 Uhr auf dem Opernplatz in Kassel. Es gilt den reaktionärem Vergemeinschaftungsideologien des rassistischen Nationalismus und des Islamismus unsere Kritik und unseren Widerstand entgegenzustellen.

Am 31.8. um 21:00 findet dazu eine Mobiveranstaltung im Havanna 8 statt, auf der auch die gemeinsame Anreise koordiniert wird. Ansonsten gibt es die Infos zur Anreise danach auch auf lisa2.blogsport.de


Für einen radikalen Feminismus.
Keine halben Sachen.
Fight nationalism! Fight islamism!

Kassel – irgendwo in Deutschland, irgendwo in Europa.

In Kassel findet derzeit zum 14. Mal die documenta statt. Obwohl es in der diesjährigen documenta viel um Rassismus und Sexismus geht, bleibt das politische Klima in der Stadt selbst für die BesucherInnen quasi unsichtbar: Der reibungslose Ausstellungsbesuch ist wichtiger als Stadtpolitik – daran ändern auch Sparziergänge durch Kassel nichts, die erstmals Teil der documenta sind. Zwar thematisieren sie „Vertreibung und Migration“ oder „Verstrickung von Kunst, Politik und Wirtschaft“, doch gehen sie auf die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse vor Ort nicht ein.

Nur eine bedeutende Ausnahme gibt es: Das Projekt „Gesellschaft der Freund_innen von Halit“ beschäftigt sich im Rahmen der documenta mit der Ermordung Halit Yozgats durch den NSU. Es skandalisiert auch den strukturellen Rassismus der Behörden und dass der Verfassungsschutz tief in den NSU-Komplex verstrickt ist. Rassismus in Kassel bleibt wenigstens hier nicht unerwähnt!

Das ist wichtig, denn Rassismus ist in Kassel – wie andernorts – Alltag und völkischen Nationalismus gibt es hier in vielen Formen: Burschenschaften, die im Dachverband Deutsche Burschenschaft organisiert sind und damit offen zu einem geschichtsrevisionistischen, deutschnationalen und rassistischen Club gehören. Rechte KSV-Fans, die im Staditon und außerhalb immer wieder Leute angreifen, die sie für Linke halten. Christliche FundamentalistInnen, die immer wieder zu Events einladen, bei denen sie offen ihre antifeministischen, homophoben und reaktionären Positionen gegen Abtreibung verbreiten. Der Pegida-Ableger, der seit Ende 2014 unter dem Namen Kagida in seiner Hochzeit bis zu 200 Nazis, VerschwörungsideologInnen und andere „besorgte BürgerInnen“ zu seinen rassistischen Kundgebungen mobilisierte. Sie alle sind in Kassel heimisch.

Da wundert es auch nicht, dass die AfD im März 2016 mit elf Prozent in die Stadtverordnetenversammlung einzog. Das ist ein Ausdruck der Kassler Verhältnisse und da gibt’s auch nichts schönzureden: Ein großer Teil der Kassler_innen wählt eine sexistische und rassistische Partei.

Eine unversöhnliche Perspektive

Als Feminist_innen sind wir notwendig Gegner_innen des völkischen Nationalismus, der immer sexistisch ist, egal ob von christlichen LebenschützerInnen, Neonazis oder der AfD: Weil er sich die Nation als einen „Volkskörper“ vorstellt, der verletzt und bedroht werden kann, ist im völkischen Nationalismus ganz klar, was die Rollen von Frauen* und Männern sein müssen:

Frauen* sollen für den Erhalt dieses „Volkes“ sorgen, indem sie möglichst viele und „deutsche“ Kinder bekommen. Die oft erhobene Forderung danach, die „eigene deutsche Frau“ vor „dem schwarzen Mann“ zu beschützen, ist seit dem Kolonialismus tief in den rassistischen Alltag eingeschrieben. So was wie Selbstbestimmung von Frauen* über ihren Körper, mühsam von den Frauenbewegungen erkämpft, bekämpfen völkische NationalistInnen deshalb.

Für Männer hingegen gilt ein männerbündisches Ideal der kämpferischen Kameradschaft, das man aus urschenschaften und Hooligan-Cliquen kennt.
Die Härte, die da gepflegt wird, richtet sich im Endeffekt gewalttätig gegen Frauen*, Lesben, Schwulen und alle, die von Geschlechternormen abweichen.

