Vortrag von Mina Ahadi auf Radio Unerhört Marburg

Radio Unerhört MarburgAm 26. Januar 2017 war – auf Einladung der Gruppe LISA:2 – Mina Ahadi in Marburg zu Gast und hielt einen Vortrag zum Thema „Möglichkeiten der Kritik am Islamismus in Zeiten rassistischer Mobilmachung“.

Radio Unerhört Marburg hat am 8. März, dem internationalen Frauen*kampftag, einen Mitschnitt des Vortrags gesendet.

Die Aufnahme dieser Sendung könnt ihr jetzt hier herunterladen.

Vortrag von Mina Ahadi auf Radio Unerhört Marburg

warum antifa feminismus braucht

https://veranstaltungsreihefantifa.noblogs.org/

Im Sommersemester 2017 findet in Marburg eine Veranstaltungsreihe zum Thema „F_Antifa – Warum Antifa Feminismus braucht“ statt. Organisiert wird sie durch ein Bündnis aus verschiedenen antifaschistischen und feministischen Initiativen, das die Beteiligung und Relevanz von Frauen* und feministischen Perspektiven an und in antifaschistischen Kämpfen sichtbar machen und fördern möchte.

Auch wenn männliche Dominanz in antifaschistischen Zusammenhängen kein neues Thema ist, sind wir davon überzeugt, dass es weiterhin notwendig ist, darüber zu sprechen. Antifaschismus ist noch immer ein männlich dominierter Politikbereich und gängige Aufnahmeverfahren, Gruppenstrukturen, bearbeitete Themenbereiche und Aktionsformen bevorzugen Männer und bringen einen bestimmten Typus Männlichkeit hervor.

Wenn antifaschistische Initiativen sich entscheiden, etwas gegen den Ausschluss und die Benachteiligung von Frauen* aus und in ihren Strukturen zu unternehmen, wirkt das Unterfangen oft etwas fehlgeleitet. Anstatt einer kritischen Reflexion sexistischer Aufnahmepolitiken und geschlechtlicher Zuschreibungen, wird die Aufnahme von Frauen* zu einer humanitären Aktion stilisiert. Die vorherrschende Meinung scheint zu sein, dass Frauen* schlechter geeignet seien, um sich an antifaschistischen Kämpfen zu beteiligen. Es sei zwar politisch richtig Frauen* zu ‚integrieren‘, aber, dass Frauen* wirklich eine Bereicherung für antifaschistische Gruppen sein könnten, kann sich kaum einer vorstellen. Um dieser Auffassung, die Antifaschismus als eine männliche Handlungsweise zeichnet, entgegenzutreten, wollen wir in unserer Veranstaltungsreihe auf die Beteiligung von Frauen* an historischen und bestehenden antifaschistischen Kämpfen aufmerksam machen.

Neben dem Sichtbarmachen der Beteiligung von Frauen* an antifaschistischen Kämpfen, wollen wir durch verschiedene Veranstaltungen die These belegen, dass Antifaschismus Feminismus braucht. Wir wollen darlegen, dass ein Antifaschismus, der feministische Perspektiven nicht berücksichtigt, Leerstellen aufweist und an Wirkmächtigkeit einbüßt. Wir wollen auf Leerstellen in der Gedenkkultur hinweisen sowie auf extrem rechte Strömungen, denen sich nur durch Feminismus adäquat begegnen lassen.

Wir hoffen, durch diese Veranstaltungsreihe Frauen* dazu zu ermutigen, sich an antifaschistischen Kämpfen zu beteiligen und einzufordern, dass sie als Teil dieser ernstgenommen werden. Wir hoffen auch Aktivist_innen für die Bedeutung feministischer Perspektiven zu sensibilisieren. Zudem wollen wir durch die historische Perspektive auf die Beteiligung von Frauen* an antifaschistischen Kämpfen ein besseres Verständnis für die Verschränkungen zwischen Lebenssituation und Formen antifaschistischen Engagements schaffen.

Wir freuen uns darauf, euch bei den Veranstaltungen zu sehen!

Falls ihr Anmerkungen oder Kritik habt, meldet euch unter veranstaltungsreihe.f_antifa[ät]riseup.net

 

Alle Veranstaltungen, bis auf das F_Antifa-Café sind open to all gender. Es wird jedoch eine antisexistische und antifaschistische Grundeinstellung vorausgesetzt. Sexistische, rassistische, antisemitische, homo- und transfeindliche und andere diskriminierende Aussagen und Verhaltensweisen werden auf den Veranstaltungen nicht geduldet. Falls ihr etwas mitbekommt, meldet euch bei den Veranstalter_innen oder mischt euch selbst ein.

https://veranstaltungsreihefantifa.noblogs.org/

Möglichkeiten der Kritik am Islamismus in Zeiten rassistischer Mobilmachung

eine Veranstaltung mit Mina Ahadi
(Zentralrat der Ex-Muslime)

Veranstaltung:
Donnerstag 26. Januar 2017 | 20:30 Uhr | Café am Grün

Der politische Islam ist weltweit im Aufwind. Islamistische Regimes profitieren vom durch den Krieg in Syrien ausgelösten Machtvakuum und schaffen es politische wie militärische Erfolge zu feiern. Gleichzeitig schafft es der globale Djihadismus immer mehr Anhänger_Innen für sich zu gewinnen, auch in Europa. Neben diesen offen gewaltförmigen Ausdrucksformen islamistischer Machtansprüche versuchen islamistische Bewegungen, z.B. in Form des Zentralrats der Muslime, über Lobbyarbeit und Beteiligung an Gremien gesellschaftliche Akzeptanz zu erlangen und Wirkmacht zu entfalten.