Einem Gesellschaftsentwurf, in dem der männliche Körper eine Waffe und der weibliche Gebärmaschine sein soll, in dem jede sexuelle Lust, die nicht dem „Erhalt des Volkes“ gilt, unterdrückt und in dem ein dauernder Kampf gegen die inneren und äußeren FeindInnen geführt wird, stellen wir uns entschieden entgegen!

Neben seinen repressiven Geschlechternomen war (völkischer) Nationalismus immer auch rassistisch und antisemitisch. Rassismus drückt sich heute allerdings meistens in der Chiffre der „Islamkritik“ aus. So lassen sich unter dem Label stumpfe Ressentiments von „den Fremden“ pflegen, die nicht mehr als unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen erscheinen.

Ein Neidverhältnis

Wir meinen: In diesem Mechanismus ähneln sich völkischer Nationalismus und Islamismus, obwohl sie einander so sehr verachten. Beide sind patriarchale Vergemeinschaftungsideologien, die eine männerbündische Herrschaft über Frauen* versprechen und individuelle Befreiung bekämpfen.

Beide sind kein Rückfall in vergangene Zeiten, sondern Produkte der kapitalistischen Verhältnisse, in denen wir leben. Beide bieten das Versprechen auf eine sinnstiftende Gemeinschaft, die ökonomische und soziale Krisenerfahrungen der Moderne abfedern soll.

Der europäische Islamismus wird dabei vorrangig im direkten sozialen Umfeld politisch wirksam, tritt in Form von Infoständen und Aktionen im Alltag in Erscheinung oder orientiert sich in Richtung Naher Osten: Aus Kassel schlossen sich mehrere Personen dem Islamischen Staat an und reisten nach Syrien. Und nicht zuletzt geht vom Europäischen Islamismus die permanente Gefahr von Terroranschlägen aus.

Der völkische Nationalismus kämpft darum, seine Begriffe in sozialen Netzwerken und anderen Medien zu etablieren. Er agiert gewalttätig auf den Straßen und verbreitet alltäglich mit Brandanschlägen auf Unterkünfte für Geflüchtete rassistischen Terror. Durch kontinuierliche Vernetzung, Lobby- und Kampagnenarbeit sowie durch einen aggressiven Wahlkampf drängt der völkische Nationalismus in die staatlichen Institutionen. So schickt sich die AfD an, als parlamentarische Vertretung des völkischen Nationalismus in das deutsche Parlament einzuziehen.

Mit ihren verschiedenen Ideologien und Strategien sind sowohl der Islamismus als auch der völkische Nationalismus eine Bedrohung für alle, die nicht in ihr Weltbild passen. Sie beide sind eine Bedrohung für unsere Idee einer befreiten Gesellschaft. Deswegen wollen wir ihnen entschlossen entgegentreten!

Eine Einladung

Weil wir die Aufmerksamkeit der documenta nutzen wollen, um auf die Strukturen der hiesigen völkischen Rechten und des örtlichen Islamismus aufmerksam zu machen, und weil bald Bundestagswahlen sind, wollen wir als Bündnis drift – feminist alliance für communism mit unserer Kundgebung genau diese zum Thema machen!

Wir rufen auf, am 9. September an unserer Kundgebung Für einen radikalen Feminismus! Keine halben Sachen! Fight nationalism! Fight islamism! teilzunehmen!

Wir wollen uns gegen völkischen Nationalismus und Islamismus wenden, die wir als zwei Spielarten der Antimoderne begreifen. Wir wollen eine Diskussion über feministische und queere Gesellschaftskritik voranbringen. Und wir wollen dabei der documenta einen Vorschlag zu einem Spaziergang entgegenstellen, der deutlich macht, dass in einer Stadt wie Kassel FeindInnen der Emanzipation aller Couleur zu finden sind.

Kommt daher am 9. September nach Kassel!