Eine Kritik an diesen Bewegungen ist mehr als notwendig, führt jedoch immer wieder dazu das diese von den erstarkenden rechten Strömungen wie Pegida und der AfD vereinnahmt wird. Wie eine offensive Opposition gegen islamistische Strömungen aussehen kann ohne rechten Kräften in die Hände zu spielen soll diese Veranstaltung erläutern.

Mina Ahadi ist eine exil-iranische politische Aktivistin, die sich für Menschenrechte und negative Religionsfreiheit (Freiheit vor Religion) einsetzt. Ihr Einsatz gilt vor allem den Rechten der Frauen. 2001 gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigung und 2007 den deutschen Zentralrat der Ex-Muslime. Sie ist Vorsitzende des International Committee Against Execution (I.C.A.E.). Außerdem ist sie Leitungsmitglied der Arbeiter kommunistischen Partei des Iran. Mina Ahadi versteht sich als Atheistin. Sie beteiligte sich an der linken Opposition gegen den Schah. Nach Gründung der Islamischen Republik Iran unter Chomeini wurde ihr Mann verhaftet und kurz darauf hingerichtet. Gegen Mina Ahadi wurde ein Todesurteil ausgesprochen, allerdings gelang es ihr aus dem Iran zu flüchten. Ihr Todesurteil im Iran wurde bis heute nicht aufgehoben

Veranstaltung:
Donnerstag 26. Januar 2017 | 20:30 Uhr | Café am Grün

Flugblatt als PDF

Respekt wer’s selber macht

In der Ausgabe der Oberhessischen Presse (OP) vom 28.11. diesen Jahres wird es im Lokalteil erstaunlich staatstragend. Einen „Aufruf zur Selbstjustiz“ will der Redakteur Peter Gassner in einem Plakat entdeckt haben, das die Aufschrift: „Vergewaltiger angreifen. Überall-mit allen Mitteln – Gewalt gegen Frauen ist nie eine Privatangelegenheit – hinschauen, einschreiten, Hilfe holen, zuschlagen“ trägt. Wie Justiz und Selbstjustiz in Deutschland wirklich zusammenhängen – und was das mit Privatangelegenheiten zu tun hat – darauf lohnt sich ein genauerer Blick.

Selbstjustiz

Denken wir an Selbstjustiz in Deutschland, dann denken wir an Bilder die in den letzten Jahren allgegenwärtig waren: Brennende Geflüchtetenunterkünfte, ob bewohnt oder im Rohbauzustand in der ganzen Bundesrepublik, rassistische Mobs in Bautzen, Freital, Schwerin, zahllose Übergriffe auf der Straße. Diese Bilder sind Ausdruck eines gekränkten deutschen Ehrgefühls, das jederzeit bereit ist die empfundene Störung der öffentlichen Ordnung zu ahnden, sei es durch die Forderung eines Durchgreifens von staatlicher Seite oder durch den rassistischen Mob selbst. In welcher Form sich dieser gelebte Volkswille äußert, ob wie in München-Neuperlach Anwohner*innen per Klage eine „Lärmschutzmauer“ um ein Heim errichten, oder wie z.B. in Lilienthal statt zur Klage zum Brandbeschleuniger gegriffen wird, ist neben den zur Verfügung stehenden Geldmitteln auch davon abhängig was als erfolgversprechender gesehen wird. Das dabei nicht die immer wieder beschworenen Abstiegsängste der Auslöser sind, zeigen die Ähnlichkeit der Reaktionen, ob Bonzenviertel, Neubausiedlung oder Platte – das Wissen wie ein Brandsatz gebaut wird ist in der BRD klassenübergreifend.

Legitime Ängste

Das die Ängste derjenigen die da zündeln, hetzen und morden legitim seien, hört man aus Parteien von rechts bis links fast wöchentlich. Ein Thema hat dabei die Sorgen der Deutschen im letzten Jahr besonders beherrscht: die Angst um ihre Frauen. Nach den Übergriffen von Silvester in Köln und Hamburg war das Thema sexualisierte Gewalt plötzlich in der Öffentlichkeit präsent und die Angst davor konnte endlich geäußert werden – von zum großen Teil weißen Männern. Die Debatte um die „Vorfälle von Köln“ schaffte es dabei zum Katalysator einer Anpassung des §177 zu werden der die Forderung „Nein heißt Nein!“ nun auch in Gesetzesform übernahm. Das Jahr 2016 deshalb als Durchbruch für den Feminismus zu halten wäre jedoch falsch. Die Chancen zu einer Gesetzesreform hatte es bereits viel früher gegeben, die #Aufschrei-Debatte, die Studie zu den Verurteilungsquoten nach Vergewaltigung des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen und die jahrzehntelange Lobbyarbeit von Frauen*, wären Anlass genug gewesen diese Reform auf den Weg zu bringen. Doch die Debatte um sexualisierte Gewalt in der BRD macht da Halt wo es unangenehm wird – im Privaten. Dort wo der Großteil der Übergriffe passiert soll nicht hingesehen werden – Gewalt gegen Frauen* das ist immer die Gewalt der anderen. Das sich an der Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt im privaten Rahmen nichts geändert hat zeigte nicht zuletzt die von Victim Blaming geprägte Berichterstattung im Prozess gegen Gina Lisa Lohfink. Dabei werden die Ängste der Betroffenen delegitimiert, Angst vor sexualisierter Gewalt sollten deutsche Frauen haben wenn sie nachts alleine, womöglich knapp bekleidet, nach Hause gehen – nicht wenn der Ehemann von der Dienstreise heimkommt. Das auch in diesem Bereich die Selbstjustiz nicht zu kurz kommt zeigen Seiten wie rapefugees.net und Konsorten, hier werden angebliche Übergriffe durch Geflüchtete in vor unterdrückter Geilheit triefender Sprache angeprangert, wird in den Kommentarspalten die Rückkehr zu Körper- und Todesstrafe gefordert. Dieser Hass überträgt sich auch auf die Straße und äußert sich in Nazis die Pfefferspray an Frauen verteilen und Bürgerwehren die Menschen die sie als nicht deutsch erkennen angreifen, es braucht hier keine Unschuldsvermutung mehr, die Täterschaft ist den als fremd erkannten per Herkunft bzw. Kultur eingeschrieben. Die Motivation ist nicht der Schutz von Betroffenen vor sexualisierter Gewalt, hierzu müssten die Nazis sich wohl selbst durch die Straßen jagen, es ist das Ausleben einer rassistischen Gewaltfantasie in der sich die Männerhorden zu Rächern der Frauen stilisieren und ihrer anästhetisieren Gewaltgeilheit frönen.

Der Unterschied zu einem linken offensiven Umgang mit sexualisierter Gewalt ist offensichtlich, während es Nazis, besorgten Bürgern und Konsorten darum geht zu strafen, ist das Ziel einer linken antisexistischen Praxis die Selbstbestimmung von Betroffenen zu schützen. Gewalt ist dabei ein Mittel das im Notfall notwendig sein kann, sich jedoch darauf beschränken muss Übergriffe abzuwehren. Gewalt-, Folter- und Todesfantasien sind zumeist Ausdruck einer Externalisierung von sexualisierter Gewalt durch Männer, solange die Täter von außen kommen und mit Hilfe männlicher Attribute bekämpft werden können, muss sich mit der eigenen Übergriffigkeit nicht auseinandergesetzt werden.

Lücken

In der OP zitiert Peter Gassner laut Kriminalstatistik eine „Aufklärungsquote“ von 84% bei Vergewaltigung in Hessen. Das dieser Aufklärungsquote eine Verurteilungsquote im einstelligen Bereich gegenübersteht, das die Dunkelziffer nicht „vermutlich darüber“ liegt, sonder um ein vielfaches höher ist, fällt unter den Tisch. Mit Beginn des Bundeswahlkampfes in Deutschland gewinnt das Thema Sicherheit im öffentlichen Raum an Gewicht, Parteien übertreffen sich gegenseitig mit der Forderung nach noch mehr Bullen, noch mehr Überwachung. Die Sicherheit die dabei versprochen wird ist eine gefühlte, der Bürger soll auf dem Heimweg von der Kneipe keine Angst haben, die Sorge um die Einbruchssicherheit des Eigenheimes nicht den Urlaub trüben. Gleichzeitig beklagen Frauenhäuser bundesweit einen Mangel an Plätzen, einer der wenigen Orte an denen Frauen* Sicherheit gewährleistet wird wenn sie von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt bedroht sind. Während also die staatliche Verfolgung von sexualisierter Gewalt, auch trotz Reform, nur einem Bruchteil der Betroffenen hilft, werden die Hilfsangebote die Schutz bieten, Empowerment ermöglichen und die Basis bilden sich gegen Täter zur Wehr zu setzen ausgehöhlt. Dabei sind diese Projekte, Frauennotrufe, Frauenhäuser, Selbstverteidigungskurse genau aus diesem Unwillen von Staat und Öffentlichkeit sich mit sexualisierter Gewalt auseinanderzusetzen entstanden. Die Forderung: „hinschauen, einschreiten, Hilfe holen, zuschlagen“ ist die Konsequenz aus einer Politik des Wegsehens, Victim Blamings und Abwehrens. Hier geht es nicht darum allen Vergewaltigern zur Strafe den Schwanz abzuschneiden, es geht darum die Gleichgültigkeit zu durchbrechen die Opfern sexualisierter Gewalt entgegengebracht wird. Einen Vergewaltiger zu verprügeln hilft vielleicht nicht gegen eine sexistische, patriarchale Gesellschaft, nicht gegen die besoffen jovial gepflegte Misogynie von Männerhorden, aber es hilft vielleicht fortgesetzte Gewalt gegen einzelne Frauen zu beenden und zukünftige zu verhindern.