Kundgebung: 14:00 Uhr Opernplatz / Kassel

Zur Kritik an Critical Whiteness aus antirassistischer Perspektive

eine Veranstaltung mit Vassilis Tsianos

Kritik am Konzept der Critical Whiteness kommt aus vielen Richtungen. Die autoritäre und dogmatische Umsetzung die dieses Konzept in weiten Teilen der antirassistischen Linken erfährt, haben es für viele zu einem Synonym für Diskursverweigerung und Spaltung werden lassen. Dies führt in vielen Fällen gerade nicht zu der gewünschten Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien. Sprachbereinigung und inhaltsleere Selbstbezichtigung ermöglichen es, im quasi vom Rassismus bereinigten Sprachraum, weiter die „weißen“ Privilegien zu genießen. Die Absolutheit der Affirmation wie auch der Kritik an diesem Konzept gehen mit einem Positionierungszwang einher in dem immer wieder antirassistische Initiativen und Gruppen zerrieben werden. Anstatt aber den theoretischen Ansatz der Critical Whiteness komplett über Bord zu werfen soll es darum gehen sie als einen Teil des Kosmos der kritischen Rassismusanalyse zu betrachten. Auf dieser Basis gilt es eine Kritik an der in ihrem Namen etablierten Praxis zu formulieren, Lücken aufzuzeigen und einen Raum der Rassismusdiskussion zu entwerfen, der uns nicht vorgeschrieben wird von diskursiven Automatismen und Reflexen.

Prof. Dr. Vassilis S. Tsianos lehrt Soziologie der Sozialen Ungleichheit, Migrationssoziologie/Border Studies und Rassismusanalyse der postmigrantischen Gesellschaft an der Hochschule für angewandten Wissenschaften in Hamburg (HAW), er ist antirassistischer Aktivist und Mitglied im Netzwerk Kritische Migrations- und Grezregimeforschung und Mitglied des Rates für Migration. Er war Gründungsmitglied des antirassistischen Netzwerks Kanak Attak.

Veranstaltung:
Dienstag 11. Juli 2017 | 19:00 Uhr
Hörsaalgebäude Raum 00/0020

Das Flugblatt als PDF

Vortrag von Mina Ahadi auf Radio Unerhört Marburg

Radio Unerhört MarburgAm 26. Januar 2017 war – auf Einladung der Gruppe LISA:2 – Mina Ahadi in Marburg zu Gast und hielt einen Vortrag zum Thema „Möglichkeiten der Kritik am Islamismus in Zeiten rassistischer Mobilmachung“.

Radio Unerhört Marburg hat am 8. März, dem internationalen Frauen*kampftag, einen Mitschnitt des Vortrags gesendet.

Die Aufnahme dieser Sendung könnt ihr jetzt hier herunterladen.

Vortrag von Mina Ahadi auf Radio Unerhört Marburg

warum antifa feminismus braucht

https://veranstaltungsreihefantifa.noblogs.org/

Im Sommersemester 2017 findet in Marburg eine Veranstaltungsreihe zum Thema „F_Antifa – Warum Antifa Feminismus braucht“ statt. Organisiert wird sie durch ein Bündnis aus verschiedenen antifaschistischen und feministischen Initiativen, das die Beteiligung und Relevanz von Frauen* und feministischen Perspektiven an und in antifaschistischen Kämpfen sichtbar machen und fördern möchte.

Auch wenn männliche Dominanz in antifaschistischen Zusammenhängen kein neues Thema ist, sind wir davon überzeugt, dass es weiterhin notwendig ist, darüber zu sprechen. Antifaschismus ist noch immer ein männlich dominierter Politikbereich und gängige Aufnahmeverfahren, Gruppenstrukturen, bearbeitete Themenbereiche und Aktionsformen bevorzugen Männer und bringen einen bestimmten Typus Männlichkeit hervor.

Wenn antifaschistische Initiativen sich entscheiden, etwas gegen den Ausschluss und die Benachteiligung von Frauen* aus und in ihren Strukturen zu unternehmen, wirkt das Unterfangen oft etwas fehlgeleitet. Anstatt einer kritischen Reflexion sexistischer Aufnahmepolitiken und geschlechtlicher Zuschreibungen, wird die Aufnahme von Frauen* zu einer humanitären Aktion stilisiert. Die vorherrschende Meinung scheint zu sein, dass Frauen* schlechter geeignet seien, um sich an antifaschistischen Kämpfen zu beteiligen. Es sei zwar politisch richtig Frauen* zu ‚integrieren‘, aber, dass Frauen* wirklich eine Bereicherung für antifaschistische Gruppen sein könnten, kann sich kaum einer vorstellen. Um dieser Auffassung, die Antifaschismus als eine männliche Handlungsweise zeichnet, entgegenzutreten, wollen wir in unserer Veranstaltungsreihe auf die Beteiligung von Frauen* an historischen und bestehenden antifaschistischen Kämpfen aufmerksam machen.