Auch 2016 gilt daher:

Feminismus bleibt Handarbeit!

Respekt wer’s selber macht!

[Lisa:2]

als PDF

Flugblatt zur Demo am Tag gegen Gewalt gegen Frauen*

Schön das du dich heute an der Demo zum Tag gegen Gewalt gegen Frauen* beteiligst- sich in dunklen Zeiten von völkischen Rechten, chritslichen Fundamentalist_innen, Islamismus und anderen Widerlichkeiten dem gewaltförmigen Patriarchat entgegenzustellen ist wichtig und schafft Raum für Perspektiven auf feministischere und schönere Zeiten!

Doch wie soll man(n) sich als Typ angesichts der ganzen hier versammelten Frauen*-Power beteiligen? Wie können Männer einen Protest mitgestalten, der sich gegen ein Thema richtet von dem sie nicht betroffen sind?

Wir wollen indem wir uns und euch diese Fragen stellen keine Verunsicherung und kein Unwohlsein erzeugen, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Position stärken und Lust auf profeministische Politik wecken.

Zunächst ist zu sagen: Gewalt gegen FrauenLesbenTrans* findet täglich statt – auch Protest dagegen kann täglich stattfinden. So ist es vielleicht wenig sinnvoll eine männliche Perspektive auf Gewalt gegen Frauen* auf einer feministischen Demo zu verkünden. Aber die restlichen 364 Tage im Jahr bieten jede Menge Gelegenheit Fragen wie: Wie können Männer untereinander, auch ihre eigene, Gewalt gegen FLT* ansprechen? Wie können Männer linke Räume möglichst gewaltfrei mitgestalten? – zu thematisieren.

Demonstrationen sind zunächst immer eine diffuse Anordnung von Menschen mit verschiedenen Hintergründen, Motivationen für ihre Beteiligung, Zielen und Mitteln diese umzusetzen. Dementsprechend sollten gegenseitige Rücksichtnahme, vorherige Absprachen über Aktionen und ein Gespür für die Stimmung auf der Demo eine Selbstverständlichkeit sein. Als Typ auf einer feministischen Demo gilt das umso mehr. FLT* können ihre Wut, ihren Haß, ihre Hoffnungen in militanter Form durchaus ohne die Hilfe von Männern auf die Straße tragen- das haben diverse Burschen, Macker, Bullen schon an ihrem eigenen Leib erfahren dürfen, man muss sich also nicht bei jeder Gelegenheit berufen fühlen ihnen zur Hilfe zu eilen. Andersherum gilt auch, eine Demo zu eskalieren kann oft sinnvoll und notwendig sein, nicht nur auf einer feministischen Demo wäre es jedoch angemessen wenn das von den beteiligten Frauen ausgeht. Und ätzendes Rumgemacker, blöde Sprüche, sexistische und homophobe Beleidigungen gegen Bullen braucht sowieso niemand, auf keiner Demo und auch sonst nicht.

Jetzt denkst du vielleicht – Was soll ich dann machen? Rumstehen, Zugucken und manchmal Parolen mitrufen? Ja – vielleicht ist das gerade was geht und passend ist. Dir ist das zuwenig? Frag bei den organisierenden Grupen an ob es Aufgaben gibt die du übernehmen kannst, ob es gemischte organisierte Reihen braucht, Melder_innen…oder organisiere demnächst mal deine eigene profeministische Demo.

Feministischen Zeiten entgegen!

[lisa:2]

das Flugblatt als PDF

Kein Freispruch für Scheisze – Gegen Klassenjustiz und Männerbünde

Ein Flyer der Gruppe [Lisa:2], zum Prozess gegen den Verbindungsstudenten Amadeus Hölle, der seit einiger Zeit in Marburg kursiert und zeitgleich mit der Stellungnahme der ag5 veröffentlicht wurde

Kein
Freispruch für Scheisze – Gegen Klassenjustiz und Männerbünde

Am
22.11.2015 endete der Prozess gegen den wegen Totschlags angeklagten
Verbindungsstudenten Amadeus Hölle, Mitglied der Marburger
Landsmannschaft Nibelungia, mit einem Freispruch. Nach Auffassung des
Gerichts konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass der 27
jährige bei einem Streit im Oktober letzten Jahres sein Opfer nicht
in Notwehr niedergestochen hatte. Bei dem damaligen Streit war eine
Gruppe aus Verbindungsstudenten, die zuvor gemeinsam gesoffen hatten,
mit einer Gruppe junger Studierender aneinandergeraten. Inwieweit es
bei dem Streit darum ging, dass die einen Verbinder waren, ist
fraglich. Bei dem folgenden Handgemenge stach
Hölle
einem seiner Kontrahenten mit einem mitgeführten
Messer ins Herz, nachdem dieser ihn angeblich mit einer Eisenstange
von einer Baustelle angegriffen hatte.