Neben dem Sichtbarmachen der Beteiligung von Frauen* an antifaschistischen Kämpfen, wollen wir durch verschiedene Veranstaltungen die These belegen, dass Antifaschismus Feminismus braucht. Wir wollen darlegen, dass ein Antifaschismus, der feministische Perspektiven nicht berücksichtigt, Leerstellen aufweist und an Wirkmächtigkeit einbüßt. Wir wollen auf Leerstellen in der Gedenkkultur hinweisen sowie auf extrem rechte Strömungen, denen sich nur durch Feminismus adäquat begegnen lassen.

Wir hoffen, durch diese Veranstaltungsreihe Frauen* dazu zu ermutigen, sich an antifaschistischen Kämpfen zu beteiligen und einzufordern, dass sie als Teil dieser ernstgenommen werden. Wir hoffen auch Aktivist_innen für die Bedeutung feministischer Perspektiven zu sensibilisieren. Zudem wollen wir durch die historische Perspektive auf die Beteiligung von Frauen* an antifaschistischen Kämpfen ein besseres Verständnis für die Verschränkungen zwischen Lebenssituation und Formen antifaschistischen Engagements schaffen.

Wir freuen uns darauf, euch bei den Veranstaltungen zu sehen!

Falls ihr Anmerkungen oder Kritik habt, meldet euch unter veranstaltungsreihe.f_antifa[ät]riseup.net

 

Alle Veranstaltungen, bis auf das F_Antifa-Café sind open to all gender. Es wird jedoch eine antisexistische und antifaschistische Grundeinstellung vorausgesetzt. Sexistische, rassistische, antisemitische, homo- und transfeindliche und andere diskriminierende Aussagen und Verhaltensweisen werden auf den Veranstaltungen nicht geduldet. Falls ihr etwas mitbekommt, meldet euch bei den Veranstalter_innen oder mischt euch selbst ein.

https://veranstaltungsreihefantifa.noblogs.org/

Möglichkeiten der Kritik am Islamismus in Zeiten rassistischer Mobilmachung

eine Veranstaltung mit Mina Ahadi
(Zentralrat der Ex-Muslime)

Veranstaltung:
Donnerstag 26. Januar 2017 | 20:30 Uhr | Café am Grün

Der politische Islam ist weltweit im Aufwind. Islamistische Regimes profitieren vom durch den Krieg in Syrien ausgelösten Machtvakuum und schaffen es politische wie militärische Erfolge zu feiern. Gleichzeitig schafft es der globale Djihadismus immer mehr Anhänger_Innen für sich zu gewinnen, auch in Europa. Neben diesen offen gewaltförmigen Ausdrucksformen islamistischer Machtansprüche versuchen islamistische Bewegungen, z.B. in Form des Zentralrats der Muslime, über Lobbyarbeit und Beteiligung an Gremien gesellschaftliche Akzeptanz zu erlangen und Wirkmacht zu entfalten.

Eine Kritik an diesen Bewegungen ist mehr als notwendig, führt jedoch immer wieder dazu das diese von den erstarkenden rechten Strömungen wie Pegida und der AfD vereinnahmt wird. Wie eine offensive Opposition gegen islamistische Strömungen aussehen kann ohne rechten Kräften in die Hände zu spielen soll diese Veranstaltung erläutern.

Mina Ahadi ist eine exil-iranische politische Aktivistin, die sich für Menschenrechte und negative Religionsfreiheit (Freiheit vor Religion) einsetzt. Ihr Einsatz gilt vor allem den Rechten der Frauen. 2001 gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigung und 2007 den deutschen Zentralrat der Ex-Muslime. Sie ist Vorsitzende des International Committee Against Execution (I.C.A.E.). Außerdem ist sie Leitungsmitglied der Arbeiter kommunistischen Partei des Iran. Mina Ahadi versteht sich als Atheistin. Sie beteiligte sich an der linken Opposition gegen den Schah. Nach Gründung der Islamischen Republik Iran unter Chomeini wurde ihr Mann verhaftet und kurz darauf hingerichtet. Gegen Mina Ahadi wurde ein Todesurteil ausgesprochen, allerdings gelang es ihr aus dem Iran zu flüchten. Ihr Todesurteil im Iran wurde bis heute nicht aufgehoben

Veranstaltung:
Donnerstag 26. Januar 2017 | 20:30 Uhr | Café am Grün

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