Im Prozess wurde schnell klar, dass hier eine betrunkene Männerhorde an
eine andere geraten war, ein Ereignis bei dem in Innenstädten immer
wieder Verletzte und Tote zu beklagen sind, die ihrem (gegenseitigen)
Bedürfnis nach Verteidigung der eigenen Ehre, Reviere,
Besitzansprüche gegenüber der jeweiligen Freundin zum Opfer fallen.
Dennoch wäre es falsch, den Mord deswegen zu entpolitisieren.
Männliche Gewalt im öffentlichen Raum ist Ausdruck eines
patriarchalen Gesellschaftsverhältnisses und somit sehr wohl
politisch. Hinzu kommt, dass die Person, die in diesem Fall zustach,
kein deutscher Durchschnittsmacker ist (was schlimm genug wäre),
sondern als Verbindungsstudent Teil eines eingeschworenen, elitären
Männerbundes. In diesem werden einander Werte wie die Pflicht, die
eigene Ehre zu verteidigen und Härte gegen sich und andere zu zeigen
in ritualisierten Gewaltexzessen eingeprügelt und mit scharfer
Klinge bei der Mensur eingraviert. Dieser Fakt fiel im Prozess recht
schnell unter den Tisch, hätte er doch unangenehme Fragen
aufgeworfen: So z.B. ob nicht anstatt Totschlag Mord vorläge oder
wie sich die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Elite mit
guten Beziehungen, besonders in die Justiz, auf das Strafmaß
auswirkt.

Der Angeklagte war im Prozess nicht auf sich allein gestellt, ihm zur
Seite standen gleich drei Anwälte, von denen einer – Axel Woeller,
Alter Herr der Landsmannschaft Rhenania-Jena zu Marburg – ein
Verbandsbruder im Coburger Convent ist. Dieser dürfte besonderes
Verständnis dafür gehabt haben, dass sich der Angeklagte an den
Tatabend nur verschwommen, bzw. nur an den ‚richtigen Stellen‘
erinnern konnte. Doch auch nicht korporierten Jurist_innen dürfte es
schwer fallen, einen Angeklagten Verbinder mit der gleichen Härte zu
belangen wie den durchschnittlichen Kneipenschläger, sind ihnen doch
der Habitus und Standesdünkel von Studentenverbindungen aus dem
eigenen Studienalltag noch gut bekannt, haben sie doch vielleicht
auch manche Party auf einem der Häuser mitgefeiert. An diesem
Prozess zeigt sich nicht zuletzt, wie nützlich elitäre Seilschaften
und offensiv nach Außen getragenes Standesdünkel sein können. So
wurde dem Angeklagten bereits im Dezember 2014 ein Hafturlaub aus der
Untersuchungshaft zu Weihnachten gestattet. Ebenso ist der Verzicht
der Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen Mordes auch nur zu
versuchen, beziehungsweise das niedrige geforderte Strafmaß im
Vergleich zum Umgang mit anderen Tatverdächtigen, blanker Hohn. Man
stelle an sich an dieser Stelle nur mal vor, der Angeklagte wäre
kein reicher, weißer Deutscher gewesen.

Eine
Krähe hackt der anderen aber nun mal kein Auge aus und wer bei
Klassenjustiz an die zwanziger Jahre denkt, wird hier eines besseren
belehrt.

Dass der Mörder zur Tatzeit ein Messer bei sich trug, versuchte er im
Prozess damit zu erklären, dass er zuvor Pilze gesammelt habe. Was
er mit der bei ihm gefundenen Zwille mit Stahlkugeln sammeln wollte,
blieb dagegen im Prozess unbeantwortet. Der Wunsch sich zu bewaffnen,
ist dabei nicht originär ein Fetisch von Verbindungsstudenten. Er
entspringt dem ständigen Gefühl von Bedrohung und Konkurrenzdenken
patriarchaler Männlichkeit. Hierzu schrieben wir 2014 unter der
Überschrift Mackerhaufen, Männerbünde, Messerstecher: [Die
Burschis fühlen]… sich durch jene bedroht, die durch ihre Existenz
oder Meinungsäußerungen ihre deutschnationalen, patriarchalen
Träume platzen lassen, also für ein solidarisches Miteinander
außerhalb von Patriarchat und Zweigeschlechtlichkeit eintreten. In
dieser Ideologie, die sich ständig durch eine als übermächtig
empfundene „Gutmenschenmafia“ bedroht sieht, ist Angriff die
beste Verteidigung. Dass aggressive Verbinder sich also mit Messern
bewaffnen, wenn sie nachts durch die Straßen ziehen, ist ihrem
Empfinden ständiger Bedrohung und der Notwendigkeit zur andauernden
Kampfbereitschaft geschuldet.Die körperliche Unversehrtheit und das
Leben des jeweiligen Gegenübers sind in dieser Logik nebensächlich,
die Burschis handeln aus ihrer Sicht heraus ja in Notwehr, indem sie
ihre Moralvorstellungen gegen eine ihnen feindlich gesinnte
Gesellschaft verteidigen.1

Klar ist (und war), dass wir
uns als radikale Linke nicht auf das Wirken der Justiz verlassen
können. Burschis, Verbindern, Rassist_innen,…, das Leben zu
vermiesen bleibt Handarbeit. Dabei das eigene Handeln kritisch zu
reflektieren und die eigenen Ansichten immer wieder zu hinterfragen
ist dabei der beste Schutz davor selbst in diese Mackerfalle zu
tappen oder die eigenen emanzipatorischen Ansprüche zu verlieren.

[Lisa:2]

1
Inwieweit dieses Bedürfnis nach Bewaffnung gegenüber einer
imaginierten Bedrohung auch auf die eigene Szene zutrifft mag jede_r
selbst entscheiden

Smash Patriarchy! Gegen die Demonstration der „Besorgten Eltern“ am 25.4. in Kassel

Am 25. April wollen die sogenannten „Besorgten Eltern“ unter dem Motto
„Gegen die Frühsexualisierung unserer Kinder“ wie schon in vielen
anderen Städten zuvor, auch in Kassel auf die Straße gehen. Die
Mitglieder dieser merkwürdigen Vereinigung reichen vom bürgerlichen
Spießer_innentum auf der einen Seite, bis hin zu religiösen
Fundamentalist_innen auf der anderen Seite. Die „Besorgten Eltern“
lassen sich wohl zum einen auf die sommerlichen Proteste gegen den
baden-württembergischen Bildungsplan zurückführen, zum anderen knüpfen
sie aber auch an den Protest gegen die „Ehe für Alle“-Demonstrationen in
Frankreich an.
Die „Besorgten Eltern“ greifen in ihrer Kampagne eine Stimmung auf, die
zeigt, dass der wutbürgerliche Mob, der im vergangenen Jahr einmal mehr
bewiesen hat, wie facettenreich er ist, bereits auf Linie gebracht ist.
Was nämlich kaum bekannt ist, ist, dass hinter dem Organisationsteam der
„Besorgten Eltern“ vor allem „Anhänger_innen“ der neorechtsradikalen
Partei AfD zu finden sind. Unter dem Deckmantel „Besorgter Eltern“
werden von hier aus offensive Angriffe auf LGBQT*I-Personen,
„Regenbogenfamilien“ und Sexualpädagogik der Vielfalt vorgenommen.
Menschenverachtenden und reaktionär-konservativen Ideologien und
Weltbildern werden aus voller Überzeugung gefrönt. Zu Beginn schien es
sich bei den „Besorgten Eltern“ vor allem um eine homofeindliche und
antifeministische Zusammenrottung pseudoängstlicher Bürger_innen
gehandelt zu halten. Nun machen sich jedoch ebenso neofaschistische
Organisationen im Kern der „Bewegung“ breit! Denn um die
“(un)berechtigten Sorgen“ der Bürger_innen ging es auch in der
Pegida-Bewegung und auch da wurde versucht, eine Öffentlichkeit zu
schaffen für Inhalte, über die es nichts zu diskutieren gibt: Rassismus,
Nationalismus, Sexismus, Homo- und Trans*feindlichkeit. Pegida lässt
grüßen!

Das bereitet uns Sorgen! Wir stehen für einen emanzipatorischen Umgang
miteinander ein. Hierzu gehört für uns die Ablehnung sowie das Bekämpfen
neofaschistischer und antifeministischer Ideologien und Strukturen. Wir
begreifen emanzipatorische Sexualpädagogik als einen Teil der
politischen Bildung, damit Kinder und Jugendliche Wissen um
verschiedenste gleichwertige L(i)ebensformen, Identitäten und
Sexualitäten erhalten.
Wir werden die Demonstration der „Besorgten Eltern“ nicht einfach
unkommentiert stehen lassen. Wir planen einen kreativen und bunten
Protest, um den neofaschistischen und antifeministischen Ideologien der
„Besorgten Eltern“ etwas entgegen zu setzen!

Kommt am 25.04.2015 um 12:30Uhr zum Café Desasta (Arnold-Bode-Straße 6)
am Campus Holländischer Platz für die letzten Infos!

„Besorgte Zecken“

Ermittlungsausschauss (für den Tag): 0163-8546838

http://qrew.blogsport.eu/2015/04/15/smash-patrichary-am-25-04/

Nazivilla Germania dichtmachen!

Antifa Demo
Sa, 31. Januar 2015
18 Uhr, Marburg Bahnhofsvorplatz

Am 17. Januar 2015 übernimmt die Marburger Burschenschaft Germania den Bundesvorsitz des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft (DB). Damit steht ab nächstem Jahr eine neonazistische Vereinigung an der Spitze eines ohnehin reaktionären Verbandes. Wir nehmen dies zum Anlass gegen die Burschenschaft Germania, deren Verstrickung in die Neonaziszene und gegen das extrem rechte Weltbild der Deutschen Burschenschaft zu demonstrieren.

Dass die Deutsche Burschenschaft ein Rückzugsort für Studenten mit extrem rechten Gedankengut ist, weiß spätestens seit dem Ruf nach dem sogenannten Ariernachweis (Spiegel) jede_r. Mit der Übernahme des Vorsitzes durch die Marburger Burschenschaft Germania nimmt diese Tendenz eine weitere Facette an.

Mit den Germanen übernimmt eine neonazistische Gruppierung den Vorsitz einer bundesweiten Organisation rechter Studenten. Die Trennung des rechten Lagers in intellektuelle Neue Rechte und schlägertypische Kameradschaften gibt es in Marburg nicht mehr. Die ansässigen DB-Burschenschaften – vor allem die Germania und die Rheinfranken – stellen Räume und Strukturen für neonazistische Politik, ob Fackelmärsche, Vorträge, Flugblattaktionen oder Naziaufkleber in der Stadt.

Dies liegt nicht zuletzt an der Zusammensetzung der Aktiven der Burschenschaft Germania. Antifaschistische Gruppen deckten auf, dass sie sich derzeit aus ehemaligen Kadern freier Kameradschaften, Funktionären der Jungen Nationaldemokraten, völkischen Fanatikern und Aktivisten der Neuen Rechten rekrutiert. Als Anlaufpunkt für die hiesige Neonaziszene haben die Verbindungshäuser Lutherstraße 3 und 5 zweifelhaften Ruhm erlangt.

Gleichzeitig wird bundesweit extrem rechte Politik von Marburg aus gesteuert und verwaltet. Denn als Vorsitzende gibt die Burschenschaft Germania ab 2015 dem letzten völkisch-rechten Studentenverband der BRD, der Deutschen Burschenschaft, den Ton an. Und der Ton in der Villa der Germania mit der Hausnummer 3 ist seit jeher tiefbraun.

Wir stellen dem Treiben der Burschenschaft Germania unseren entschlossenen Widerstand entgegen. Marburg bleibt rot.

Die Nazivilla Germania dichtmachen! Gegen die Vorsitzende der DB!

KAGIDA verhindern – Nazis die Räume nehmen

Auch in Kassel wollen Nazis am Montag erneut ihre rassistischen Positionen auf die Straße tragen. Kommt zu den Gegenprotesten!

Gegendemo 26.01. 18:00 Georg-Scheidemann-Platz , Kassel

26.05.15 – Pegida in Frankfurt? Läuft nicht!

Hier ein Aufruf der Genoss_innen aus Frankfurt zum dortigen rassistischen Kartoffelfest:


26. Januar | 16:30 Uhr | Hauptwache Frankfurt

Den rassistischen Aufmarsch blockieren – den staatlichen Rassismus ins Visier nehmen

Am 26. Januar wollen sie es nun auch in Frankfurt versuchen. “Pegida Frankfurt Rhein-Main” hat an diesem Tag für 17 Uhr zu einer Kundgebung an der Hauptwache und für 18:30 zu einem “Spaziergang” aufgerufen. RassistInnen, NationalistInnen, rechte Hools, Mitglieder der AfD, Nazis und all diejenigen, denen tausende Tote an den EU-Außengrenzen nicht genug sind, werden kommen. Angelehnt an das Vorbild der Dresdener Pegida-Demonstrationen hoffen sie, auf den bundesweiten Hype aufspringen zu können. Wir rufen alle fortschrittlich gesinnten Menschen dazu auf, gemeinsam mit uns zu verhindern, dass der rassistische, nationalistische und chauvinistische Mob durch Frankfurts Straßen ziehen kann. Wenn Pegida kommt, werden wir schon da sein. Wir treffen uns um 16:30 Uhr an der Hauptwache in Frankfurt.

Gegen den Rassismus der Mitte
Ebenfalls für den 26. Januar ruft ein breites Bündnis für 18 Uhr zu einer Kundgebung gegen Pegida und Rassismus auf dem Frankfurter Römer auf. Mit dabei sind auch die etablierten Frankfurter Parteien (CDU, SPD, Grüne). Dass deren Engagement auf Nächstenliebe gegenüber Flüchtlingen und Ausgegrenzten zurückzuführen wäre, ist jedoch nicht zu vermuten. Schließlich sind es eben diese Parteien, die deutsche Interessen am Hindukusch durchsetzen, Asylgesetze verschärfen, der Bevölkerung in Südeuropa Sparauflagen aufzwingen oder – wie gerade die Grünen – ein härteres Vorgehen gegen “Junkies” im Frankfurter Bahnhofsviertel fordern . Ihnen geht es wohl in erster Linie um Image-Werbung für den „internationalen Standort“ Frankfurt. Wir rufen daher dazu auf, sich dem rassistischen Aufmarsch selbstorganisiert und mit der nötigen Entschlossenheit in den Weg zu stellen und dabei zugleich den staatlichen Rassismus ins Visier zu nehmen. Stellen wir uns dem rassistischen Mob dort entgegen, wo er laufen will, anstatt uns abseits des Geschehens mit den StandortnationalistInnen der etablierten Parteien die Beine in den Bauch zu stehen.

Pegida – Kartoffeln machen auf Straße
Überraschung: So dumm, nicht zu merken, dass in dieser Gesellschaft „irgendwas“ nicht stimmt, sind nicht mal die RassistInnen von Pegida. Aber ihre Lösungsvorschläge für die soziale und politische Krise dieser Gesellschaft folgen einem so einfachen wie menschenverachtenden Kalkül: Mit den hiesigen Macht- und Herrschaftsverhältnissen will man sich lieber nicht anlegen. Stattdessen tritt man nach unten und macht die Schwächsten der Gesellschaft für die eigenen Ängste und Frustrationen verantwortlich. Die „Angst vor dem Salafismus“, die Verteidigung „freiheitlicher Grundwerte“ und die „Arroganz von Medien und Politik“ sind nur billiger Schmuck für das eigentliche Programm: Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus – also brutale Menschenfeindlichkeit. Wäre es anders, hätten sich die SpießerInnen an den Demonstrationen linker kurdischer und deutscher Gruppen gegen den Terror des Islamischen Staats und seine Unterstützer oder auch den diversen Krisenproteste beteiligen können. Aber da war nur Schweigen im deutschen Wald. Der Untertan geht hierzulande nur auf die Straße, wenn er die Gelegenheit wittert unter dem Verweis auf seine Herkunft besondere Ansprüche gegenüber „Fremden“ deutlich zu machen. Da dominiert Deutschland ganz Europa und zwingt ihm seine Wettbewerbspolitik auf und tausende Migrant*innen ertrinken jedes Jahr im Mittelmeer, aber deutsche NationalistInnen fühlen sich von der ganzen Welt betrogen. Dass autoritäre Charaktere, wie die von Pegida, AfD und co solche Wahnvorstellung haben ist keineswegs neu. Neu ist allerdings, dass sie sich ermutigt fühlen ihre Gesinnung vom Stammtisch auf die Straße zu tragen. Weil sogar sie ahnen, dass die Zeiten im Kapitalismus nicht besser und der Kuchen nicht größer wird, schalten immer mehr SpießbürgerInnen in den Angstbeißer-Modus um. Höchste Zeit ihnen klar zu machen, dass dieser reaktionäre Krisenlösungsversuch ein unangenehmer Holzweg ist.

Das „bessere Deutschland“ und die „berechtigten Sorgen“ seiner Insassen
Dem Großteil der politischen Eliten ist der Pegida-Auflauf unheimlich. Man will sich das gute Image des Standortes Deutschland und das bisher erfolgreiche Geschäftsmodell einer von Deutschland dominierten EU nicht durch neurotische Starrköpfe, denen selbst die paar Zugeständnisse an Menschenrechtsrhetorik und Liberalität schon zu weit gehen, kaputtmachen lassen. Man ist sich über die Reichweite der Forderungen und Schrillheit des Tons mit den Strassenkartoffeln nicht einig: Während sich hinter dem Antirassismus der Mitte ein Rassismus der ökonomischen Vernunft verbirgt, bedient sich der Mob darüberhinaus biologistischer und kulturalistischer Zuschreibungen. Einig sind sie sich letztlich in der rassistischen Unterteilung in nützliche und unnütze Migrant*Innen, die in Form von Frontex schon längst zur Staatsräson geworden ist. Überraschend ist das nicht, denn im rauen Wind der Standortkonkurrenz liegen neoliberale Eliten und rechter Mob im Zweifelsfall nahe beieinander. Genau hierin besteht auch die Gefahr, die von rechten Bewegungen wie Pegida und Parteien wie der AfD ausgeht: Was von ihnen droht, ist keine „faschistische Machtübernahme“, sondern eine weitere Verschärfung der ohnehin schon brutalen Einwanderungs- und Standortpolitik. Der Ruf nach Verständnis für die “besorgten Bürger”, von CDU bis Linkspartei, zeugt schon jetzt von einer Rechtsverschiebung der gesellschaftlichen Debatte. Fortschrittliche Wege aus der Krise werden durch die Verschiebung des Diskurses nach rechts kaum mehr wahrgenommen. Deswegen ist es jetzt wichtig dazwischen zu grätschen, dem rechten Straßenmob Einhalt zu gebieten und gleichzeitig eigene Alternativen zu entwickeln. Dass das mit Masse und Entschlossenheit möglich ist, haben antifaschistische Mobilisierungen in Hannover und in Kassel kürzlich bewiesen. Wenn Pegida unbedingt durch Frankfurt laufen will, dann müssen sie rennen!

Pegida in Frankfurt läuft nicht!
26. Januar | 16:30 Uhr | Hauptwache Frankfurt